Sind Erstgeborene intelligenter als ihre Geschwister?

Bislang ging die Forschung davon aus, dass erstgeborene Kinder im Schnitt intelligenter sind als ihre jüngeren Geschwister. Doch stimmt das wirklich? Das hat eine neue Studie untersucht.

Neue Studie: Das erstgeborene Kind soll intelligenter als seine Geschwister sein
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Welche Rolle spielt die Reihenfolge, in der wir in eine Familie hineingeboren werden, für unsere Entwicklung? Ticken Erstgeborene tendenziell anders als die Sandwich-Kinder oder Nesthäkchen? Diese Fragen hat Psychologen und Entwicklungsforscher schon immer fasziniert.

Bislang galt: Mit jedem Kind sinkt das intellektuelle Niveau

Eine Studie von 2001 kam zum Schluss, dass nicht nur das intellektuelle Niveau insgesamt in der Familie, sondern auch die Position unter den Geschwistern einen Einfluss auf die Intelligenz habe. Erstgeborene seien im Schnitt schlauer als die jüngeren Geschwister, so das Fazit der Psychologen damals.

Ihre Begründung: Die Kinder hätten in den ersten Jahren eine höhere intellektuelle Stimulation als die anderen - weil sie ja nur mit Erwachsenen zusammen seien. Mit jedem weiteren Kind hingegen würde das intellektuelle Niveau sinken. Die spätgeborenen Kinder also weniger angeregt, auch weil ihre Eltern weniger Zeit für sie haben.

Aber kann man das so pauschal sagen? Das haben Wissenschaftler von der Universität von Illinois in der bislang größten Studie zu diesem Thema erneut geprüft.

Sie werteten dafür die Daten einer Langzeitstudie aus den 1960ern aus, an der 377.000 Highschool-Schüler teilgenommen hatten, die mindestens einen Bruder oder eine Schwester hatten. Rund 264.000 erklärten sich bereit, bei der neuen Studie wieder mitzumachen. Sie mussten viele Fragebögen ausfüllen und Aufgaben lösen, die Hinweise auf ihre Intelligenz, aber auch ihren Charakter geben sollten.

Neue Studie zeigt: Der IQ von Erstgeborenen ist nur einen Punkt höher

Das Ergebnis: Alle Spätgeborenen können sich entspannen, denn die Reihenfolge der Geburt hat danach keinen nennenswerten Einfluss darauf, wie intelligent Menschen sind. Der IQ von Erstgeborenen sei im Schnitt gerade mal einen Punkt höher als der von Zweit- oder Drittgeborenen, und das liege vor allem an leicht besseren verbalen Fähigkeiten, heißt es in der Studie. Das stützt zumindest die Theorie, dass es gut ist für die Sprache des Babys, wenn es in den ersten Jahren vor allem Erwachsene quatschen hört.

Auch bei der Persönlichkeit sahen die Forscher nur wenige allgemeinen Tendenzen. Im Schnitt seien die Erstgeborenen etwas dominanter, weniger ängstlich und nicht so kontaktfreudig - allerdings in so geringem Maße, dass die Wissenschaftler den Einfluss für die Persönlichkeitsentwicklung für gering halten.

Insgesamt gehen die US-Forscher davon aus, dass das Geschlecht oder der soziale und finanzielle Status der Eltern eine größere Rolle bei der Entwicklung spielen als die Reihenfolge bei der Geburt. Außerdem gebe es noch viele Faktoren, die bislang nicht miteinbezogen wurden. Zum Beispiel der Altersabstand zwischen den Geschwistern oder das Aufwachsen mit Stiefgeschwistern.

Gute Nachricht also für die Sandwich-Kinder und Nesthäkchen. Zumindest hier werden sie nicht benachteiligt. Allerdings können sie sich bei schlechten Noten nun auch nicht mehr mit ihrem Rang in der Familie rausreden.

miro
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