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Koliken 6 Tipps, was du bei einem Schreibaby tun kannst

Koliken: Baby schreit
© nikkos / Shutterstock
Koliken sind für Eltern und Kind anstrengend. Welche Symptome auftreten, wann ein Arztbesuch sinnvoll und was eine Schreiambulanz ist, klären wir hier. Die wichtigsten Fragen und Antworten. 

Das Baby schreit und schreit, windet sich scheinbar vor Bauchweh und kann sich kaum mehr beruhigen – hier könnte es sich um eine Kolik handeln, die in den ersten Lebensmonaten des Säuglings auftreten kann. Was dahinter steckt und was Eltern tun können, erfahrt ihr hier: Wir haben mit der Hebamme Manuela Rauer-Sell vom "Deutscher Hebammenverband e. V." gesprochen und die wichtigsten Fragen geklärt.

Die wichtigsten Antworten zu Koliken

BRIGITTE.de: Welche Symptome treten bei Koliken auf?

Manuela Rauer-Sell: Symptome wie anhaltendes Weinen/Schreien, Blähbauch, Unruhe, Stuhlverhalt oder häufige Darmentleerung (mit viel Druck), krampfartige Körperhaltung (Beine angezogen, Rücken rund) im Wechsel mit krampfartiger (Über-) Streckung werden häufig auf sogenannte Drei-Monats-Koliken, also Leibschmerzen des Säuglings zurückgeführt.

Und woher kommen Koliken?

Die Diagnose Drei-Monats-Kolik konnte klinisch bisher nicht nachgewiesen werden. Vermutlich gibt es (wenige) Babys, die sich von ihren Verdauungsabläufen mehr gestört fühlen als andere. Es handelt sich bei den Koliken weder um eine Erkrankung des Verdauungssystems noch um eine Ernährungsstörung. Viel Luft im Darm kann Blähungen verursachen. Das bedeutet, dass die Kinder davon betroffen sein können, die beim Trinken an der Brust oder der Flasche viel Luft schlucken und/oder nach dem Trinken nicht gut aufstoßen, also, die verschluckte Luft nicht herausbringen können.

Nach der Geburt muss der Verdauungstrakt tatsächlich erst einmal "in Betrieb" genommen werden. Bis zu diesem Tag erfolgt die Versorgung des ungeborenen Kindes über die Nabelschnur. Nach der Geburt steigt dann von Tag zu Tag die Milchmenge, die ein Baby trinkt, und entsprechend erhöht sich die  Verdauungsarbeit. Wie fast alles ist eben auch die Verdauung etwas, an das sich ein neugeborener Mensch gewöhnen muss.

Was können Eltern tun, wenn das Kind darunter leidet? Können sie Koliken vorbeugen?

Ruhe bewahren und ausstrahlen, darauf achten, dass das Kind wenig Luft schluckt beim Trinken und dass es nach dem Trinken gut aufstößt, den kleinen Bauch wärmen und/oder massieren, das Baby beim Windelwechsel ausgiebig ohne Windel strampeln lassen.

Hilft es wirklich, die Ernährung umzustellen oder anders zu stillen?

Wenn der Leidensdruck beim Kind oder bei den Eltern hoch ist, kann man das ausprobieren. Hier empfiehlt sich zuvor eine fachliche Beratung (Hebamme, Kinderärzt*in, Stillberaterin).

Ab wann sollte man zur Ärzt*in oder sich Hilfe in einer Schreiambulanz suchen?

Wenn sich die Beschwerden auf das Trinken derart auswirken, dass das Kind nicht gut an Gewicht zunimmt oder wenn das Weinen/Schreien selbst zum Problem wird. Für Letzteres gilt die Faustregel: 'Wenn das Kind anfallsartig und irritiert länger als drei Stunden täglich schreit, dieses öfter als dreimal die Woche auftritt und über mehr als drei Wochen anhält' (aus: Harder, U.: Wochenbettbetreuung in der Klinik und zu Hause, Hippokrates 4. Auflage, 2015). 

Die wichtigsten Koliken-Fakten im Überblick

Ursachen

Die Ursache für eine Kolik bei Säuglingen ist nicht eindeutig geklärt. Es gibt dazu verschiedene Erklärungsansätze wie:

  • Das Baby schluckt zu viel Luft beim Trinken
  • Die Verdauung des Kindes muss sich erst noch entwickeln und kann daher zu Schmerzen führen
  • Schlafmangel, der durch Einschlafprobleme generiert wird und zur Überreizung führt

Symptome

  • anhaltendes Weinen/Schreien
  • Blähbauch/Blähungen
  • Unruhe
  • Stuhl ist nicht wie gewohnt/erwartet 
  • häufige Darmentleerung (mit viel Druck) 
  • krampfartige Körperhaltung (Beine angezogen, Rücken rund) im Wechsel mit krampfartiger (Über-)Streckung

Was tun bei Koliken? 6 Tipps

  1. Sanfte Bauchmassage
  2. Baby ohne Windeln in angenehmer Wärme strampeln lassen
  3. andere Stillposition ausprobieren
  4. Baby mit dem Bauch auf dem Unterarm herumtragen
  5. Den Säugling sanft hin und her wiegen
  6. Rechtzeitig um Hilfe im Familien- oder Bekanntenkreis bitten oder fachliche Beratung suchen, wenn man als Eltern merkt, dass die Kräfte schwinden. 

Beratung in der Schreiambulanz

Wenn ein Baby ständig weint, ist es sowohl für die Eltern als auch für das Kind anstrengend – und es ist nur normal, wenn Eltern sich Unterstützung wünschen. Für solche Umstände gibt es sogenannte Schreiambulanzen und Frühe Hilfen, die mit Beratung, Begleitung und praktischer Hilfe Familien mit Schreibabys unterstützen können. 

Eine bundesweite Suche für deine Umgebung ist möglich auf der Seite elterninfo.de.

Lesetipp: Hier findest du die besten Einschlafhilfen fürs Baby sowie schöne Ideen für Einschlafrituale. Kennst du schon das Kindspech? Erfahre hier, was sich dahinter verbirgt.

Weitere Quellen

kindergesundheit-info.de/Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)


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