Bei diesem Sexpositiv-Shop kommen ALLE auf ihre Kosten

Fuck, yeah! Flo, Rosa, Fränky und Zarah wollen einen sexpositiven Shop eröffnen, bei dem ALLE auf ihre Kosten kommen. Sie sind sich sicher: Eine offene Sexkultur ist wichtig fürs Selbstbewusstsein.

"Das ziemt sich nicht für eine Frau!"
"Heb dich bloß für den Richtigen auf!"
"Du willst doch nicht, dass andere dich als Schlampe abstempeln!"

Es reicht! Bei Twitter penispropellern sich Männer durch die Timeline und kassieren dafür hunderte Favs. In American Pie 1 bis drölfzig lachen wir uns einen Ast darüber, wie ein paar High School Boys ihre Jungfräulichkeit verlieren. Und wenn der Rock einmal die willkürliche Grenze zwischen sexy und nuttig überschreitet, ist sie gleich eine Bitch. Mal ehrlich: Männer haben es wesentlich leichter als Frauen, ihre Lust am Sex auszuleben.

Für Gleichberechtigung beim Sex!

Wer die einschlägigen Shops auf der Reeperbahn besucht hat, weiß: Wenn es um Sex geht, sind Frauen immer noch in erster Linie Objekt. Ob im Logo, auf dem Plakat im Schaufenster oder als Pappaufsteller am Eingang – die Blonde mit den Ballonbrüsten spricht vor allem Männer an.

Die vier Hamburger*innen Zarah, Flo, Rosa und Fränky wollen mit dieser Tradition brechen: Sie wollen einen Sexshop eröffnen, in dem alle auf ihre Kosten kommen - Frauen, Männer und Menschen, die sich keinem dieser Geschlechter zuordnen.

"Wir wollen einen Ort schaffen, der Sex neu verhandelt", sagt Zarah. Feministisch, queer-orientiert und sexpositiv – das sind die wichtigsten Eigenschaften, die sich das Kollektiv für sein Start-up namens "Fuck yeah" auf die Fahne geschrieben hat.

Mehr als nur ein Shop

Weitere Eigenschaften: hell, einladend, offen und mit Sofaecke. "Fuck Yeah" soll nämlich nicht nur vom Rein-Raus-Verkehr und dem Verkauf bestimmter Sex Toys leben, sondern auch ein Ort zum Verweilen sein. Wo man mit Leuten ins Gespräch kommen und sich austauschen kann. Zentrum für eine sexpositive Community.

So wollen die vier Gründer zusätzlich zum Warenverkauf auch Workshops und Seminare anbieten, die aufklären und einen offeneren und gleichberechtigteren Umgang mit Sex fördern.

Es geht immer nur um den Penis.

Denn nach Ansicht von Zarah werden Menschen in unserer Gesellschaft schon früh zu einer sehr einseitigen Sicht erzogen. "Es geht immer nur um den Penis. Bereits in der Schule lernt man fast alles über den Penis aber fast nichts über die Vulva oder andere Genitalformen. Dabei ist es so wichtig, sich auszukennen", sagt sie.

Flo ergänzt: "Ein offener Umgang mit Sex und der eigenen Sexualität ist gesund und wichtig für das Selbstbewusstsein. Denn unsere Sexualität ist ein Teil von uns. Wenn wir diesen Teil unterdrücken, uns dafür schämen, führen wir eine Art Kampf gegen uns selbst."

Flo glaubt, dass die Unterdrückung der eigenen Sexualität oft der Grund dafür ist, dass Menschen andere Leute anfeinden, die offener damit umgehen – weil sie sie darum eigentlich beneiden.

Nachhaltige und hochwertige Produkte

Wer nun aber kein Interesse an Sexkultur und Sex-Community hat und einfach nur Inspiration und Hilfestellung sucht, um seine eigene Lust zu erleben, wäre bei "Fuck Yeah" ebenso gut aufgehoben. 

Denn genau wie das Berliner Vorbild "Other Nature" will das Hamburger Kollektiv in seinem Laden vor allem nachhaltig und fair produzierte Ware anbieten. Was Inhaltsstoffe angeht, sind Transparenz und Verträglichkeit selbstverständlich für das Quartett. "Es ist eigentlich ein Skandal, dass Stoffe, die in Kinderspielzeug verboten sind, im Spielzeug für Erwachsene verwendet werden", sagt Zarah, "Schließlich gibt es ja Alternativen."

Wo finde ich diesen Shop?

"Fuck yeah" soll auf jeden Fall in zentraler Lage in Hamburg an den Start gehen. Wenn es nach Flo geht, steht uns der Laden schon dieses Jahr zum Weihnachtsshopping offen. Ein kritisches Datum ist aber noch der 28. August: Bis dahin müssen die vier Jungunternehmer eine Finanzierungsschwelle von 20.000 Euro via Crowdfunding erreichen, um ihr Startkapital einzustreichen. Wer sie unterstützen möchte: Die Dankeschöns sind ziemlich sexy...

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