Was tun, wenn mein Kind lügt?

Beinahe jedes Kind versucht hin und wieder zu schummeln. Doch wie soll man als Mutter  oder Vater reagieren, wenn das Kind zu lügen beginnt? Und wie bringt man dem Kind (wieder) Ehrlichkeit bei?

Wer hat den Schokoriegel vernascht? Wer die Vase umgeschmissen? Und sind die Hausaufgaben schon erledigt? Nicht alle Kinder würden diese Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Doch warum lügt uns das eigene Kind an? Und wie kann man ihm das abgewöhnen?

Experten sind sich einig: Lügt ein Kind, ist es in erster Linie kein Weltuntergang. Es gehört zu ihrer Enwicklung dazu, sobald sie etwa im Vorschulalter lernen, zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden und strategisches Denken erlernen, welches eine Voraussetzung zum bewussten Lügen ist. Kinder probieren sich hin und wieder an Notlügen aus, wenn es ihnen "angenehmer" erscheint, als die Wahrheit zu sagen. Und das kann bis ins Teenageralter ("Ich habe keinen Alkohol getrunken", "Das waren die anderen") reichen.

Ehrlichkeit lässt sich lernen

Viele Eltern bekommen erst einmal einen Schock und geraten in Selbstzweifel, wenn sie ihr Kind beim Lügen erwischen. Haben sie es etwa falsch erzogen? Sind es die Eltern, die daran Schuld haben?

Viele Experten sind sich einig: Die Schuldfrage ist hier nicht angemessen. Allerdings ist es tatsächlich der Fall, dass sich Ehrlichkeit und Wahrheit erlernen lassen – und das können Eltern ihren Schützlingen beibringen. Doch wie hält man das Kind vom Lügen ab?

Erziehungsberater raten, den Kindern mit einem Vorschuss an Vertrauen entgegenzutreten. Sagt das Kind, es habe eine Tat nicht begangen, sollte man als Mutter oder Vater seinem Kind glauben. Sowohl Kinder als auch Erwachsene hassen es, zu Unrecht beschuldigt zu werden. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten, bevor man seinen Kindern (oder seinem Partner) etwas unterstellt.

Was tun, wenn man sein Kind beim Lügen erwischt?

Doch was, wenn man das eigene Kind auf frischer Tat ertappt? Es beim Klauen oder heimlichem Naschen erwischt? Der größte Fehler, den man nun begehen kann, ist dem Kind eine Standpauke zu halten. Denn so "lernt" das Kind, dass etwa eine Lüge oder ein geschickteres heimliches Vorgehen ihn vor jener Standpauke vielleicht beschützt hätten. Es fürchtet zukünftig eine erneute Rüge und wird versuchen, noch mehr zu verschweigen – oder eben zu flunkern.

Wie reagiert man also richtig, wenn man das Kind beim Lügen erwischt? Experten raten, sein Kind verständnisvoll nach dem Warum zu fragen: "Warum naschst du heimlich?", "Wieso stiehlst du das Kleingeld?", "Weshalb hast du die Vase zerbrochen?". Antwortet das Kind daraufhin offen und ehrlich, sollte es für seine Ehrlichkeit belohnt werden. So wird es darin bestärkt, die Wahrheit zu sagen und lernt, sich nicht vor ihr (bzw. der Reaktion darauf) zu fürchten. Als Elternteil sollte man immer daran denken, dass vor allem Kinder es nicht böse meinen, wenn sie schummeln. Aber hinter jeder Lüge steckt eine Ursache – sei es Angst und Not bei Kindern oder Faulheit und Rebellion (etwa gegen strenge Regeln) bei Jugendlichen. Auch Scham oder ein geringeres Selbstbewusstsein können Gründe fürs Lügen sein.

Für Ehrlichkeit belohnen und Verständnis zeigen

An dieser Stelle bietet es sich auch an, das Lügen an sich mit dem Kind zu thematisieren. Kinder fragen immer nach dem Warum: "Warum darf ich denn nicht lügen?" Hier können Eltern anschaulich die Geschichte vom Kind erzählen, das immer gelogen hat und dann in echter Not keine Hilfe bekam, weil alle glaubten, es lüge. Auch Bücher oder Hörspiele zum Thema können bei der kindgerechten Aufklärung helfen.

Auf gar keinen Fall sollten Eltern nachtragend sein. Stattdessen sollten sie ihrem Kind bei jeder Gelegenheit sagen: "Wenn du etwas ausgefressen hast, kannst du damit immer zu uns kommen. Auch wenn ich erst verärgert bin, finden wir gemeinsam eine Lösung." Das stärkt die Vertrauensbeziehung zwischen Eltern und Kind – und beugt den allermeisten Lügen vor.

Ein gutes Vorbild sein

Was immer hilft, ist ein gutes Vorbild zu sein. Kinder schauen sich von Erwachsenen viel mehr ab, als man denkt. Hat das Kind mal mitbekommen, dass Mama sich z.B. am Telefon krank gestellt hat, aber in Wirklichkeit gesund ist, könnte es dem Kind das Signal senden, dass Lügen in Ordnung wäre.

Zudem sollte man sein Kind natürlich auch nicht anlügen. Wenn das Kind nach Mamas Satz "Die Schokolade ist alle" doch die Schokolade findet, geht man dem Kind mit keinem guten Vorbild voran. Grundsätzlich gilt: Sind Eltern authentisch und ehrlich, färbt es über kurz oder lang auf ihre Kinder ab.

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kao
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