US-Gericht: Vergewaltiger darf Kontakt mit dem Kind seines Opfers fordern

In den USA hat ein verurteilter Vergewaltiger gefordert, das Kind seines Opfers zu sehen. Laut Gericht ist das rechtens. Ein Schock für das damals 14-jährige Opfer.

Worum geht es hier?

Um ein Verbrechen, das sieben Jahre zurückliegt. Ein damals 14-jähriges Mädchen aus Boston wurde mehrmals vom Freund ihrer großen Schwester vergewaltigt. Sie wurde von ihm schwanger und hat das Kind auch bekommen. Der Täter, damals 20, wurde aufgrund eines DNA-Tests überführt und auf Bewährung verurteilt.

Hebamme Kareen Dannhauer

Warum landete der Fall vor dem Familiengericht?

2012 wurde der Täter dazu verurteilt, 110 Dollar die Woche Unterhalt für das von ihm während der Vergewaltigung gezeugte Kind zu zahlen. Daraufhin forderte er, das heute siebenjährige Mädchen regelmäßig besuchen zu können.

Wie dreist ist das denn!

Das fand der erste Richter, der sich damit befasste, auch. Er bezeichnete den Wunsch des Vergewaltigers als "unaufrichtig" und lehnte ihn ab. Doch nun kam der Fall erneut vor Gericht – und dieses Mal wurde anders entschieden.

Warum der Sinneswandel?

Das hat mit dem Unterhalt zu tun. Würden die Richter dem Mann jegliche väterlichen Rechte absprechen, würde die Tochter keinen Unterhalt mehr bekommen. Man würde das Kind "ungerecht benachteiligen, wenn man es seinem Recht berauben würde, von beiden Elternteilen finanzielle Unterstützung zu bekommen", heißt es im Urteil. Das heißt aber auch, dass der Vergewaltiger väterliche Rechte wie den Umgang mit dem Kind einfordern darf.

Was sagt das Opfer dazu?

Die junge Frau steht unter Schock. "Meine Klientin, ein 14-jähriges Vergewaltigungsopfer, das durch die Vergewaltigung schwanger wurde, muss mit ihrem Angreifer elterliche Rechte teilen", sagt ihre Anwältin Wendy Murphy laut der Site Fox25. Natürlich sei sie entsetzt. Murphy will das Urteil erneut überprüfen lassen.

Darf der Vergewaltiger das Kind nun schon besuchen?

Nein, bislang wurde dem nicht stattgegeben – aber er kann das Besuchsrecht immer wieder einfordern. Bis das Kind 18 Jahre alt ist.

Wäre ein solcher Fall in Deutschland auch möglich?

Theoretisch: ja. Es kommt natürlich höchst selten vor, dass ein Mann Kontakt zu dem Kind sucht, das aus einer von ihm begangenen Vergewaltigung entstanden ist. Aber grundsätzlich könnte er das fordern, und der Fall müsste individuell überprüft werden. Grundlage für eine solche Entscheidung ist allein das Kindeswohl. Allerdings ist es in der Praxis sehr unrealistisch, dass der Mann damit durchkäme.

miro
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-MOM-Newsletter

MOM-Newsletter

Mit unserem Newsletter erfährst du alles über die neuesten Online-Beiträge und verpasst keine MOM-Ausgabe!