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Stiftung Warentest: Finger weg von Zyklus-Apps!

Stiftung Warentest: Finger weg von Zyklus-Apps!
© clownbusiness / Shutterstock
Wer Zyklus-Apps zur Verhütung oder Familienplanung verwenden möchte, sollte ganz genau hinschauen: Die meisten sind mangelhaft.

Verhütung oder Kinderwunsch? Apps werden immer beliebter

Ihr seid es leid, die Pille zu schlucken oder wollt gern noch ein Kind? In beiden Fällen greifen inzwischen viele Frauen auf Zyklus-Apps zurück, um festzustellen, wann der nächste Eisprung stattfindet oder die nächste Periode einsetzt.

Die Apps heißen Clue oder Flo, sind fast alle kostenlos und werden millionenfach heruntergeladen. Aber sind sie auch zuverlässig? Stiftung Warentest hat 23 Zyklus-Apps getestet – 12 für Android und 11 für iOS.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur zwei Android-Apps und eine iOS-App bekamen die Bestnote „Gut“. Die allermeisten Apps bestimmen die fruchtbaren Tage und die Regelblutung nicht zuverlässig.

Die meisten bekamen die Note "Mangelhaft"

Der Großteil der Zyklus-Apps bekam die Note „Mangelhaft“. Der Grund: Die meisten Menstruations-Apps ermitteln den Eisprung und den Beginn der Periode rein mathematisch, zum Teil Monate im Voraus. Dafür greifen sie auf bereits vorhandene Kalenderdaten aus früheren Zyklen der Frau zurück oder ziehen statistische Daten anderer Anwenderinnen heran.

Im Ergebnis liefern sie also reine Durchschnittswerte und zeigen fruchtbare Tage und Regelblutung oft in einem falschen Zeitraum an. Wer sich darauf verlässt, könnte schnell eine Überraschung erleben.

Auch mit App geht es nicht ohne: Temperatur messen, Zervixschleim beobachten

Die drei einzigen Apps, die die Note „Gut“ bekamen, funktionieren anders: Sie nutzen die sympto-thermale Methode der Arbeitsgruppe NFP (kurz für „Natürliche Familienplanung), die sich wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt.

Die Methode funktioniert so: Ihr messt morgens vor dem Aufstehen eure Körpertemperatur, die sogenannte Basaltemperatur. Kurz vor oder nach dem Eisprung steigt die Temperatur leicht an. Zusätzlich beobachtet ihr euren Zervixschleim, der im Gebärmutterhals gebildet wird. Menge und Beschaffenheit des Schleims verändern sich im Zyklusverlauf. Um den Eisprung ist er flüssig und klar - jetzt könnte ein Kind gezeugt werden. Später wird er wieder zäher, um den Spermien den Zugang zur Gebärmutter zu erschweren. Ihr müsst dann alle Ergebnisse in die App eingeben, die die Daten interpretiert.

Alle drei Apps, die gut abschnitten, basieren auf dieser Methode.

Diese 3 Apps bekamen die Bestnote „Gut“:

  • Lady Cycle (Android)
  • MyNFP (Android)
  • MyNFP (iOS)

Eine zuverlässige Verhütung und Familienplanung ist also leider auch im Zeitalter von Apps nicht ohne Aufwand und Unsicherheiten zu haben - so sehr wir uns das auch wünschen würden.

Tipp: Den kompletten Test findet ihr unter www.test.de oder im "test"-Heft vom Dezember 2017.


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