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KiSS-Syndrom So erkennt ihr die Fehlstellung

KiSS-Syndrom: Überstrecktes und schiefes Baby
© Alica in Wonderland / Shutterstock
Es ist nicht leicht zu erkennen. Unbehandelt kann das KiSS-Syndrom aber folgenreich sein: So sehen die Symptome aus, wenn euer Kind KiSS haben könnte.

Inhaltsverzeichnis

Das KiSS-Syndrom als Diagnose eines Krankheitsbilds ist bei Medizinern und der Wissenschaft umstritten. Wirklich bewiesen ist die Störung der Körperhaltung im Säuglings- und Kleinkindalter bisher nämlich nicht.

Im Gegenteil, führende Wissenschaftler bemängeln die Nachweisbarkeit des KiSS-Syndroms und warnen vor einer zu schnellen Diagnose, da dadurch andere, schwerwiegende Krankheiten übersehen werden können. Und auch Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Behandlung des KiSS-Syndroms nicht. Aber fangen wir von vorne an. Was ist das KiSS-Syndrom überhaupt?

Was bedeutet KiSS?

KiSS ist die Abkürzung für Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störung. Bei der Fehlstellung sollen angeblich Kopfgelenke sowie die Wirbelsäule bei Säuglingen und Kleinkindern blockiert sein. Dabei ist angeblich der Übergangsbereich zwischen der Schädelbasis und den Wirbelgelenken im Bereich der oberen Halswirbelsäule (Atlas) durch das Syndrom betroffen.

Welche Ursachen hat das KiSS-Syndrom?

Ursachen können scheinbar Probleme bei der Schwangerschaft und unter der Geburt sein. Vorzeitige und lange Wehen, sowie weitere vorgeburtliche Erschwernisse, die Enge und Druck verursachen, können Gründe für die Belastung der Kopfgelenke sein:

  • Steiß- oder Beckenlage im Mutterleib
  • Enge im Mutterleib
  • Mehrlingsgeburten
  • Frühe Wehen

Problematische Geburten üben starken Druck oder Zug auf die noch sehr empfindsamen Kopfgelenke und Wirbel des Säuglings aus, darunter:

  • Saugglocken- oder Zangengeburt
  • Not-Kaiserschnitt
  • hohes Geburtsgewicht

Außerdem können scheinbar Unfälle Gründe für das Syndrom sein.

Wie ist KiSS zu erkennen?

Das KiSS-Syndrom fällt angeblich durch eine asymmetrische Bewegung und Haltung auf. Oft neigen betroffene Säuglinge den Kopf zu einer Seite, manchmal auch den ganzen Körper. Das Gesicht kann von Asymmetrie ebenso betroffen sein. Dabei ist ein Auge oder die ganze Gesichtshälfte kleiner. Wenn ein Neugeborenes beim Stillen eine Seite zu bevorzugen und bei der anderen Schmerzen zu haben scheint, soll auch dies ein Anzeichen für das KiSS-Syndrom sein.

KiSS-Kinder neigen den Kopf auch weit nach oben – sie überstrecken sich. Oft sind KiSS-Patienten berührungsempfindlich, wenn sie gehoben oder umgezogen werden. Liegen im Kinderwagen und im Autositz ist unangenehm, das wird durch viel Weinen zum Ausdruck gebracht.

Im Allgemeinen könnten auch Schreibabys KiSS-Kinder sein. Sie schlafen schlecht. Aufschlussreich soll ein bildgebendes Verfahren wie Röntgen sein. Beweise gibt es dafür allerdings nicht. Studien konnten bislang keine Nachweise für ein KiSS-Syndrom in Röntgenbildern finden.

Alternativmediziner unterscheiden in Typ I und Typ II

Das KiSS-Syndrom Typ I soll sich vor allem durch die sogenannte "Bananenhaltung" auszeichnen. Das Kind leidet dabei unter einer rechts- oder links-lastigen C-Haltung. Diese Zwangshaltung führt auch zu einer asymmetrischen Kopfform und kahlen Stellen. Typ I-Kinder haben angeblich oft eine kleinere Gesichtshälfte, leiden an einseitigen Stillproblemen, schlafen schlecht und haben sogenannten 3-Monats-Koliken. Eine einseitige Entwicklungsverzögerung wäre hier auffällig.

Für Typ IIist eine Überstreckung nach hinten ebenso symptomatisch, wie eine Hinterkopfabplattung. Kinder mit diesem KiSS-Typus suchen vermeintlich im Bett immer den Kontakt. Außerdem liegen Babys mit dem Typ II wohl nicht gerne auf dem Bauch und können schlecht in den Handtellerstütz kommen. Deshalb umgehen sie diese für sie unangenehme Haltung und kompensieren durch Rutschen auf dem Po.

Wie kann man das KiSS-Syndrom behandeln?

Nach der Diagnose soll eine Atlastherapie oder KiSS-Therapie die Blockaden der Gelenke und Halswirbel, und Verspannungen sowie Verengungen dauerhaft lösen und so die Symmetrie wieder herstellen können. Manuelle Therapien, wie Krankengymnastik, Craniosacraltherapie, Chiropraktik oder Osteopathie, sollen angeblich dabei helfen. Je nachdem, wie lange und wie ausgeprägt die Fehlstellungen beim Kind bestanden, brauchen KiSS-Kinder danach auch eine passende Therapie und regelmäßige Untersuchungen.

Hier gilt allerdings Vorsicht: Ein Kind aufgrund eines nichtbelegten Symptoms unter Umständen jahrelangen Therapien und Untersuchungen zu unterziehen, kann dem Kind ebenfalls schaden. Sprich auf jeden Fall mit deinem Kinderarzt, bevor du dich für weitere Schritte entscheidest.

Was kostet eine Behandlung?

Da die Behandlung des KiSS-Syndroms von den Krankenkassen nicht übernommen wird, müssen Eltern die Kosten dafür selbst übernehmen. Diese können, je nach Therapie und Mediziner, der die Therapie vornimmt, zwischen 50 und 400 Euro pro Behandlung.

Welche Folgen kann eine nicht behandelte Fehlstellung haben?

Alternativmediziner nennen verschiedene Folgen, sollte ein KiSS-Syndrom nicht behandelt werden. Darunter fallen:

  • Funktionsstörungen der Wirbelsäule, Entwicklungsverzögerung
  • Konzentrations- und Lernschwächen
  • motorische Defizite
  • Gesichts- und Schädelasymmetrien
  • Kidd-Syndrom (Kopfgelenk-induzierte Dyspraxie/Dysgnosie)
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Hyperaktivität
  • Kopfschmerzen
  • Aggressivität

Was ist das KiDD-Syndrom?

Das KiDD-Syndrom gilt als Folge des KiSS-Syndroms und beschreibt eine angebliche Störung der oberen Halswirbelsäule. Sie soll durch ein unbehandeltes KiSS-Syndrom im Kleinkindalter auftreten. Folgende Symptome sollen mutmaßlich bei KiDD-Kindern auftreten:

  • Hyperaktivität
  • Konzentrationsschwächen
  • Schreib- und Leseschwäschen
  • Haltungsschäden
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Wahrnehmungsstörungen

Wirklich bewiesen ist auch das KiDD-Syndrom nicht. Ebenso wie das KiSS-Syndrom, wird auch das KiDD-Syndrom von der Wissenschaftsgemeinde nicht anerkannt. Auch Krankenkassen übernehmen keine anfallenden Kosten.

Wichtig: Bei Verdacht auf Probleme mit der Halswirbelsäule, dem Kiefer, der Haltung, Verdacht auf ein Schreibaby und Störungen im Allgemeinen sollte mit Säuglingen immer sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Hier gibt es alle Infos zum Thema Zehenspitzengang bei Kindern.

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Brigitte

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