Lehrermangel: An manchen Schulen müssen schon Eltern einspringen

An deutschen Schulen fehlen Lehrer. Besonders schlimm ist es in Sachsen, wo schon Mütter den Unterricht übernehmen mussten. Wie konnte es so weit kommen?

Worum geht's?

Um ein Problem, das sich in den nächsten Jahren noch deutlich verschärfen dürfte: der Lehrermangel an deutschen Schulen.

Vorname: Kleiner Junge in Lederhosen und

Lehrermangel? Eigentlich war doch Kindermangel das Problem der Deutschen!

Ja, aber das stimmt so nicht mehr. Die Geburtenrate liegt mit derzeit 1,5 Kindern je Frau so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Dazu kommen viele Kinder von Einwandererfamilien. Die Bertelsmann Stiftung hat gerade ausgerechnet, dass es bis 2025 eine Million mehr Schüler zu unterrichten gibt, als bislang angenommen.

Und das trifft die Schulen völlig unerwartet?

Viele ja. Weil die Zahl der Schüler jahrelang gesunken war, wurde Personal abgebaut und zu wenig in die Ausbildung von neuen Lehrern investiert. Zehntausende Lehrer zusätzlich werden in den nächsten Jahren benötigt – doch längst nicht so viele werden an den Hochschulen ausgebildet.

Wo ist es besonders schlimm?

In den ostdeutschen Bundesländern ist die Lage besonders alarmierend, vor allem in Sachsen. Das Land hat mit fast 1,6 Kindern je Frau die höchste Geburtenrate in Deutschland. Gleichzeitig ist die Lehrerschaft überaltert – in den nächsten zehn Jahren wird die Hälfte aller Lehrer in Sachsen pensioniert.

Fällt jetzt schon mehr Unterricht aus?

Ja, viele Stellen konnten zum Schuljahresbeginn nicht besetzt werden. An einer Grundschule in Dresden mussten nun schon Eltern kurzfristig den Unterricht übernehmen (was gar nicht erlaubt ist, doch angesichts des Notstands gucken die Behörden offensichtlich nicht so genau hin).

Was tun die Bundesländer gegen den Lehrermangel?

Vielerorts werden jetzt mehr Studienplätze für Lehrer geschaffen, allerdings wird sich das erst in vielen Jahren auszahlen – eine Lehrerausbildung dauert im Schnitt sieben Jahre. Den akuten Bedarf versuchen Schulen mit Seiteneinsteigern zu decken – oder mit Lehrern, die schon pensioniert sind. Es wird von Kritikern auch gefordert, die Gehälter anzugleichen, und zum Beispiel Grundschullehrern das Gleiche wie Gymnasiallehrern zu zahlen. Denn an Grundschulen ist der Lehrermangel besonders groß, womöglich auch, weil hier schlechter gezahlt wird.

Wie konnte man sich denn überhaupt so verschätzen?

Zum einen habe die Politik Fehler gemacht, weil zu viel gespart wurde, so Bildungsforscher Klaus Klemm gegenüber Spiegeln Online. Um Gehälter zu sparen, sei das Schulpersonal sehr knapp geplant worden. Allerdings sei es auch einfach nicht leicht, den Bedarf an Lehrern sicher vorherzusagen. Geburtenraten würden stark schwanken, dazu kämen Schulreformen (G8, Inklusion etc.), die den Bedarf an Lehrern stark beeinflussen und schwanken lassen.

miro
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