Wie kriege ich mein Kind dazu, im Haushalt zu helfen? đŸ€”

Ein hĂ€ufiges TĂŒrknallthema ist die Mithilfe der Kinder im Haushalt. Wir haben die Familientherapeutin und vierfache Mutter Felicitas Römer gefragt, wie sie das so macht. 

Die Kleinen wollen immer gerade dann "mitkochen", wenn man nicht weiß, wo einem der Kopf steht, und die Großen liegen am liebsten mit ihren besten Freunden Youtube und WhatsApp auf der faulen Haut: Mithilfe im Haushalt ist immer wieder ein Streitthema in Familien. "RĂ€um doch endlich mal dein Zimmer auf!" - "Du bist dran mit Katzen fĂŒttern!" - "Lass doch bitte nicht immer deinen MĂŒll rumliegen" sind hĂ€ufige SĂ€tze ratloser MĂŒtter und VĂ€ter, die kein Kind hören will.

Die Eltern: irgendwas zwischen hilflos und genervt. Die Kinder: auf RĂŒckzug. Wie es anders geht, weiß Felicitas Römer. Die Hamburgerin ist  Familientherapeutin und hat selbst vier Kinder.

BRIGITTE.de: Wie kriegt man Kinder dazu, im Haushalt zu helfen?  

Felicitas Römer: Da stolpere ich schon ĂŒber die Formulierung. Denn diese Frage geht davon aus, dass Kinder eigentlich nicht helfen möchten, dass man sie dazu „kriegen“ muss. Das beeinflusst die Haltung, mit der wir unseren Kindern begegnen. Warum gehen wir nicht einfach mal davon aus, dass unsere Kinder gewillt sind, etwas zu unserem gemeinsamen Leben beizutragen? Könnte sich das nicht schon im Vorfeld positiv auf unseren Umgang miteinander auswirken?

Welche Haltung sollten wir Eltern denn an den Tag legen?

Wie immer geht es auch bei diesem Thema um Beziehung. „Folgt“ mir mein Kind, weil es Vertrauen in mich hat, weil es davon ausgeht, dass ich es schon gut mit ihm meine und das meiste auch in seinem Sinne mache? Oder gehorcht es aus Angst vor Strafe oder Ablehnung? Manche Eltern, die ich in meiner Praxis gesehen habe, gehen sehr restriktiv mit ihrem Kind um, und wundern sich, dass es sich bei jeder Gelegenheit drĂŒckt. Andere Eltern sind sich unsicher, ob und was sie ihrem Kind ĂŒberhaupt abverlangen können und senden unklare Botschaften, auf die das Kind irritiert oder mit Verweigerung reagiert. 

Eltern schwanken also zwischen Unsicherheit und Restriktion ... was wÀre hilfreicher?

Sie sollten ĂŒberlegen, was sie wollen und was ihnen wichtig ist. Muss das Kind unbedingt mithelfen, und wenn ja, warum? Worum geht es dabei: ums Prinzip? Darum, dass sie Hausarbeit lernen oder dass sie pflichtbewusst werden? HierĂŒber mĂŒssen Eltern sich im Klaren sein, damit sie das kommunizieren und selbstbewusst Hilfe einfordern können. Viele Eltern tragen ihren Kindern Aufgaben auf, nur weil „man“ das so macht. Doch wenn man nicht ĂŒberzeugt davon ist, sollte man es vielleicht besser lassen. Auch das halte ich fĂŒr eine vertretbare Haltung – vorausgesetzt, die Eltern halten ihren Kindern das spĂ€ter nicht vor.

Kleinkinder helfen ja gern, aber sie produzieren eher Chaos, und den gestressten Eltern reißt dann schnell mal der Geduldsfaden ...    

Das stimmt, ich kenne Frauen, die es total nervig finden, wenn ihre Kinder ihnen in der KĂŒche in die Quere kommen. Die SpĂŒlmaschine ist eben einfach schneller eingerĂ€umt, wenn man es selber macht. Mami steht dann genervt daneben und ist gestresst, weil es ihr zu lange dauert. Das bringt nichts.  

Wie kann man Kinder geschmeidiger an die Hausarbeit heranfĂŒhren?

Bei Kindern im Vorschulalter sollte man das spielerisch tun. Dass dabei mal der Kakao verkleckert oder ein Teller runterfĂ€llt, ist normal. Hier mĂŒssen Eltern geduldig und flexibel sein. Es gilt, den guten Willen des Kindes wertzuschĂ€tzen – auch wenn seine Effizienz natĂŒrlich von der einer Putzhilfe Trillionen Meilen entfernt ist.

Welche Aufgaben eignen sich in welchem Alter besonders gut?  

Da kommen so viele individuelle Parameter zusammen, dass sich keine pauschale Antwort geben lĂ€sst. Verlaufen die Tage in der Familie eher gleichförmig oder unterschiedlich? Was entlastet Mutter und Vater am meisten? Was macht dem Kind Spaß? Und wie fĂ€llt es dem Kind am leichtesten, seine Aufgabe zu erledigen? Manche Grundschulkinder brauchen klare und „zeitnahe“ Anweisungen, andere wiederum können ihre Verpflichtungen schon ganz gut selbststĂ€ndig planen und umsetzen - sie können vielleicht schon regelmĂ€ĂŸig DingeÂ ĂŒbernehmen, wie die SpĂŒlmaschine ausrĂ€umen, den MĂŒlleimer leeren oder ein Haustier fĂŒttern. Prinzipiell muss aber jede Familie individuell entscheiden, wer wann was macht. Da gibt es keine gĂŒltige Norm, kein „richtig“ oder „falsch“. Am besten setzen sich alle Familienmitglieder einmal im Monat zusammen und planen die nĂ€chste Zeit.

Felicitas Römer, Paar-, Familientherapeutin und Buchautorin, findet es wichtig, in der Erziehung flauschig zu bleiben, die familiĂ€ren Beziehungen zu pflegen und Regeln individuell und flexibel zu gestalten. Dogmatismus hat im Umgang mit Kindern und Jugendlichen ihrer Ansicht nach nichts zu suchen. Sie hat vier Kinder: drei erwachsene und eines im „WĂ€scheberg“-Alter.

Ist so ein Familienrat die beste Methode, um die anfallenden Aufgaben zu verteilen?  

Ich finde den Familienrat ganz hilfreich. Jeder macht VorschlĂ€ge, was er/sie beitragen kann, dann wird abgestimmt und es wird eine Art Vertrag angefertigt. Besprochen werden mĂŒssen dann aber auch Konsequenzen, die eintreten, wenn sich jemand nicht an diesen Vertrag hĂ€lt. Und nach ein paar Wochen schaut man sich in einer weiteren Sitzung an, wie es geklappt hat und ob es VerĂ€nderungsbedarf gibt. Was mir an diesem Konzept gut gefĂ€llt, ist, dass man so ein demokratisches Miteinander ĂŒbt. Und wenn Kinder mitbestimmen dĂŒrfen, haben sie meist auch eher Lust, zu helfen.    

Klare Absprachen sind also wichtig.  

Nur wenn man eine sehr strukturierte Familie ist und das so haben möchte. Andere halten es lieber flexibel und fordern Mithilfe eher spontan ein. Auch das kann gut klappen.

Ist im Teenie-Alter noch was zu retten, wenn man es versĂ€umt hat, das Kind frĂŒh einzubeziehen?  

NatĂŒrlich. Einfach klare Kante zeigen und freundlich Hilfe einfordern. Aber spĂ€testens jetzt kann man nichts mehr einfach so bestimmen, hier muss man verhandeln. Und da braucht man dann vielleicht ein bisschen Durchhaltevermögen, denn Teenager argumentieren verdammt clever. Ehrlichkeit ist hier oft das beste Mittel: „Ich brauche deine UnterstĂŒtzung!“ kommt vielleicht besser an als moralische VorwĂŒrfe Ă  la „Du kannst dich hier nicht nur bedienen lassen!“

Ab welchem Alter sollten Kinder allein fĂŒr ihr Zimmer verantwortlich sein?  

Das ist ja ein schleichender Prozess, der mit der Reifung des Kindes einhergeht. SpĂ€testens in der PubertĂ€t haben Eltern da nur noch wenig Einfluss – das Jugendzimmer wird zum Hoheitsgebiet des Teenagers, die WĂ€scheberge markieren sein Revier. Das gehört zur Abgrenzung und ist Ausdruck seines Autonomiebestrebens. Geht vorbei, muss man durch. Einschreiten muss man wohl, wenn die Colaflasche am Tisch festklebt, und die leeren Joghurtbecher Schimmel ansetzen. Gesundheit geht vor.  

Man muss sich als Mutter eines Pubertiers also nicht zum Affen machen und das Kind stÀndig zum AufrÀumen auffordern?  

Ich bin da eindeutig fĂŒr die nervenschonende Variante – einfach lieber mal den Mund halten, vor allem, wenn es eh nichts bringt. Interessant finde ich die Frage:

Warum ist den Erwachsenen Ordnung eigentlich so wichtig?

Ordnung zu halten, hat auch immer etwas mit Kontrolle zu tun. Wenn das Kind sein Zimmer in Unordnung versinken lĂ€sst, entzieht es uns die Kontrolle – ĂŒber sein Zimmer, aber auch ĂŒber sich selbst. Und tja, so muss das in der PubertĂ€t ja eigentlich auch sein. Irgendwann ist diese Phase vorbei. Und hey, wird Ordnung nicht auch manchmal ĂŒberbewertet?

Lust  auf mehr? Die BĂŒcher von Felicitas Römer findet ihr unter www.autorin-felicitas-roemer.de

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