Sind Zahnspangen nur Abzocke? Das steckt hinter der Debatte

Sie sind teuer und bei Jugendlichen nicht gerade beliebt – Stichwort: mit "Schneeketten" zum Unterricht. Nun gibt es Zweifel an der Wirksamkeit von Zahnspangen.

Schiefe Zähne? Da hilft nur eine Spange! Viele Kinder und Jugendliche tragen Zahnspangen, um Schiefstellungen der Zähne zu korrigieren, verschrieben von Zahnärzten und Kieferorthopäden. Nun ist eine Diskussion entbrannt: Sind Zahnspangen vielleicht nutzlos – und nur Abzocke?

Wie lautet der Vorwurf?

Ausgelöst wurde die Debatte vom Bundesrechnungshof. Der hatte bemängelt, dass der medizinische Nutzen von Zahnspangen nicht ausreichend belegt sei. Und obwohl es zu wenig Beweise dafür gebe, dass Zahnspangen wirklich helfen, würden Kieferorthopäden weiter fast jedem zweiten Jugendlichen welche verschreiben.

Das Problem: Zahnspangen sind teuer – und werden meist zum großen Teil von der Krankenkasse übernommen. Deswegen schlägt der Bundesrechnungshof Alarm, dass möglicherweise Geld der Krankenkassen verschwendet werde.

"Auch im Sinne der Patienten ist zu klären, welche Leistungen zu Behandlungserfolgen führen", fordert Rechnungshof-Präsident Kay Scheller. Außerdem wird die Forderung nach sogenannter Versorgungsforschung laut: Es soll medizinisch erforscht werden, ab wann Kinder und Jugendliche wirklich eine Spange brauchen – und wann eben nicht.

Was sagen Kieferorthopäden zu den Vorwürfen?

Dr. Hans-Jürgen Köning, Vorsitzender des Berufsverbands der Deutschen Kieferorthopäden, widerspricht dem Bundesrechnungshof scharf: "Der medizinische Nutzen kieferorthopädischer Behandlungen steht nach unserer Auffassung keinesfalls in Frage." Dass allerdings Versorgungsforschung in dem Bereich betrieben werden sollte, sieht auch Köning so.

Denn: Es gibt zwar zahlreiche Studien, aber keine von ihnen untersucht die Frage, unter welchen Voraussetzungen eine Spange wirklich nötig ist, objektiv. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schimpft: "In sehr vielen Fällen gibt es keine medizinische Notwendigkeit für eine Zahnspange. Dann ist es eine reine Abzocke der Eltern!"

Egal, ob Abzocke oder medizinische Notwendigkeit – in jedem Fall besteht Handlungs- und Klärungsbedarf in der Zahnspangen-Frage! Und wer weiß: Vielleicht sehen wir in den kommenden Jahren ja viel weniger Spangen auf unseren Schulhöfen …

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Zahnspange: Mädchen mit Zahnspange
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