Ärzte warnen: Pucken von Babys kann Hüftschäden fördern!

Viele Babys beruhigt es, wenn sie fest in Tücher gewickelt werden. Aber das Pucken kann der Entwicklung des Kindes offenbar schaden.

Das so genannte Pucken ist eine beliebte Methode, um neugeborene Babys zu beruhigen. Sie werden dabei fest eingewickelt, zum Beispiel in ein Handtuch, so dass die Arme eng am Körper liegen. Viele Kinder werden sofort ganz ruhig, sobald sie wie ein Päckchen daliegen. Laut Hebammen liegt das daran, dass sie sich so an die Enge im Mutterleib erinnert fühlen, was Geborgenheit vermittelt.

Das Baby richtig tragen: So wird die Bindung gestärkt

Doch das Pucken steht auch in der Kritik. Man kann nämlich einiges falsch machen dabei. Kürzlich fand eine neue Studie heraus, dass sich das Risiko für den Plötzlichen Kindstod erhöht, wenn gepuckte Babys auf der Seite oder auf dem Bauch schlafen.

Nun warnen Ärzte von der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) davor, dass das Pucken die gesunde Entwicklung der Hüfte gefährden könne.

Hüftdysplasie durch Pucken?

"Beim klassischen Pucken werden die Beine in Streckstellung aneinander gebunden", sagt DEGUM-Expertin Dr. Tamara Seidl. Je nach Dauer des Puckens wirkten hier Kräfte, die das Wachstum der Hüfte verändern und verlangsamten. Die Hüfte reife nicht normal aus und es könne sich eine sogenannte Hüftdysplasie entwickeln, bei der Gelenkkopf und -pfanne nicht aufeinander passen.

Seidl hat solche Fälle in ihrer Klinik in Bielefeld erlebt: "Das Kind war beim Ultraschall nach der Geburt unauffällig, und zunächst konnte sich keiner erklären, warum es im Alter von fünf Wochen plötzlich diese Hüftreifungsstörung gab. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass das Kind gepuckt wurde."

Ob Hüftfehlentwicklungen vorliegen, wird bei uns in der dritten Früherkennungsuntersuchung (U3) geprüft, wenn die Babys 4 bis 5 Wochen alt sind. Wenn die Babys danach eine Hüftfehlstellung entwickeln, wird das womöglich erst spät erkannt. Je älter aber das Kind ist, desto schwerer sind diese Fehlstellungen zu beheben, im schlimmsten Fall hinkt das Kind später und hat ein höheres Risiko für Gelenkerkrankungen.

Laut Stiftung Warentest gibt es bislang noch keine gesicherten Studien, dass das Pucken wirklich zu Hüftschäden führen kann. Doch nach Seidls Ansicht sprechen einige Anzeichen dafür. So sei etwa in Australien die Zahl der Hüftdysplasien, die sich erst nach der Geburt entwickelt haben, stark angestiegen. Gleichzeitig sei hier das Pucken zu einem Trend geworden. Wissenschaftler vermuten daher einen Zusammenhang.

Beim Pucken auf die Beinfreiheit achten

Darf man jetzt das Baby gar nicht mehr pucken? Doch, aber man muss darauf achten, dass sich die Beine frei bewegen können. Tatsächlich ist das auch die Variante, die die meisten Hebammen in Deutschland empfehlen.

Dabei werden nur die Arme fest an den Körper gewickelt. Um die Beinchen herum jedoch wird das Tuch nur locker geschwungen, so dass das Kind strampeln kann. Was ihr nicht tun solltet: Das Kind so einwickeln, dass die Beine ganz gerade gestreckt werden. Denn durch diese Streckung entstehen vermutlich die Fehlentwicklungen.

Die beiden Videos unten zeigen, wie man Babys schonend pucken kann – hilfreich ist zum Beispiel auch ein "Pucksack", der um die Beine herum ausreichend Platz lässt.

miro
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-MOM-Newsletter

MOM-Newsletter

Mit unserem Newsletter erfährst du alles über die neuesten Online-Beiträge und verpasst keine MOM-Ausgabe!