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Hebamme verrät 10 Tipps zur Geburt, die dir kaum jemand gibt – die aber Gold wert sind!

Tipps zur Geburt: Mutter mit Baby
© Bandak Dmytro / Shutterstock
Sie begleitet werdende Mütter vor, während und nach der Schwangerschaft. Jetzt hat uns Hebamme Jana Friedrich ihre Tipps zur Geburt verraten – und die sind Gold wert!

Wer schwanger ist, hat plötzlich Tausende Fragen im Kopf. Und viele davon drehen sich um ein Ereignis, das nicht grundlos von vielen Müttern als existenzielles Erlebnis beschrieben wird: die Geburt.

Doch glücklicherweise gibt es da draußen unzählige Frauen, die Geburten schon vor uns gemeistert haben – und von denen wir wunderbar lernen können. Eine davon ist Jana Friedrich. Sie ist nicht nur selbst Mutter von zwei Kindern, sondern bereits seit über 20 Jahren als Hebamme tätig. Dabei begleitet Jana Frauen vor, während und nach der Geburt nicht nur persönlich, sondern auch online. Auf ihrem Hebammenblog möchte sie ihr langjähriges Wissen weitertragen, gibt Online-Seminare und sorgt für Austausch zu Themen, die nun einmal jede schwangere Frau früher oder später beschäftigen. Sogar drei Bücher hat Jana Friedrich mittlerweile veröffentlicht – auch sie sollen werden Müttern zu einer wunderschönen Zeit rund um die Geburt verhelfen.

Mit so viel Erfahrung im Gepäck wird schnell klar: Jana Friedrich ist die Frau, die uns die Tipps zum Thema Geburt geben kann, die wir wirklich gebrauchen können. Wir haben mit der Hebamme gesprochen und ihr zehn Geheimtricks entlockt, für die jede werdende Mama dankbar sein wird. 

10 Hebammentipps rund um die Geburt

Du bist immer noch du selbst

"Der größte Irrglaube rund um die Geburt ist, dass man, wenn man Wehen hat, nicht mehr in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen", klärt Jana auf. Viele Frauen haben Angst davor, ausgeliefert zu sein. "Das stimmt nicht ganz", kann Jana Friedrich beruhigen, "man ist in einem Ausnahmezustand und wird seine Worte vielleicht nicht wohl wählen, aber man kann jederzeit noch für sich sorgen. Trotzdem ist es sinnvoll, wenn deine Geburtsbegleitung deine Wünsche kennt und dir einiges an Kommunikation abnehmen kann."

Sprecht darüber, was ihr sehen wollt – und was nicht

Möchtest du die Geburt im Spiegel sehen? Soll dein Partner zuschauen? Oder sogar das Baby auffangen? Diese Dinge solltet ihr VOR der Geburt klären. Und dabei im Kopf haben, dass beide Alternativen total fein sind.

3 Dinge, die in jede Kliniktasche gehören

Wochenlang plant man, was mit in die Kliniktasche gehört – doch die kleinsten Dinge fallen dann doch hinten über. Jana Friedrich weiß, wofür man bei der Geburt dankbar ist: "Ein Fettstift für die Lippen, weil man die ganze Zeit pustet. Wenn Frauen lange Haare haben, braucht man unbedingt ein Haargummi, weil die sonst irgendwann nervend rumfliegen. Und dann vielleicht eine schöne Playlist." Wieso ist Musik so wichtig? "Das macht was mit der Stimmung", erklärt Jana, "also am besten eigene Musik, die man mag und kennt und die man vielleicht immer zum Entspannen hört. Da kann man eine kleine Box mitnehmen."

Oxytocin ist dein bester Freund – doch er braucht Pflege

Man sollte nicht nur darauf achten, was man selbst mag – sondern auch, was der Körper in den Momenten der Geburt braucht: "Ich erkläre immer, was die Hormone brauchen", erzählt Jana, "da gibt es Oxytocin, das z.B. die Wehen regelmäßig kommen lässt. Aber Oxytocin ist wie ein scheues Reh, das beim kleinsten Knacken wieder im Wald verschwindet." Das sei der Grund, wieso bei manchen Frauen im Krankenhaus die Wehen plötzlich aussetzen – das Hormon ziehe sich aus Angst vor der neuen Umgebung wieder zurück. 

Die Lösung? "Oxytocin braucht Ruhe und eine geschützte Umgebung. Also sollte man sich eine Höhle bauen zur Geburt, einen Ort, wo man sich wohl und sicher fühlt, wo man ein gutes Verhältnis zu den Leuten hat." Die Klinik sollte also vorher gut ausgewählt werden. Denn dann kann sich der Körper vor Ort wieder entspannen – und die Wehen gehen weiter.

To Do’s für die Begleitperson

Vor Ort sollte die Oxytocin-Pflege der Begleitperson übertragen werden. Das heißt: "Sie kann super darauf achten: Sind die Türen geschlossen, kann man vielleicht einen Vorhang zu ziehen und das Licht dimmen? Und um den Krankenhausgeruch zu übertünchen hat man vielleicht ein schönes Massageöl dabei oder was die Frau gerne riechen mag." Am Partner schnuppern hilft übrigens auch.

Das wichtigste Kleidungsstück? Ein Kuschelshirt 

Auch die Kleidung kann für Entspannung sorgen, weiß Jana: "Viele Frauen kommen dann auch auf die Idee: Ich ziehe lieber nicht das Krankenhausshirt an, weil ich mich dann krank fühle. Ich nehme mein eigenes T-Shirt mit, in dem ich mich wohl fühle und das nach Zuhause oder dem Partner riecht."

Die Sache mit den Schmerzen

Ja, Schmerzen machen Angst. Aber man kann sich darauf vorbereiten, wenn man sie versteht: "Es läuft ein Programm im Körper, wie wir auf Schmerzen reagieren. Wir haben im Leben gelernt, dass Schmerzen immer schlecht sind und sind darauf gepolt, uns zu retten", erklärt Jana, was wiederum negative Auswirkungen auf die Geburt hat: "Wenn die Schmerzen richtig knackig werden, reagiert man, wie man es gelernt hat: Dann hält man die Luft an, zieht die Schultern hoch, verspannt sich total." Daraufhin würden Stresshormone ausgeschüttet und die Beine besser durchblutet werden – nicht aber so gut die Gebärmutter. 

Um dieser Panik vorzubeugen, muss man sich eines bewusst machen: "Wehen sind ja gut. Die braucht man ja, die machen nichts Schlimmes", beruhigt die Hebamme, "ja, die Wehen fühlen sich manchmal krass an, aber sie gehen durch den Körper durch und verlassen ihn ohne Spuren und Schaden zu hinterlassen." Mit dieser Sicherheit könne man sich in den Schmerz fallen lassen – und diesen über die Entspannung sogar lindern.

Vertrau deinem Körper – er hält die besten Drogen bereit

Wer es schafft, entspannt zu bleiben, wird belohnt: "Der Körper stellt uns dann Schmerzmittel zur Verfügung, die Endorphine. Und die sind krasser als jede Droge", weiß Jana. Denn wer ruhig bleibt, atmet, sich lockert, "kommt in einen Entspannungszustand, den Geburtsflow, der total großartig ist und man kommt super durch die Geburt".

Nimm Hilfe an! Lass dich im Wochenbett verwöhnen

Ist die Geburt erst einmal vorbei, beginnt eine wundervolle Zeit. Und die sollte man auch genießen: "Es gibt Frauen, die können nicht so gut loslassen, was Haushalt und Co. angeht – ich kann nur sagen: Je mehr man sich am Anfang ausruht, desto schneller ist man wieder fit", rät Jana zum Wochenbett.

Und dann gilt: Kuscheln, kuscheln, kuscheln

Zuletzt gibt Hebamme Jana werdenden Müttern nur noch einen Rat mit: "Die allererste Zeit mit dem Baby ist ganz ganz schön, und die kommt ja auch nicht zurück." Deswegen solle man sich ruhig ganz viel Zeit nehmen: "Wenn man den ganzen Tag mit dem Baby im Bett liegt, lernt man sich so gut kennen, dass die Zeit danach auch viel einfacher wird, weil man sein Kind schon so versteht. Das ist was ganz Schönes."

Vielen Dank für die tollen Tipps, liebe Jana!


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