Stadtkinder leiden häufiger an psychischen Störungen

Forscher aus London haben untersucht, wie sich das Stadtleben auf die seelische Gesundheit von Kindern auswirkt.

Schlechtere Luft, Lärm, Menschenmassen - dass das Leben in der Stadt nicht gerade toll für die Gesundheit ist, wissen wir schon länger. Vergangene Studien zeigten, dass Stadtkinder zum Beispiel eher an chronischen Krankheiten wie Neurodermitis oder Asthma leiden.

Aber wie wirkt sich die Stadt auf die psychische Gesundheit von Kindern aus?

Das haben britische Forscher der Duke University und des King's College untersucht. In einer Langzeitstudie beobachteten und untersuchten sie dafür über 2.200 britische Zwillingspaare von der Geburt bis zum Alter von 12 Jahren. Sie werteten auch die Umgebung und das soziale Milieu, in der die Kinder aufwuchsen, aus - außerdem wurden die Krankheitsgeschichten der Familien miteinbezogen.

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Das Ergebnis:

Zwölfjährige, die in Städten aufgewachsen sind, leiden häufiger unter psychischen Störungen - und zwar fast doppelt so oft wie Landkinder.

Etwa 7,4 Prozent der Stadtkinder hatten bis zu ihrem 12. Geburtstag mindestens ein Symptom für eine psychotische Störung gezeigt, bei Kindern auf dem Land sind es nur 4,4 Prozent.

Zu den Symptomen psychotischer Störungen gehören paranoide Gedanken oder das Hören und Sehen von Dingen, die für andere nicht da sind. Psychotische Störungen in der Kindheit werden mit psychischen Krankheiten wie Schizophrenie im Erwachsenenalter in Verbindung gebracht.

Was sind die Gründe für die psychischen Störungen?

Interessant ist auch, was die Forscher über die möglichen Ursachen herausgefunden haben: Die psychischen Störungen kamen besonders häufig dann vor, wenn es im Umfeld der Kinder keinen guten nachbarschaftlichen Zusammenhalt gab, wenig soziale Kontrolle, viel Ärger mit den Nachbarn und wenn die Familie Opfer eines Verbrechens geworden war.

Am deutlichsten dabei war offenbar der Einfluss von schlechtem Gruppenzusammenhalt kombiniert mit einer hohen Kriminalität.

Nun seien die Zahlen von psychischen Störungen bei Kindern zwar insgesamt gering, aber dennoch sei die Studie sehr aufschlussreich, so Candice Odgers, Professorin für Psychologie und Neurowissenschaften. "Diese Studie hilft uns dabei, die Eigenheiten von Wohngegenden herauszufinden, die besonders schädlich für die seelische Gesundheit von Kindern ist", sagt sie gegenüber Sciencedaily.com.

"Nur weil ein Kind ein psychotisches Symptom erfahren hat, heißt das noch nicht, dass es später eine ausgewachsene psychische Krankheit entwickelt", ergänzt ihre Kollegin Helen Fisher. "Bei vielen Kindern verschwinden sie mit dem Größerwerden, aber diese ungewöhnlichen, frühen Erfahrungen können später zu Problemen führen."

miro
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