Forscher fordern mehr Vitamin B in Lebensmitteln

Missbildungen bei Babys sind häufig auf einen Folsäuremangel in der Schwangerschaft zurückzuführen. Eine neue Studie empfiehlt, Lebensmittel mit Vitamin B anzureichern.

Den Rat, Folsäuretabletten zu kaufen, bekommt wohl jede Frau mit Kinderwunsch von ihrer Gynäkologin. Denn wer schon vor der Empfängnis genügend Vitamin B zu sich nimmt, minimiert das Risiko für einen offenen Rücken oder Schädelmissbildungen beim Baby um mehr als 70 Prozent. Zu dieser Erkenntnis kamen Wissenschaftler schon 1991.

Trotzdem geht die Zahl der Neugeborenen mit sogenannten Neuralrohrdefekten in Europa nicht zurück, zeigt eine neue, im British Medical Journal veröffentlichte Studie. Wissenschaftler vom Center for Biostatistics and Epidemiology in Paris untersuchten, wie viele Föten zwischen 1991 und 2011 Fehlbildungen durch einen Neuralrohrdefekt entwickelten. Sie werteten Daten aus 19 europäischen Ländern aus, darunter auch Deutschland.

Ihr Ergebnis: Sowohl 1991 als auch 2011 kam es bei etwa neun von 10.000 Schwangerschaften zu Missbildungen. Allerdings räumen die Forscher ein, dass zum einen durch Registrierungsfehler die Ergebnisse verzerrt worden sein können, zum anderen nicht in jedem Fall ein Folsäuremangel für die Neuralrohrdefekte verantwortlich sein muss.

Was jedoch dafür spricht sei, dass die Versorgung mit Folsäure in Europa nach wie vor schlecht ist - auch in Deutschland. Schon 2005 stellte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) fest, dass bis zu 90 Prozent der Deutschen zu wenig von dem B-Vitamin zu sich nehmen. Deswegen empfiehlt es insbesondere Frauen, die schwanger werden wollen, zusätzlich 400 Mikrogramm Folsäure pro Tag in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu schlucken.

Brauchen wir mehr Vitamin B in Lebensmitteln?

Doch diese Empfehlungen reichen den Forschern nicht - schließlich werden genügend Frauen auch ungeplant schwanger. Und wenn sie das bemerken, sind die entscheidenden ersten Schwangerschaftswochen im Zweifel schon verstrichen. Deswegen fordern die Studienautoren die zuständigen EU-Behörden dazu auf, die Anreicherung von Grundnahrungsmitteln mit Folsäure verbindlich zu machen. Gleiches fordert auch der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit, der sich "ein stärkeres Bewusstsein für die noch immer unzureichende Folatversorgung in Deutschland" wünscht.

In den USA müssen Hersteller bereits seit 1998 Getreideprodukte wie Brot, Pasta und Reis mit dem B-Vitamin anreichern. Dadurch sei die Zahl der Neuralrohrdefekte innerhalb weniger Jahre um rund 30 Prozent zurückgegangen, schrieb das Ärzteblatt in einer Meldung zu Beginn dieses Jahres. Insgesamt 80 Länder setzen inzwischen Folsäure in Grundnahrungsmitteln wie Mehl ein.

Die größte Herausforderung wird künftig darin bestehen, das richtige Level zu finden. Die Folsäure soll Ungeborene vor Neuralrohrdefekten schützen, darf aber die Bevölkerung gleichzeitig nicht einer zu hohen Dosis auszusetzen. Dies wiederum könne einen Mangel an Vitamin B12 verschleiern und vor allem ältere Menschen gefährden. Doch die Forscher sind zuversichtlich: Die USA hätten gezeigt, dass ein gutes Mittelmaß möglich ist.

nw
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