Was einem keiner erzählt: So verändert sich der Körper nach der Geburt

Trockene Scheide, Blasenschwäche, Hämorrhoiden: Es gibt Beschwerden, über die spricht man nicht so gerne – man googelt sie vielleicht. Wir klären die ganz normalen Fragen, die sich Mütter nach der Geburt stellen.

Hurra, das Baby ist da. Aber bleibt mein Körper so?

Nach der Geburt katapultieren uns Endorphine auf Wolke sieben. Jetzt ist nur Zeit für eins: das Baby. Freuen, genießen, glücklich sein. Doch nach ein paar Tagen kommt vielleicht ein ernüchterndes Gefühl dazu: das Fremdsein des eigenen Körpers. Die Schwangerschaft hat ihre Spuren hinterlassen, die Geburt dem Körper Wunden zugefügt, und die Stillzeit überwältigt frisch gebackene Mütter mit ihren ganz eigenen Besonderheiten. Eine Frage stellen sich dann die meisten: Bleibt mein Körper jetzt so?

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1. Die Vagina sieht anders aus und fühlt sich anders an

Bei einer natürlichen Geburt vergrößert sich die Vagina um das Zehnfache – aber das kann sie problemlos aushalten. Dass sich nach der Geburt alles anders anfühlt, als vorher liegt an der Beckenbodenmuskulatur, die erstmal nicht mehr so fest und straff ist wie vor der Schwangerschaft. Wichtig ist es, nach einigen Wochen mit einer Rückbildungsgymnastik den Beckenboden wieder zu stärken. Der Körper braucht ein paar Monate, um wieder in alte Formen zurückzufinden.

Was sich dauerhaft verändern kann, ist der Scheidenkanal. Das hat allerdings keinerlei Einflüsse auf den Geschlechtsverkehr und ist auch optisch von außen nicht erkennbar. Nur beim Einführen eines Tampons während der Regelblutung merkt man, dass es sich etwas anders anfühlt. Hier kann nur Beckenbodentraining wirklich helfen.

2. Dammriss

Wikipedia sagt ganz einfach, wovor wir uns so oft gruseln: "Ein Dammriss ist das Einreißen des Gewebes zwischen Vulva und After, des Damms, bei der Geburt. Durch starke Dehnung des Dammgewebes, meist durch den Kopf des Neugeborenen, selten auch durch die Schultern, kommt es zum Riss. Er erfolgt meist an der schwächsten Stelle des Gewebes, also vom Scheideneingang in Richtung After."

Dammrisse werden in Schweregrade von eins bis vier eingeordnet. Manche Frauen überstehen die Geburt ganz ohne Einreißen, andere leiden unter starken Dammverletzungen. Abhängig ist das von der Elastizität des Gewebes, der Größe des Kindes, der Vorbereitung des Damms und der Geschwindigkeit der Geburt. Größere Risse werden genäht. Da die Schleimhaut sehr gut und schnell heilt, verursachen diese Risse meist keine Beschwerden. Manchmal spüren Frauen nach einem starkem Dammriss noch Schmerzen beim Sitzen, Laufen, beim Stuhlgang oder Sport. Es kann mehrere Monate dauern, bis die Beschwerden völlig verschwinden.

3. Die Scheide ist trocken

Nach dem Wochenbett haben viele Frauen das Problem, dass ihre Scheide trocken ist. Der Grund ist der Hormonhaushalt nach der Schwangerschaft. Der Östrogenmangel nach der Geburt und während der Stillzeit ist Hauptverursacher des Problems. Die Schleimhaut wird dadurch dünner und empfindlicher und die Vaginalflora kann aus dem Gleichgewicht geraten.

Hebammen empfehlen, das Damm-Massageöl (zum Beispiel von Weleda, das enthält Mandel- und Weizenkeimöl), das sie in der Schwangerschaft benutzen, auch nach der Entbindung zu verwenden. Das Öl auf einen Tampon träufeln und tief in die Scheide einführen. Eine einzige Behandlung soll oft über mehr als eine Woche wirksam sein. In extremen Fällen können auch Hormonzäpfchen helfen.

4. Die Brust ist viel größer

In der Schwangerschaft bereitet sich die Brust schon auf das Stillen vor und wird größer. Ein paar Tage nach der Geburt kommt der Milcheinschuss – und mit ihm wieder ganz neue Dimensionen. Die bleiben, vorausgesetzt es wird gestillt, auch ein paar Monate so. Doch spätestens wenn die Beikost eingeführt wird, schrumpft die Oberweite wieder. Wichtig fürs Wohlfühlen: Für alle Größen einen bequemen BH kaufen.

5. Die Brustwarzen sind dunkler und größer

In der Schwangerschaft geht's los: Die Brustwarzen werden dunkler und größer. Ein hormonelles Phänomen, das nach dem Abstillen und schon während einer längeren Stillzeit verschwindet.

6. Dehnungsstreifen

Wir wollen ehrlich sein: Dehnungsstreifen an Brust und Bauch bleiben uns auch nach der Geburt erhalten. Sie verblassen allerdings mit der Zeit ein wenig und auch mit einer guten Hautpflege lässt sich Einiges bewirken.

7. Schwache Blase

Dass schwangere Frauen oft zur Toilette gehen, ist hinlänglich bekannt. Das Kind im Bauch drückt auf die Blase. Aber was passiert nach der Geburt? 20 Prozent der Frauen leiden dann immer noch unter Blasenschwäche, sogar bis zur Inkontinenz. Sie ist eine Folge des strapazierten Beckenbodens, mit dem Rückbildungstraining wird dieses Problem meist vollständig behoben. Wenn Frauen nach der Rückbildung immer noch nicht den Urin kontrolliert halten können, sollten sie mit ihrem Frauenarzt darüber sprechen.

8. Hämorrhoiden

Diese Zahl spricht für sich: 50 Prozent aller schwangeren Frauen leiden während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt unter Hämorrhoiden. Aber kaum eine spricht darüber. Während der Schwangerschaft vergrößern sich oft bereits bestehende Gefäßerweiterungen im Gewebepolster am After. Die Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen im Gewebe können den Blutrückfluss in den Gefäßen beeinträchtigen, und die wachsende Gebärmutter erschwert den normalen Rückfluss des Blutes aus den Beckenvenen. Hamamelis-Myrte-Balsam und Sitzbäder mit Eichenrindenextrakt verschaffen in der Schwangerschaft Linderung.

Meist verschwinden Hämorrhoiden einige Wochen nach der Geburt wieder – manchmal leider aber auch nicht. Dann kann aber immer noch der Proktologe helfen. Mit neuen Lasermethoden lassen sich Hämorrhoiden relativ leicht entfernen.

9. Nach dem Kaiserschnitt

Nach einem Kaiserschnitt dauert alles einfach ein bisschen länger. Man kann erst später mit der Rückbildungsgymnastik beginnen, darf nicht schwer heben – der Körper muss erst mit den Folgen der Bauchoperation fertig werden. Auch wenn die Narbe anfangs noch sehr schmerzt und Laufen, Bücken und Co. Probleme bereiten – nach einem halben Jahr ist meist alles prima wieder verheilt. Die Narbe bleibt für immer, wen die Wulst stört, der kann die Wundheilung mit einem speziellen Narben-Gel ankurbeln.

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Mütterkörper: Was einem keiner erzählt: So verändert sich der Körper nach der Geburt

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Liebe Mütter, feiert eure Körper! ❤️
Text: saro
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