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Überraschende Studie Von wem lernen Kinder das Sprechen?

Überraschende Studie: junge Eltern mit ihrem Baby auf dem Arm
© Halfpoint / Shutterstock
Habt ihr euch auch schon mal gefragt, ob Mütter oder Väter mehr Einfluss auf die Sprachkenntnisse ihrer Kinder haben? Eine überraschende Studie hat darauf eine Antwort …

Wenn Kinder sprechen lernen, vermuten viele, dass die Mutter am meisten Einfluss auf die Sprachentwicklung des Kindes hat. Aber ist das wirklich so? Liegt es an dem Begriff Muttersprache, den es seit dem frühen 12. Jahrhundert gibt und der unter anderem entstanden sein soll, weil Mütter sich hauptsächlich um die Erziehung der Kinder kümmerten und somit mehr Spracheinfluss auf ihren Nachwuchs hatten? Aber ist das heute auch noch so? Und was sagt die Wissenschaft? 

Könnte Muttersprache auch Vatersprache heißen?

Ja, tatsächlich, denn die wird lediglich von einer engen Bezugsperson gefördert – das kann die Mutter, aber eben auch der Vater sein. Entscheidend war bisher, welches Elternteil wie viel Zeit mit dem Säugling verbringt und dabei die Sprache vermittelt. Doch was jetzt eine Studie belegt, ist überraschend.

Väter haben einen genetischen Vorteil

Die Wissenschaftlerin Estella Poloni und ihr Forscherteam der Universität Genf haben bereits vor einigen Jahren in der Studie "Hypothese der Vatersprache" den Zusammenhang zwischen Sprachvariationen und genetischen Verbindungen von Mutter und Vater untersucht. Dabei haben sie herausgefunden, dass die sprachliche Variation, also die Linguistik, mit dem Y-Chromosom zusammenhängt, das vom Vater weitergegeben wird. Von der Mutter gab es dabei keine Übereinstimmung mit der mitochondrialen DNA. 

Wie viel Einfluss haben denn nun Mütter auf die Sprache ihrer Kinder? 

Auch heute ist es noch so, dass die meisten Kinder, bis sie Teenager sind, oft mehr Zeit mit der Mutter verbringen, als mit dem Vater. Schon im Bauch beginnt der sprachliche Lernprozess bei Säuglingen, weshalb sie früh zwischen ihrer Muttersprache und einer Fremdsprache unterscheiden und bis zu 800 Wörter erkennen können. Daher kommt es, dass Babys, die bilingual aufwachsen, auf zwei verschiedene Sprachen reagieren. Zudem war es schon immer so, dass Mütter einen großen Einfluss auf die kulturelle Sprache ihrer Kinder haben und Traditionen und Verhaltensweisen stark vorleben und prägen. 

Überraschende Studie besagt: Väter und Mütter haben auf unterschiedliche Weise Einfluss

Eine aktuelle genetisch-linguistische Studie von Menghan Zhang und ihrem Forschungsteam des Laboratoriums für zeitgenössische Anthropologie der Universität Fudan in Shanghai, wurde mit 34 indoeuropäischen Bevölkerungsgruppen durchgeführt. Dabei wurden die Verbindungen zwischen dem Vokabular und dem väterlichen Y-Chromosom sowie den Geräuschen und den mütterlichen mitochondrialen Genen verglichen. Hierbei wurden die Sprachen in lexikalische (Vokabel-) und phonetische (Ton-) Bereiche unterteilt. 

Das Ergebnis: Babys übernehmen die Aussprache und den Ton ihrer Mütter, jedoch das Vokabular ihrer Väter. Ein erstaunliches Ergebnis, wie selbst die Wissenschaftlerin in ihrer Studie betont. Demnach erlernen Kinder das Sprechen einerseits aus den väterlichen Genen und deren lexikalischen Merkmalen. Und andererseits besteht ein Zusammenhang zwischen mütterlichen Genen und phonetischen Merkmalen, der sogenannten Sprachlaute.

Fazit: Sowohl Mütter, als auch Väter prägen auf eine individuelle Weise die Sprachentwicklung ihrer Kinder. 

Verwendete Quellen: "IamDiÖ" – Citizen Science Projekt des Spezialforschungsbereichs, businessinsider.de, Nationale Gesundheitsinstitute der US National Library of Medicine, National Science Review.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei Eltern.de


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