Angst vor Schwangerschaft: Unter dieser Phobie leiden mehr Frauen, als du denkst

Wie fühlt es sich an, wenn man panische Angst davor hat, schwanger zu werden? Es ist ein Leiden, über das kaum geredet wirdn, das aber viele Frauen betrifft.

"Kinder sind der wahre Sinn des Lebens!" – "Erst jetzt fühle ich mich vollständig!" "Es ist ein echtes Wunschkind."

Über das Glück schwanger zu sein und Kinder zu bekommen, hören wir viel. Von Freundinnen, der Familie, Bloggern. Wir wissen inzwischen auch, wie sehr Frauen unter ihrem unerfüllten Kinderwunsch leiden. Und dass manche Frauen lieber kinderlos bleiben - oder gar ihre Kinder bereuen, ist auch kein großes Tabu mehr.

Angst vor Schwangerschaft: Unter dieser Phobie leiden mehr Frauen, als du denkst

Lies auch

"Es war ein Fehler, Mutter zu werden"

Aber dass auch eine Phobie der Auslöser für Kinderlosigkeit sein kann, dürfte vielen Menschen unbekannt sein. Dabei ist diese Angststörung, Tokophobie genannt, weit verbreitet.

"Das Gefühl, in mir würde ein Alien wachsen"

Auf dem Hebammenblog der Berliner Hebamme und Bloggerin Jana Friedrich beschreibt eine Frau, die unter Schwangerschaftsphobie leidet, was dabei in ihr vorgeht und warum sie die Vorstellung, selber schwanger zu sein "erschreckend" findet.

"Ich möchte nicht, dass sich mein Körper so verändert. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, diese Veränderungen zu genießen, stolz, gespannt und erfreut sein zu können. Dass sich plötzlich etwas Lebendiges in mir bewegt? Wie könnte ich mich darüber freuen, ohne das Gefühl zu haben, in mir würde ein Alien wachsen?! Klar, es wäre einfach, sich auf die Hormone und den eigenen Körper zu verlassen, aber was, wenn das Aliengefühl bleibt? Was, wenn sich schwanger sein wirklich so 'strange' und erschreckend anfühlt wie ich es mir vorstelle?"

Gleichzeitig wünscht sich die Betroffene, sie würde endlich selbst den Kinderwunsch fühlen, den so viele Frauen haben.

Zudem spürt sie, dass ihre Phobie gesellschaftlich kaum anerkannt ist. Die Norm sei die Vorstellung vom weiblichen Körper als Wunder und Lebensspender. Dass jemand diese Aufgabe als beängstigend empfindet, stößt selten auf Verständnis. Die Folge ist, dass die Frauen nicht über ihre Angst sprechen - und sie so oft auch nicht überwinden können.

Tokophobie: Horrorvorstellung Geburt

Zur Angst vor körperlichen Veränderungen, kommt bei vielen Frauen mit Tokophobie die Angst vor der Geburt und den Schmerzen, denen man ausgesetzt wird. Werden Frauen mit dieser Angststörung schwanger, verlangen viele darum nach Kaiserschnitten – eine Untersuchung aus Engalnd und Wales geht davon aus, dass bis zu 7 Prozent aller Kaiserschnitte aufgrund einer Tokophobie durchgeführt werden. Allerdings kann die Vorstellung "am Bauch aufgeschlitzt" zu werden, erneut Angst auslösen. Im schlimmsten Fall lassen betroffene Frauen das Kind sogar abtreiben.

Jede sechste Frau betroffen

Die erste große Studie zur Schwangerschaftsphobie führte Kristina Hofberg im Jahr 2000 durch. Sie fand heraus, dass jede sechste Frau in Großbritannien von einer Tokophobie betroffen ist – viel mehr, als sie erwartet hatte.

Gegenüber dem Guardian sagte sie über die Ängste der Frauen:

"Es ist ein krankhafter Terror, der in seiner extremsten Form dazu führen kann, dass die Frauen durch ihr Verhalten eine Fehlgeburt riskieren, etwa, indem sie Alkohol trinken, Drogen nehmen oder sich sogar selbst in den Bauch boxen."

Auch wenn sie das Kind schließlich gesund zur Welt gebracht haben, könnten die Betroffenen noch Jahre lang von den schlimmen Bildenr in ihrem Kopf verfolgt werden.

Wie wird die Angst ausgelöst?

Verschiedene Faktoren können eine Tokophobie auslösen. Oft geht eine traumatische Erfahrung voraus: Manche Frauen wurden in früher Kindheit von Bildern einer Geburt traumatisiert, andere haben selbst eine traumatisierende Geburt erlebt und haben dadurch die Angststörung entwickelt. Laut Forscherin Hofberg sind auch Frauen, die als Kind sexuell missbraucht wurden, überdurchschnittlich oft betroffen. Bei manchen Frauen spielen auch Versagensängste eine Rolle.
Die Angst kann sich auch "vererben": Frauen, deren Mütter unter einer Schwangerschaftsphobie litten, haben ein höheres Risiko selbst diese Angst auszubilden.

Was hilft bei einer Tokophobie?

Frauen, die extreme Angst vor einer Schwangerschaft oder Geburt haben und darunter leiden, sollten sich auf jeden Fall professionellen Rat holen. Durch eine Psychotherapie können mögliche Ursachen erkannt und Möglichkeiten gefunden werden, wie die Angst überwunden werden kann.

Und dass es geht, zeigt ein Kommentar einer Leserin unter dem Beitrag auf dem Hebammenblog:

"Ich erinnere mich daran, wie ich in den ersten Wochen einen regelrechten Weinkrampf hatte und mir sicher war, dass ich die Schwangerschaft nicht durchstehen würde und sogar mir die Option offen lassen wollte, diese noch zu beenden … Alles wurde gut. Als ich mein Kindchen dann im Bauch zart spürte, fand ich's schön."

Videotipp:

Ammenmärchen - Mythen rund um Geburten und Schwangerschaft:

Ammenmärchen: Gibt es mehr Geburten im Sommer?
miro
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-MOM-Newsletter

MOM-Newsletter

Mit unserem Newsletter erfährst du alles über die neuesten Online-Beiträge und verpasst keine MOM-Ausgabe!