Wie reagieren Firmen am besten auf den Kita-Streik? So!

Um Mitarbeiter mit Kindern während des Kita-Streiks zu entlasten, hat die Werbeagentur Grabarz & Partner spontan eine eigene Notbetreuung auf die Beine gestellt. Und hat dafür jetzt ein hübsches Fingerfarben-Entrée.

"Und wie macht ihr das mit dem Streik?" Eltern in Deutschland haben aktuell nur ein Thema. Die Solidarität mit den protestierenden Erzieherinnen und Erziehern ist riesig, trotzdem sind die kommenden Tage eine Kraftprobe für jede Kleinkinder-Familie. Omas fahren quer durch die Republik, um Enkel zu übernehmen, Eltern wechseln sich ab in der Schichtbetreuung, überall sitzen Kinder mit Kopfhörern in Büros und versuchen, nur so leise wie möglich bei der Arbeit zu stören. Ausnahmezustand.

Glückselig sind in solchen Zeiten diejenigen, die familienfreundliche Arbeitgeber haben. So wie die Mitarbeiter von Grabarz & Partner. Die Hamburger Werbeagentur hat wegen des Streiks in den Agenturräumen eine eigene Not-Kita eröffnet. Zwei Mitarbeiterinnen meldeten sich freiwillig als Ersatz-Erzieher, besorgten einen Haufen Fingerfarben und konnten so schon am ersten Streiktag die ersten Kinder verzweifelter Kollegen übernehmen.

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Mit roten Wangen im Sondereinsatz

Normalerweise betreut Christine Weber die G&P-Geschäftsführung, diese Woche sind es die Agentur-Kinder.

"Als die Nachricht über den Kita-Streik bekannt wurde, war der Agenturleitung sofort klar, dass sie die betroffenen Kollegen unterstützen will", erklärt Christine Weber, persönliche Assistentin der Geschäftsführung. Etwa 50 der rund 200 Mitarbeiter von Grabarz & Partner sind Eltern, wobei viele auch schon Kinder im Schulalter haben.

In einem Brainstorming entstand schnell die Idee, die Kinder in den eigenen Büroräumen zu betreuen. Zusammen mit Nina Batze aus der Personalabteilung übernahm Christine Weber die Aufsicht, ein Raum wurde spontan zum Spielzimmer umfunktioniert, und schon ging's los mit "Grabarz & Kita".

"Es hat riesigen Spaß gemacht, unsere Wangen waren zeitweise röter als die der Kinder", berichtet Nina Batze über ihren ersten Einsatz als Kinderbetreuerin.

Eine pädagogische Ausbildung haben Batze und Weber beide nicht. "Aber ich habe zwei erwachsene Söhne, und Nina hat lange als Babysitterin gearbeitet - da hat man dann schon genug Erfahrung ", so Christine Weber. "Und als Assistentin der Geschäftsführung habe ich ja ständig mit erwachsenen Kindern zu tun, so groß ist der Unterschied gar nicht", fügt sie lachend hinzu.

Arbeitgeber als Helfer in der Not

Nina Batze beobachtet die Fortschritte des Grafik-Nachwuchses.

Von 9 bis 16.30 Uhr war die Agentur-Kita am ersten Streik-Tag geöffnet. Drei Kinder waren den ganzen Tag in der Betreuung, einige Teilzeitkräfte nutzten das Angebot außerdem für ein paar Stunden.

"Die Reaktion der Agentur-Mitarbeiter war durchweg positiv", erzählt Nina Batze. "Wir haben aber auch gemerkt, dass die meisten betroffenen Eltern ganz gut mit alternativen Betreuungsmöglichkeiten versorgt sind, und viele sind jetzt in den Schulferien gar nicht im Büro."

Trotzdem bleibt die Agentur-Kita während des ganzen Streiks auf Abruf geöffnet. "Wenn die Eltern in Not geraten, sind wir zur Stelle."

Und wer weiß, vielleicht wird aus dem Fingerfarben-Büro ja sogar eine dauerhafte Betriebs-Kita. "Die Idee wird immer wieder diskutiert", so Nina Batze. "Aber aktuell bleibt es bei dieser einmaligen Aktion."

Die Kinder jedenfalls wären dafür. Alle hätten sich sehr wohl gefühlt und gar nicht daran gedacht, ihre Eltern am Arbeitsplatz zu besuchen. "Die würden jetzt am liebsten jeden Tag zu uns kommen!"

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