Schwangerschafts-Concierge: Service für werdende Mütter

Wer zum ersten Mal ein Kind bekommt, hat 1000 Fragen. Die Antworten kann man entweder mühsam googeln - oder man leistet sich einen Profi: Ulrike Loth und Inga Sarrazin betreiben einen "Schwangerschafts-Concierge" in Berlin.

In den USA gibt es sie schon lange: Schwangerschafts-Concierges. Die Dienstleister für werdende Mütter helfen bei organisatorischen Fragen während der Schwangerschaft und der Babyzeit. Ulrike Loth hat die Dienstleistung nach Berlin geholt. Zusammen mit Inga Sarrazin betreibt sie maternita.de. Seit diesem Jahr bieten sie auch die deutschlandweit erste Qualifizierung für Schwangerschafts-Concierges und "Baby Planner" an.

BRIGITTE MOM: Was genau bieten Sie werdenden Müttern an?

Ulrike Loth: Das kommt darauf an, was die jeweilige Mutter braucht. Wir helfen bei Anträgen für das Elterngeld, bei der Auswahl des Krankenhauses und der Hebamme. Wenn eine Frau sich das wünscht, wählen wir mit ihr auch die Einrichtung für das Kinderzimmer aus oder kaufen den Kindersitz fürs Auto. Oder buchen ihr einen passenden Kurs für Schwangerenyoga. Die Bedürfnisse der Frauen sind ganz unterschiedlich.

Sind das nicht Dinge, die man als Schwangere lieber selbst erledigt?

Inga Sarrazin: Die wenigsten Frauen sind sich bei der ersten Schwangerschaft darüber bewusst, was sie als werdende Mutter alles organisieren müssen. Welches Krankenhaus ist das richtige für mich? Will ich doch in ein Geburtshaus? Welche Termine muss ich wahrnehmen? Ist meine Wohnung kindersicher? Es gibt eine Menge zu bedenken. Viele Frauen möchten dabei unterstützt werden.

Aber mittlerweile gibt es doch alle Informationen im Internet.

Ulrike Loth: Das stimmt. Aber man braucht viel Zeit, um glaubwürdige, gute Informationen zu finden. Außerdem gibt es sehr verschiedene Meinungen und Positionen. Wir helfen den Frauen, sich durch den Informationsdschungel zu kämpfen. Lange Recherchen im Internet oder in Einrichtungshäusern können sie sich dann sparen.

Helfen ratlosen Schwangeren weiter: Ulrike Loth und Inga Sarrazin von Maternita

Kommen Sie den Hebammen nicht ins Gehege?

Inga Sarrazin: Nein, gar nicht. Wir bieten keine medizinische Beratung oder Betreuung an. Das dürfen und wollen wir auch gar nicht. Wir ergänzen das Angebot der Hebammen und helfen den Frauen bei allem anderen, was es zu organisieren gibt. Wir sind ja beide selber Mütter und geben unsere Erfahrungen weiter. Außerdem sind wir gut vernetzt mit Experten rund um das Thema Schwangerschaft und Geburt.

Wie genau läuft so eine Concierge-Beratung ab?

Ulrike Loth: Am Anfang klären wir, wo die werdende Mutter gerade steht. Was sie schon organisiert hat, was noch fehlt. Manche Frauen haben ganz klare Vorstellungen. Andere nicht. Das Erstgespräch ist kostenlos. Dann erstellen wir ein Angebot. Wir können Frauen über einen längeren Zeitraum begleiten oder gezielt für ein oder zwei Stunden.

Inga Sarrazin: Erfahrungsgemäß melden sich die Frauen nicht direkt am Anfang der Schwangerschaft bei uns, sondern später. Manchmal melden sich auch erst dann, wenn es schon brennt.

Was muss ich für eine Schwangerschafts-Concierge zahlen?

Ulrike Loth: Das kommt ganz darauf an, wofür und für wie lange die Frau uns buchen möchte. Eine reine Recherche fängt bei 15 Euro an. Die "Rundum-Sorglos-Betreuung" ist dann schon etwas teurer. Wir haben eine Halbtagspauschale von 300 Euro.

Gibt es in Deutschland einen Markt für so eine Dienstleistung?

Ulrike Loth: Auf jeden Fall. Die wenigsten Frauen haben genug Zeit, sich in Ruhe vorzubereiten. Viele Frauen arbeiten ja bis sechs Wochen vor der Geburt. Und zum Beispiel nach einem Umzug in eine neue Stadt läuft die Geburtsvorbereitung ganz anders. Nicht immer steht den Frauen ein unterstützender Partner zur Seite. Gerade Erstgebärende sind oft verunsichert. Diese Unsicherheit wollen wir ihnen nehmen.

Wer leistet sich in Deutschland diesen Service?

Inga Sarrazin: Wir haben bis jetzt vor allem Kundinnen aus der gehobenen Mittelschicht. Karrierefrauen, die während der Schwangerschaft genauso weiterarbeiten wollen wie davor.

Ulrike Loth: Es gibt immer mehr Frauen, die sich von der Vorstellung entfernen, dass sie alles alleine machen müssen. Manche unserer Kundinnen sind auf Hilfe angewiesen, weil sie schon frühzeitig im Krankenhaus liegen oder unsere Sprache nicht sprechen. Andere wollen auch während der Schwangerschaft nicht auf ihren bisherigen Lebensstil verzichten und Aufgaben abgeben.

Was waren die schönsten und skurrilsten Momente, die Ihnen als Concierges passiert sind?

Ulrike Loth: Wirklich schön war es, als wir einer Drillingsmama helfen konnten. Sie hat schon ein Kind und als sie zu uns kam, war sie im achten Monat schwanger. Sie hatte überhaupt nicht mit einer Mehrlingsgeburt gerechnet und den Überblick verloren. Wir haben sie mit Informationen über die rechtlichen Aspekte und finanziellen Hilfen für Mehrlingsfamilien informiert. Ihr war nicht bewusst, wie viel Unterstützung man in einem solchen Fall bekommen kann. Jetzt hat sie ihre drei Jungs bekommen und zu uns gesagt: 'Ihr habt mir damit mehr und schneller geholfen als jedes Amt, das ich kontaktiert habe'. Ein wenig seltsam wiederum war der Wunsch eines Mannes nach einer Amme, die das Kind seiner Partnerin stillen sollte. Den Zahn haben wir ihm schnell gezogen. Ammen gibt es in Deutschland schon lange nicht mehr. Aus der Anfrage ist dann nichts geworden.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, den Concierge-Service in Deutschland zu gründen?

Ulrike Loth: Während meiner Schwangerschaft mit meiner Tochter Finia war ich länger im Ausland. Deshalb konnte ich mich nicht um die Geburtsvorbereitung kümmern. Als ich zurück in Deutschland war, war ich vollkommen überfordert. Mir fehlte jemand, der sich auskennt. So kam ich auf die Idee, den Service, den ich aus den USA kannte, in Deutschland anzubieten. Inga kam später dazu. Sie lag zehn Wochen vor der Geburt ihrer Zwillinge im Krankenhaus und hatte anschließend Frühchen zu betreuen, da blieb nicht viel Zeit für Organisatorisches.

Ihr bietet auch eine berufliche Qualifizierung an: Was macht eine gute Schwangerschafts-Concierge aus?

Ulrike Loth: Schwangerschafts-Concierge ist ein sehr sensibler Job, denn das Leben unserer Kundinnen verändert sich enorm. Man sollte die Verantwortung, die mit diesem Job einhergeht, nicht unterschätzen. Man braucht ein starkes Einfühlungsvermögen, muss gut zuhören können und gut organisiert sein.

Inga Sarrazin: Diskretion ist auch wichtig. Man erfährt viel Privates, mit dem man absolut vertraulich umgehen muss.

Muss ich selbst Mutter sein, um als Schwangerschafts-Concierge arbeiten zu können?

Inga Sarrazin: Ja. Nur wer selbst schon schwanger war, kann die Probleme einer Schwangeren nachempfinden. Man weiß, wie das mit der Hebamme und dem Mutterpass funktioniert und welche Probleme, Ängste und Sorgen in der Schwangerschaft auftreten können.

Weitere Informationen zum Thema:

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Interview: Daniela Singhal
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