Familienurlaub in Schweden: Ferien mit Astrid Lindgren

Als wir Kinder waren, haben wir die unerschrockenen Heldinnen aus Astrid Lindgrens Büchern liebend gern in unser Leben gelassen. Später bringen wir sie unseren eigenen Kindern nah. Zwei Freundinnen sind mit ihren Töchtern auf den Spuren ihrer Lieblingsautorin durch Schweden gereist.

Im tiefen Wald von Östergötland fühlt sich Marlene wie ihre Lieblingsfigur Ronja. So viel zu entdecken, da muss man die Lebensfreude einfach rausschreien. Und wenn Wilddruden aufwachen? Dann sollen die sich zum Donnerdrummel scheren!

 Wer Astrid Lindgren finden will, muss den Kindern folgen. Eigentlich wollten Sarah und ich nur kurz mit ihnen spazieren gehen. Auf einem breiten Waldweg, wie Erwachsene das eben so machen. Aber die Kinder haben den Weg längst verlassen. "Mama", ruft Marlene. "Hier sind Blaubeeren!" Wir zögern nur kurz. Also gut, rein ins Dickicht.

Der schwedische Wald ist ein magischer Ort

Wir sind in Östergötland, dem wilden Nachbarn der bekannten Region Småland. Die Natur, die Astrid Lindgren so liebte, hat sich hier seit ihrer Kindheit kaum verändert: Alles ist wild und blumig und moosig und schroff und ein bisschen unheimlich. Eine Welt, so vielschichtig wie Lindgrens Geschichten, in denen sie bei aller Idylle nie die dunklen Seiten ausblendet. Als wir durch den Wald stapfen, sind die Mädchen vertieft in ein Rollenspiel, es geht um Ponys, Höhlen und abwesende Eltern. "Ich hab’ Weißmoos gefunden!", schreit Jonna plötzlich. Wir erinnern uns: Mit Weißmoos hat Ronja Räubertochter die Wunden ihres Pferdes geheilt. Die Kinder stopfen sich die Taschen mit dem hellen Moos voll. Kann ja noch nützlich sein.

Die Welt mit Kinderaugen sehen

Ihre Fähigkeit, die Welt mit Kinderaugen zu sehen, machte Astrid Lindgren berühmt. Eine andere Seite habe ich erst als Erwachsene entdeckt: die der Frau, die klug auf Familien, Erziehung und die harten Lebensumstände von damals blickte. Einen Eindruck von der Zeit bekommen wir in Rokulla, einer Pension nahe Lindgrens Geburtsort, dem Hof Näs bei Vimmerby. Ein elegantes Holzhaus, mit Veranda, Rosen und antiken Möbeln. Unsere Töchter verwandeln sich von Ronja in Madita und rennen in Sommerkleidern über die Wiese. Aber der bürgerliche Schein des Hauses trügt. Zu Astrids Zeiten war es ein Armenhaus, wie es auch bei "Michel" beschrieben wird. Keine Orte reiner Barmherzigkeit, erklärt uns Christina, eine der Rokulla-Wirtinnen. 

Wer wohnen will wie Astrid Lindgrens Figuren, sollte im Hostel Smålandsbyn in Vimmerby übernachten. Mit viel Liebe wurden die Häuser von Michel, Pippi oder Lisa nachgebaut, inklusive der alten traditionellen Holzzäune

Obdachlose mussten dort leben, damit die Gemeinde sie unter Kontrolle hatte. "Manche hielten das nicht aus", sagt Christina und zeigt uns ein altes Foto. "Die Wald-Sara war berühmt, weil sie ständig weglief. Sogar aus dem Fenster sprang sie und humpelte kilometerweit mit gebrochenem Bein zu ihrer Höhle zurück." Ich sehe auf dem Foto eine resignierte Frau. So, denke ich, hätte Pippi ausgesehen, wenn man sie ins Kinderheim gesteckt hätte.

Eine Autorin, die von Generation zu Generation weiterlebt

Astrid Lindgren begegnet uns auf der Reise immer wieder in verschiedenen Formen: in Bonbonläden, alten Scheunen, historischen Geschichten, sprudelnden Bächen und in dem tiefen Respekt, den ihr alle Schweden, mit denen wir sprechen, entgegenbringen. Am deutlichsten, ja quietschbunt, leuchten ihre Spuren in Vimmerby. Die Kleinstadt, in der sie aufwuchs, war Vorbild für die Heimat von Kalle, Lotta oder Pippi. 

Pippi und die Prusseliese radeln durch „Astrid Lindgrens Welt“ in Vimmerby

Heute erweckt hier der Freizeitpark "Astrid Lindgrens Welt" die Geschichten zum Leben, mit aufwändigen Kulissen, Schauspielern, Live-Vorführungen, Musik und kreativen Ideen, die Kinder dazu animieren, was der Autorin am wichtigsten war: zu spielen. Sie selbst sagte über den Park: "Es ist eine sehr gemütliche und schöne Welt." Das stimmt. Man würde gern ein bisschen was davon in die Taschen stecken und mit dem Weißmoos nach Hause nehmen.

Die Reisetipps für den Familienurlaub in Schweden

Rokulla Pensionat. Das Haus, ca. 20 km von Vimmerby entfernt, bietet Ruhe und ein großartiges Frühstück. Vierbettzimmer ca. 150 Euro/Nacht (www.rokulla.se).

Smålandsbyn. Rein Soowik gehört zu den Gründern von "Astrid Lindgrens Welt". 1990 baute er dann das Hostela auf - eine Mini-Astrid-Lindgren-Welt! Vierbettzimmer ab 70 Euro (www.smalandsbyn.se).

Kalvefalls. Auf dem Pferdehof in Östergötland lassen sich magische Wald-Momente erleben. B&B ca. 50 Euro Person/Nacht (www.kalvefalls.de).

Dieser Artikel stammt aus BRIGITTE Mom 02/2018

Brigitte MOM 02/2018

Wer hier schreibt:

Michèle Rothenberg
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Familienurlaub in Schweden: Mädchen im Wald steht im Regen
Familienurlaub in Schweden: Ferien mit Astrid Lindgren

Als wir Kinder waren, haben wir die unerschrockenen Heldinnen aus Astrid Lindgrens Büchern liebend gern in unser Leben gelassen. Später bringen wir sie unseren eigenen Kindern nah. Zwei Freundinnen sind mit ihren Töchtern auf den Spuren ihrer Lieblingsautorin durch Schweden gereist.

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