Milchbildung anregen: Das kannst du tun

Viele Mütter sind verunsichert, ob sie ihrem Baby genügend Milch bieten können. Hier erklären wir, wie viel Milch normal ist und wie du die Milchbildung gegebenenfalls anregen kannst.

Wie viel Milch ist normal?

Kurz nach der Entbindung ist die Milchmenge noch gering. Anschließend lassen Hormone die Milchmenge bis zum vierten Tag auf ungefähr 500 Milliliter ansteigen. Ab der vierten Woche nach der Geburt produzieren die Brüste circa 750 Milliliter Milch, unabhängig von Größe und Umfang. Das Stillen des Babys hält dabei durch den Saugreiz die Milchmenge konstant. Gerade das regelmäßige Anlegen an die Brust ist dabei von Bedeutung.

Du musst nicht deine Milch abpumpen, um messen zu können, ob dein Baby genug Muttermilch bekommt. Folgende Faktoren lassen laut dem Europäischen Institut für Stillen und Laktation darauf schließen, dass ausreichend Milch gebildet wird:

  • Du kannst dein Baby schlucken hören, sobald der Milchspenderreflex ausgelöst ist
  • Du stillst 8 bis 12 Mal pro Tag
  • Ab dem vierten Tage nach der Geburt sind mindestens 6 Windeln pro 24 h nass und in den ersten vier Wochen erfolgen mindestens 3 bis 4 Stuhlgänge pro 24 h
  • Bis zum zehnten Tag wird das Geburtsgewicht erneut erreicht
  • Innerhalb der ersten zwei Monate werden wöchentlich ungefähr 170 bis 330 Gramm Gewicht zugenommen
  • Innerhalb der Monate drei und vier erfolgt eine Gewichtszunahme von wöchentlich 110 bis 330 Gramm
  • Dein Baby macht einen munteren und aufmerksamen Eindruck und hat eine glatte Haut

Generell merkst du auch an deinen Brüsten selbst, ob dein Kind getrunken hat: Nach dem Stillen fühlen sie sich nicht mehr so voll an. Auch dein Baby sollte nun satt und zufrieden wirken.

Milchbildung anregen: Ursachen für eine verminderte Milchbildung

Normalerweise wird die Milchbildung ganz automatisch gesteuert, sodass dein Baby genug Muttermilch erhält. Ein Baby, das häufig angelegt wird, fördert somit auch die Milchproduktion. Entsprechend lässt die Nachfrage das Angebot regulieren. Bei einer ständigen Nachfrage wird entsprechend viel Milch gebildet. Das Baby sollte dabei so lange trinken können, wie es möchte.

Welche Faktoren können die Milchbildung beeinträchtigen?

Sowohl medizinische Gründe als auch Stillfehler können die Milchbildung hemmen:

  • Falsches Anlegen
  • Baby saugt nicht richtig
  • Ausbleibender Milchspendereflex
  • Stillmanagement verläuft ungünstig: Das kann zum Beispiel sein, wenn die Stillzeiten begrenzt sind oder zu unregelmäßig erfolgen
  • Tee, Wasser oder Milch werden zusätzlich gegeben
  • Mutter und Kind sind getrennt
  • Stillhütchen werden falsch eingesetzt
  • Zu seltenes Abpumpen
  • Künstliche Sauger, wie der Schnuller oder Flaschensauger, können das Baby irritieren, da sie eine andere Saugtechnik bedingen
  • Vorliegen einer Plazenta-Retention 
  • Starker Blutverlust während der Entbindung
  • Vorerkrankungen der Mutter: z. B. Schilddrüsenerkrankung, Hypophysenerkrankung
  • Anatomische Gründe an der Brust oder vorangegangene Brustoperationen
  • Erkrankung oder Besonderheiten des Babys: z. B. Fehlstellungen im Kieferbereich
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Milchbildung anregen: Maßnahmen

Liegt eine mangelhafte Milchbildung oder Unsicherheiten darüber vor, solltest du dich von einer Hebamme oder Stillberaterin beraten lassen. Sie kann dir helfen, die Ursachen herauszufinden. Mögliche Maßnahmen sind:

  • Frühes Anlegen direkt von Geburt an
  • Häufiges und regelmäßiges Stillen 
  • Verbesserung der Anlegetechnik und des Stillmanagements
  • Ruhe und Entspannung während des Stillens, Stress vermeiden!
  • Überprüfen von Stillhütchen 
  • Kontrolle der Abpumptechnik  
  • Beim Stillen dem Baby beide Brüste anbieten
  • Bei einer Zufütterung sollte diese stillfreundlich an der Brust erfolgen
  • Saugverwirrung ausschließen
  • Viel Körper- und Hautkontakt zwischen Mutter und Kind kann die Milchproduktion steigern, da mehr Oxytocin (Hormon zum Transport der Muttermilch) produziert wird
  • Eine sanfte Brustmassage löst den Milchspendereflex vor dem Stillen leichter aus
  • Einnahme von Milchbildung anregenden Medikamenten (Galaktogoga), die der Arzt verschreiben kann
  • Bei Bedarf können entsprechende Stilltees getrunken werden. Sie enthalten verschiedene Kräuter und Gewürze, denen eine milchbildende Wirkung nachgesagt wird: z. B. Bockshornkleesamen, Kümmel, Fenchel, Koriander, Anis, Eisenkraut. Hinweis: Bei einigen Kräutern oder Samen können allergische Reaktionen möglich sein. Lass dich daher vorher von einem Arzt beraten.

Grundsätzlich solltest du dir immer wieder bewusst machen, dass die Milchbildung sich ganz natürlich einstellt, wenn du viel Zeit mit deinem Baby verbringst. Außerdem sind Entspannung und Ruhe zum Stillen sehr wichtig. Solltest du dennoch unsicher sein, ob dein Kind genügend Milch bekommt, sprich mit deiner Hebamme oder einer Stillberaterin. Hilfe bei Stillproblemen finden Mütter auch zum Beispiel telefonisch bei der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen (AFS) oder bei La Leche Liga.

Du möchtest dich zu weiteren Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und Neugeborenes belesen? Hier erfährst du alles über die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft. Hier klären wir Fragen zum Milchstau und hier geben wir Rat zum Thema Baby schläft nicht.

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Verwendete Quellen:

  • Europäisches Institut für Stillen und Laktation (Aufruf: 21.04.2020)
  • La Leche Liga Deutschland e.V. (Aufruf: 21.04.2020)

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