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Unzufrieden? Diese 2 Dinge machen frischgebackene Eltern glücklicher

Unzufrieden: Man küsst seine Frau mit Baby im Arm
© Jacob Lund
Selbst mit viel Vorbereitung ist das erste Baby etwas ganz Besonderes. Jeder Tag ist ein neues Abenteuer. Doch auch wenn die Geburt eines Babys Mutter und Vater viel zurückgibt, kann das Leben mit einem kleinen Kind auch zur Beziehungskrise bei den Eltern führen. Zwei Dinge können laut Therapeutin helfen. 

Keine Frage: Ein Baby zu bekommen, gehört zu den größten Bewährungsproben einer Beziehung. Schon 1998 fand das Gottman Institut in Seattle heraus, dass 67 Prozent der Paare in den ersten drei Jahren nach der Geburt des Kindes unglücklicher mit ihrer Partnerschaft sind als vorher. Unter anderem fehlt die Wertschätzung des:der Partners:in, es gibt mehr Konflikte und weniger Sex. Auch eine Studie des Max-Planck-Instituts kam 2015 zu dem Schluss, dass Eltern durch die Geburt ihres ersten Kindes im ersten Jahr oft unglücklicher sind. Unter den etwa 20.000 Teilnehmern fiel die Zufriedenheit sogar stärker als bei Arbeitslosigkeit, Scheidung oder dem Tod des:der Partner:in. Nur etwa 30 Prozent gaben an, genauso zufrieden zu sein wie vor der Geburt des Babys. Viele unzufriedene Eltern entschieden sich außerdem aus diesem Grund gegen ein zweites Kind. 

Zwei einfache Wege können helfen 

Die Familientherapeutin April Eldemire versucht Familien mit diesen Problemen zu helfen. In ihrem Artikel auf "Psychology Today" erklärt sie: Je besser sich ein Paar kennt und austauscht, desto besser läuft auch das Leben mit dem Nachwuchs. Paare, die regelmäßig über Interessen und Gefühle – sowohl positiv als auch negativ – sprechen, kommen besser mit der Situation zurecht.  

Um die Beziehung wieder zu stärken, sollen 15 Fragen helfen, die einen Dialog zwischen Mutter und Vater schaffen und sie dazu zwingen, sich zu öffnen und einander zuzuhören. 15 Minuten am Tag reichen laut der Familientherapeutin schon aus. Das Gespräch soll ihm und ihr klar machen, warum sie überhaupt zusammengekommen sind, und ihnen helfen, sich wieder miteinander verbunden zu fühlen: 

Welche Art von Vater/ Mutter möchtest du für unser Kind sein? 

Wo siehst du unsere Familie in fünf Jahren? 

Was sind deine persönlichen kurzzeitigen Ziele? Beispielsweise in drei Monaten, sechs Monaten oder einem Jahr? 

Was bereust du aus dem vergangenen Jahr am meisten? 

Was ist für dich der wichtigste Wert, den du unserem Kind beibringen möchtest? 

Wie können wir Haushalt- und Babypflichten aufteilen? 

Was wäre dein ideales Date mit mir? 

Was ist dein größter Erfolg im vergangenen Jahr? 

Was glaubst du, was sich nach dem Baby an dir verändert hat? 

Was möchtest du unserem Baby über Beziehungen beibringen? Wie können wir das umsetzen, was du ihm oder ihr beibringen möchtest? 

Konstruktive Kritik anstatt unbegründeter Aggression 

Die zweite Lösung, wenn es in der Beziehung kriselt: Argumente richtig angehen. Spannung und Konflikte können mit einem Baby mit steigendem Schlafmangel und weniger Zeit füreinander zunehmen. Die falsche Wortwahl kann dazu führen, dass Mutter und Vater sich immer mehr auseinanderleben. Studien fanden heraus: Glückliche Paare nutzen oft weniger starke Ausdrücke für ihre Probleme. Und genau das ist laut dem Wissenschaftsartikel die Lösung. Denn die ersten drei Minuten eines Gesprächs bestimmen oft, wie es endet. Um diese vier Punkte sollte man deshalb immer einen großen Bogen machen:  

  • Direkte Kritik am Partner:in

  • Verachtung gegenüber dem:der Partner:in äußern 

  • Abwehrhaltung bei eigenen Fehlern  

  • Komplett blockieren und den Anderen ignorieren 

Je öfter das passiert, desto unglücklicher verläuft laut Artikel die Beziehung. Je liebevoller und ruhiger man stattdessen argumentiert, desto besser wird auch das Ende. Um das zu verdeutlichen gibt die Familientherapeutin einige Beispiele: 

Thema: Du fühlst dich vernachlässigt. 
Harter Einstieg: Du hast mich seit Tagen ignoriert! 
Weicher Einstieg: Ich habe mich in letzter Zeit einsam gefühlt. Können wir mal wieder etwas Zeit miteinander verbringen? 

Thema: Du hast nicht so viel Hilfe mit dem Baby bekommen, wie du sie gerne hättest. 
Harter Einstieg: Ich bin immer diejenige, die nachts für das Baby aufsteht! Du hilfst mir nie. Wenn ich alleinerziehend sein wollen würde, hätte ich das auch ohne dich machen können! 
Weicher Einstieg: Es würde mir wirklich helfen, wenn du nach der Arbeit mal mit dem Baby spielen würdest oder anbieten würdest, nachts zu helfen, damit ich schlafen kann.  

Es gibt natürlich auch Probleme, die nicht behoben werden können. Manchmal sind die Partner:innen in einer Beziehung einfach zu verschieden. Kompromisse können aber dabei helfen, auch in diesen Fällen eine Lösung zu finden. Wichtig ist es vor allem, miteinander zu sprechen. Wenn die Stimmung trotzdem immer schlechter wird, kann es helfen, sich zwischendurch auch mal zu entschuldigen, sich in den Arm zu nehmen oder die Situation mit freundschaftlichem Humor zu entschärfen.  

Quellen: Psychology Today, The Gottman Institute , Max-Planck-Institut für demografische Forschung 

Brigitte

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