Eine Hebamme erzählt: Warum immer mehr Hebammen die Geburtshilfe aufgeben

"Unter diesen Arbeitsbedingungen brechen reihenweise Hebammen weg": Im Gespräch mit BRIGITTE. de erklärt die Hebamme Kareen Dannhauer aus Berlin, warum immer mehr Hebammen in Deutschland aus der Geburtshilfe aussteigen oder gleich ganz ihren Beruf aufgeben. 

Hebamme Kareen Dannhauer
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Werdende Eltern: Zunehmend verzweifelt

Immer mehr werdende Eltern in Deutschland verzweifeln auf der Suche nach einer Hebamme für die Versorgung während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Sie schreiben dutzende von Mails, rufen viele Hebammen an - und kassieren nur Absagen. Parallel dazu schließen aufgrund des Hebammenmangels und wirtschaftlicher Entscheidungen immer mehr Kreißsäle ganz oder teilweise - die Wege zur Geburt werden für die Frauen immer weiter. Schlimmstenfalls werden Frauen mit Geburtswehen an der Kreißsaaltür abgewiesen. Die Hebammen in den Kliniken müssen derweil immer mehr Geburten parallel begleiten. Die Landkarte der Unterversorgung und die Landkarte der Kreißsaalschließungen des Deutschen Hebammenverbandes dokumentieren den Mangel.

Hebammenmangel: Was ist da bloß los?

Das Problem sind die seit vielen Jahren schwierigen Arbeitsbedingungen für Hebammen. Sie leiden unter hoher Arbeitsbelastung, schwieriger Vereinbarkeit von Familie und Beruf, schlechter Bezahlung bei großer Verantwortung, hohen Haftpflichtkosten, mangelnder Wertschätzung und zeitraubendem Qualitätsmanagement. Die Folge: Immer mehr Hebammen geben die Geburtshilfe auf, reduzieren auf Teilzeit oder steigen ganz aus dem Beruf aus. Aktuelle Zahlen zur Situation der Hebammen in Deutschland hat der Deutsche Hebammenverband hier veröffentlicht: Zahlenspiegel zur Situation der Hebammen.

Was sich alles ändern muss, um die geburtshilfliche Versorgung durch Hebammen in Deutschland zu sichern, erklärt in diesem Video-Interview die erfahrene Hebamme Kareen Dannhauer aus Berlin. Sie arbeitet seit 25 Jahren als Hebamme und liebt diesen Beruf sehr - allerdings hat auch sie die Geburtshilfe aufgegegeben - sie ließ sich nicht mehr mit ihrer Familie vereinbaren. 

Mehr über Kareen Dannhauer erfahrt ihr auf ihrem Instagram-Account und auf ihrer Internetseite: www.into-life.de. Außerdem teilt sie ihr wertvolles Hebammenwissen in dem wunderbaren Buch: "Guter Hoffnung - Hebammenwissen für Mama und Baby".

Hebammen retten: Was kann ich tun?

Kareen Dannhauer empfiehlt allen, die sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Hebammen und somit für eine gute Versorgung der Mütter und ihrer Babys in Deutschland einsetzen möchten, sich mit dem Verein Mother Hood e.V. vertraut zu machen – einer Bundeselterninitiative zum Schutz von Mutter und Kind während Schwangerschaft, Geburt und erstem Lebensjahr. 

Auch der Deutsche Hebammenverband und der Bund freiberuflicher Hebammen informieren fortlaufend zu den Entwicklungen der Geburtshilfe in Deutschland und bieten viele Möglichkeiten zum Engagement. 

Eine weitere Option ist die Aktion "Lieber Jens", die sich an Gesundheitsminister Jens Spahn richtet. Unter www.lieberjens.de weisen Hebammen und Aktivist*innen auf die Probleme in der Hebammenbranche hin und bieten den Versand von digitalen Postkarten an Jens Spahn an. Eine der möglichen Kategorien: "Frau ohne Hebamme". 

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Eigenproduktion GuJ

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