Mutig: Esther dokumentiert ihre Abtreibung auf Instagram

Wie schwer es sein muss, sich für eine Abtreibung zu entscheiden, können alle, die selbst nie in dieser Lage waren, allenfalls erahnen. Die Fotografin Esther Mauersberger erzählt es uns: Auf ihrem Instagram-Account dokumentierte sie ihren Schwangerschaftsabbruch mit eindrucksvollen Bildern und persönlichen Posts.

Schwangerschaftsabbruch gehört in unserer Gesellschaft nach wie vor zu den sensibelsten und kontroversesten Themen überhaupt. Auch wenn es Frauen in den meisten demokratischen Ländern rechtlich erlaubt ist, sich selbstbestimmt für eine Abtreibung zu entscheiden (eine Ausnahme bildet aber beispielsweise Irland), wird ihnen die ohnehin schon harte Entscheidung durch unterschiedliche "Bedenkenträger" oft noch schwerer gemacht.

Doppelt mutig: Esther treibt ab UND dokumentiert es

Die Fotografin Esther Mauersberger, die sich besonders durch Geburtsfotos einen Namen gemacht hat, fasste im September gleich zwei schwere und sehr mutige Entschlüsse: Sie entschied sich für eine Abtreibung und dafür, diese intime und intensive Episode ihres Lebens mit der Öffentlichkeit zu teilen.


In ihren Posts thematisiert sie den gesamten Prozess: vom Moment der Entscheidung für den Abbruch, dem Kampf und der Zerrissenheit während der Beratungsgespräche und schließlich die Erleichterung und Zufriedenheit nach der Abtreibung, die sie in ihren eigenen vier Wänden durchgeführt hat.

Hier einige Eindrücke von ihrem Instagram-Account:

Ich verweigere der Natur diesen Prozess

Und das Zittern, die Fahrigkeit, die verspürt man, die verspüre ich vielleicht, weil ich so deutlich an einem Scheidepunkt stehe.

Ich bestimme, dass ich keinen Platz machen werde. Ich habe keine Angst vor einer falschen Entscheidung.

Es fließen auch Tränen der Überforderung! Ich renne von Termin zu Termin, die Schuldzuweisungen, die man sich augenklimpernd anhören muss. Mal versteckt, mal ganz eindeutig. Doch ich muss in dieses System. Ich muss mich Ärzten und Beratungen stellen, denn nur die halten meinen Ausweg bereit. Es scheint der Gesellschaft ein undenkbares Szenario, dass Frau diese Entscheidung a) treffen kann b) dass es ihr damit auch gut gehen kann.

Plötzlich wieder die Frage: ist das ein Kind?

3 Tabletten in der Hand und weg damit. Auf einmal die Gewissheit, dass ich es schaffe. Erhaben fühle ich mich. Es kehrt etwas vom Übermut zurück. Und ich denke, das sieht man auf diesem Schnappschuss, meine Gelöstheit. ich bin müde, ich bin schlapp. Aber ich fühle mich so leicht. Und das stand nirgendwo. Deshalb sag ich es - ich habe gelächelt. Ich habe mich stark gefühlt. Und riesig erleichtert. Ich habe eine Entscheidung gefällt, und wurde fortwährend in Frage gestellt. Da könnte man meinen, weder seit Freuds Hysterie, noch seit den 70ern sei etwas passiert.  

 


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