Victim Blaming: Warum diese Ausstellung Kleidung von Vergewaltigungsopfern zeigt

Liegt es am Outfit, wenn eine Frau vergewaltigt wird? Diese Frage will eine Ausstellung nun ein für alle mal klären. Wie? Indem sie die Klamotten der Opfer zeigt!

"Ihr Rock war aber auch wahnsinnig kurz! Und die aufreizenden Bilder auf ihrem Instagram-Account sprechen jawohl ebenfalls eine deutliche Sprache."

Solche Aussagen hört man oft, wenn es um Vergewaltigungsvorwürfe geht. Entweder kommen sie von den Beschuldigten und ihren Anwälten, die damit zeigen wollen, was für ein Luder das vermeintliche Opfer doch sei. "Der Sex sei natürlich einvernehmlich gewesen – guckt euch die Sexbombe doch mal an – und jetzt will sie nur abstauben, Aufmerksamkeit oder Rache, weil es beim One-Night-Stand blieb." 🙄

Oder der kurze Rock wird thematisiert, wenn bereits feststeht, dass es sich um eine Vergewaltigung handelte. Um dem Opfer eine Mitschuld zu geben. Um Verständnis für den Täter zu erzeugen. Nach dem Motto: "Wie soll der arme Kerl denn widerstehen, wenn sie ihm ihre geilen Schenkel zeigt."

Während man sich noch fragt, welche der beiden Varianten schlimmer ist, kommt einem schon die Kotze hoch ...🤢

Ausstellung zeigt Klamotten der Opfer

In Brüssel will jetzt eine Ausstellung das leidige Outfit-Thema endgültig aus der Welt schaffen. Unter dem Titel "What were you wearing?" ("Was hattest du an?") zeigt die Ausstellung eine Sammlung von Kleidungsstücken, wie sie echte Opfer von sexuellen Übergriffen zum Tatzeitpunkt trugen. Die Klamotten wurden auf Grundlage der Aussagen und Beschreibungen über reale Vorfälle zusammengestellt.


In der Auswahl finden sich neben 0815-Shirts und –Kleidern einige Pyjamas, Trainingsanzüge, Kinderkleidung (!!!), ein "My-little-Pony"-Shirt und sogar eine Polizei-Uniform. Alle Outfits sollten selbst dem ignorantesten Vollpfosten klarmachen: Die These des sexy-provokant gekleideten Opfer-Luders ist purer Schwachsinn. Vielmehr zeigen viele der Kleidungsstücke: Die Opfer sind so unschuldig wie "My little Pony" selbst.

"Extrem verletzend für die Opfer"

Die Organisatoren der Ausstellung sagten zur Eröffnung, sie wollten "eine greifbare Antwort auf einen der am stärksten verbreiteten Vergewaltigungsmythen" geben, denn: "Die Annahme, dass bestimmte Kleidung eine Vergewaltigung provoziert habe, ist extrem verletzend und schlimm für die Opfer."


Eigentlich traurig, dass unsere Gesellschaft so eine Ausstellung überhaupt braucht. In Erwägung zu ziehen, ein Vergewaltigungsopfer könne auch nur die kleinste Mitschuld an einer Tat tragen, ist echt ein Armutszeugnis für die Menschheit. Sympathie für gestörte Straftäter schön und gut - aber bitte nicht auf Kosten der Opfer!

Die Ausstellung läuft noch bis zum 20. Januar im Gemeindezentrum des Brüsseler Stadtteils Molenbeek.


 

Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel

Kommentare

Kommentare

    Diesen Inhalt per E-Mail versenden

    Victim Blaming: Warum diese Ausstellung Kleidung von Vergewaltigungsopfern zeigt

    Liegt es am Outfit, wenn eine Frau vergewaltigt wird? Diese Frage will eine Ausstellung nun ein für alle mal klären. Wie? Indem sie die Klamotten der Opfer zeigt!

    Du kannst mehrere E-Mail-Adressen mit Komma getrennt eingeben

    E-Mail wurde versendet
    Deine Mail konnte leider nicht versendet werden