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Bioethik-Gesetz Frankreich erlaubt künstliche Befruchtung für Singles und Lesben

Künstliche Befruchtung Singles
© Olga Vaskevich / Shutterstock
In Frankreich steht die künstliche Befruchtung bald allen Frauen offen - auch Singles und Lesben. 

Jahrelang wurde dafür gekämpft, nun hat die französische Nationalversammlung beschlossen, dass sich künftig auch Singles und lesbische Paare künstlich befruchten lassen dürfen. Das neue "Bioethik-Gesetz" soll es allen Frauen ermöglichen, ihren Kinderwunsch mithilfe einer Samenspende zu verwirklichen. Das Gesetz war ein Wahlkampfversprechen von Präsident Emmanuel Macron.

Singles konnten sich nur im Ausland befruchten lassen 

Bisher mussten alleinstehende und lesbische Frauen ins Ausland reisen, wenn sie sich mit Spendersamen befruchten lassen wollten. Nur heterosexuelle Paare konnten die In-vitro-Fertilisation (IVF) in Frankreich in Anspruch nehmen. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Frauen von dem Gesetz profitieren können, so Gesundheitsminister Olivier Véran.

Außerdem gibt das Gesetz Kindern, die mit Spendersamen gezeugt wurden, das Recht, als Erwachsene die Identität ihres Vaters zu erfragen. Bisher garantierte Frankreich den Spendern Anonymität. 

Das Bioethik-Gesetz erlaubt es zudem mehr Frauen, ihre Eizellen einfrieren zu lassen (Social Freezing). Bisher war eine solche Behandlung nur in Ausnahmefällen erlaubt, etwa wenn eine Krebsbehandlung die Fruchtbarkeit beeinträchtigte. Die Leihmutterschaft bleibt verboten.

Die Mehrheit der Französ:innen befürworten die Neuerungen. Konservative und religiöse Gruppen sehen jedoch die traditionelle Familie bedroht. „Da wird die Würde jeder menschlichen Person ausradiert“, wird der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz von "Vatican News" zitiert.

Wie ist die Situation in Deutschland?

Welche Kinderwunsch-Behandlungen in Deutschland erlaubt und welche verboten sind, regelt das Embryonenschutzgesetz (ESchG) von 1990. Darin sind die Eizellspende und die Leihmutterschaft verboten. Es ist auch nicht erlaubt, einer Frau einen Embryo vor Abschluss seiner Einnistung in der Gebärmutter zu entnehmen, um ihn auf eine andere Frau zu übertragen. Die kommerzielle Verwendung einer Embryonenspende, das heißt die Übertragung eines gespendeten Embryos auf eine andere Frau gegen Geld, steht ebenfalls unter Strafe.

Die Befruchtung mit Spendersamen ist im Embryonenschutzgesetz allerdings nicht geregelt. Sie ist in Deutschland aber auch nicht verboten, egal, ob eine Frau ledig oder unverheiratet, heterosexuell, lesbisch oder alleinstehend ist. Allerdings lehnen viele Kinderwunsch-Ärzt:innen es ab, Singles zu behandeln, weil sie Gefahr laufen, juristisch als Erzeuger:in des Kindes betrachtet und im Zweifel sogar unterhaltspflichtig zu werden. Die Kosten für die künstliche Befruchtung müssen die betroffenen Frauen selbst tragen, da die gesetzlichen Krankenkassen sich nur daran beteiligen, sofern ein Ehepaar ausschließlich eigene Samenzellen verwendet.

Brigitte

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