Warum ich nicht an Gott glaube - und so meinen Frieden gefunden habe

Fast jeder von uns hat schon aufgrund unserer Tradition einen Bezug zu Gott. Auch unsere Autorin hatte ihn – bis sie feststellte, dass er ihr mehr schadet als nützt.  

Eine Freundin von mir ist überzeugte Christin: bibelfest, aktiv in ihrer Gemeinde, betet regelmäßig. Sie ist eine starke und selbstbewusste Frau. Außerdem ist sie tolerant, clever, modern und umgänglich. Ich weiß, dass Gott und ihr Glaube meiner Freundin viel Kraft geben. Sie ist das beste Beispiel, dass ein Leben mit Gott wunderbar funktionieren kann.

Gott kann wohl nicht mit jedem

Aber es gibt auch Beispiele, die zeigen, dass das nicht immer so gut funktioniert. Was ist mit den Kreuzzügen und Kriegen, die Menschen in Gottes Namen geführt haben und führen? Was ist mit den Männern, die Frauen nicht die Hand geben, weil Gott es verbietet? Oder mit den Menschen, die wegen ihrer Sexualität diskriminiert werden, weil sie angeblich wider Gottes Wille ist?

Was ist mit den Zeugen Jehovas, die sich nicht an unserer Demokratie beteiligen, während sie auf das Reich Gottes warten? Was ist mit meiner Mutter, die als uneheliches Kind in einem katholischen Umfeld diskriminiert wurde?

Mich hat Gott immer nur hängen lassen

Mit Gott und mir hat es auch überhaupt nicht funktioniert. Als Kind habe ich es mit voller Hingabe ausprobiert. Ich habe jeden Abend gebetet. Ich habe Gott für alles Gute, was mir widerfahren ist, gedankt, und ihm nahegelegt, mich vor Dingen, die mir Angst machen und denen ich mich nicht gewachsen fühle, zu beschützen.

Heute tut mir das kleine Mädchen von damals ein bisschen leid. Es hat nicht erkannt, wie viel es selbst dazu beitrug, dass ihm Gutes widerfährt. In Sachen Beschützen hat Gott mich sowieso ständig hängen lassen. Immer wenn ich mit einer Krise zu kämpfen hatte, war nicht Gott für mich da, sondern ein Mensch, der mir nahestand. Oder ich bin aus eigener Kraft aus der Krise wieder rausgekommen. 

Inneren Frieden habe ich erst als Atheistin gefunden

Ich nehme das zu 100 Prozent auf meine Kappe, aber Gott stand mir beim Aufbauen von Selbstbewusstsein immer im Weg. Seit ich entschieden habe, dass Gott für mich eine sehr alte Idee der Menschen ist, um knifflige Fragen zu beantworten, fühle ich mich befreit, erleichtert und stärker. Ich verlasse mich mehr auf mich und meinen Verstand als auf Gott.


Inneren Frieden (oder wenigstens den friedlichsten Zustand, den ich kenne,) habe ich erst als Atheistin gefunden.

Ob es Menschen, die in Gottes Namen Kriege führen, ähnlich positiv verändern würde wie mich, wenn man ihnen sagte, Gott ist nur die 2000 Jahre alte Version von Albus Dumbledore, bezweifle ich. Allerdings würde es die Diskussionen mit ihnen erheblich einfacher machen.

Gott, das Totschlagargument 🙄

Einige Gläubige benutzen Gott und "sein Wort" gnadenlos als Totschlag-Argument – und das geht mir echt gegen den Strich. Bei den Debatten über die "Ehe für alle" hätte ich jedes Mal kotzen können, wenn jemand die göttliche Bestimmung der Ehe als Bündnis zwischen Mann und Frau vorgebracht hat. 

Wenn jemand Gott als Argument anführt, ist das für mich so, als würde ich mich damit rechtfertigen, dass mein Einhorn schlecht geschlafen hat.  

Gott darf Kraft geben, aber nicht im Weg stehen

Meinetwegen soll jede und jeder glauben, was ihr und ihm am besten tut – mache ich ja auch. Vielen Menschen gibt Gott Kraft und das freut mich für sie. 

Aber Gott darf vor lauter Großartigkeit den gesellschaftlichen Fortschritt hin zu einem gleichberechtigten und respektvollen Miteinander nicht aufhalten. Und er darf auch niemandem untergejubelt oder gar aufgedrängt werden, der mit ihm nichts anfangen kann.

Und jetzt ganz im Ernst: Es wird doch möglich sein, dass Atheisten, Muslime, Christen, Buddhisten und Agnostiker einen gemeinsam Weg finden, miteinander zu leben, zu reden, zu feiern und zu lieben. Schließlich sind wir Menschen – und an die glauben wir ja wohl alle?!  

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