Endlich! Kaufhauskette killt Geschlechter-Label für Kinderklamotten

'John Lewis' hebt als erste Kaufhauskette in Großbritannien die Geschlechtertrennung im Segment Kinderkleidung auf. Damit setzt das Unternehmen ein Zeichen gegen Sexismus – das nicht jedem gefällt.  

Dass Mädchen nur "Mädchenkleidung" und Jungs nur "Jungskleidung" tragen dürfen (was auch immer das eigentlich ist), ist so gar nicht 2017!

Das findet zumindest die britische Kaufhauskette John Lewis und verzichtet ab sofort bei der Kinderkleidung auf Geschlechtertrennung. 

"Wir möchten in unseren Kollektionen keine Geschlechter-Stereotypen fördern. Stattdessen wollen wir unseren Kunden eine größere Auswahl und mehr Vielfalt bieten. Eltern oder Kinder sollen selbst entscheiden, was sie tragen möchten", begründet die Leiterin des Bereichs Kinderkleidung, Caroline Betts, die Entscheidung gegenüber dem Independent.

Ein richtiger Schritt, finden viele:

 

In der Praxis: Was macht John Lewis jetzt anders?

Statt Kinderkleidung wie bisher in "Girls" und "Boys" zu unterteilen, zeichnet John Lewis ab sofort alles mit "Boys & Girls" oder "Girls & Boys" aus.

Außerdem wird die Kette seine Ware nicht mehr in zwei separaten Bereichen anbieten. Eine neue Kollektion, die bewusst geschlechtsneutral gehalten ist, bringt das Unternehmen ebenfalls auf den Markt.

Ansonsten bleibt das Sortiment erhalten: Vom pinken Rock bis zum blauen Shirt findet sich auch künftig alles in den Kaufhäusern.

Praktisch heißt das jetzt: Wer eine Tochter hat, die lieber das blaue Shirt haben möchte, muss jetzt nicht mehr in die Jungsabteilung hinübergehen und sich komisch anschauen lassen.

Kritik: So viel Freiheit verwirrt die Kunden

Andrew Bridgen, ein konservativer Politiker, befürchtet, dass Kunden mit dieser neuen Freiheit überfordert sind. Er sagte gegenüber dem britischen "Independent": "Ich habe keine Ahnung, was in John Lewis gefahren ist. 'Boys'- und 'Girls'-Labels sind informativ. Ich denke, sie zu entfernen, könnte die Kunden sehr verwirren. Sieht so aus, als wäre Political Correctness auf dem Vormarsch – ob in die richtige Richtung, ist fraglich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Kunden ein Kleid für ihren 6-jährigen Sohn kaufen."

Auch bei Twitter gab es negative Reaktionen:


Die Wahrheit: John Lewis folgt dem Trend

Wer über die Textilbranche hinausschaut, wird feststellen, dass John Lewis einem antisexistischen Trend folgt, der in UK vor rund zwei Jahren begonnen hat.

Stevie Meriel Schmiedel, die Geschäftsführerin von Pinkstinks Germany e.V., sagt uns: "Tatsächlich hat die Initiative 'Let Toys be Toys' schon 2015 bewirkt, dass die Drogeriekette Boots ihre Spielsachen nicht mehr mit "for Boys" / "for Girls" bewirbt. Harrod's hat im gleichen Jahr angekündigt, Spielsachen nicht mehr für Geschlechter zu labeln." 

Weitere Maßnahmen: 2016 verbot Londons Bürgermeister sexistische Werbung auf Bussen, und gerade hat die Advertising Standards Authority klarere Regeln gegen Sexismus in der Werbung für Kinderprodukte erarbeitet.

Und Deutschland? Hinkt hinterher ...

Das zeigt, so Schmiedel, "dass das eigentlich extrem konservative Land im Widerstand gegen Sexismus in der Werbung sehr viel weiter ist als wir."

Allerdings sagt Schmiedel auch: "Das liegt daran, dass in UK der Genderwahnsinn früher begonnen hat, bei uns ist die Pink-Blau-Hölle im Vergleich ja relativ neu."

Was die Labels angeht, sind die Gender-Stereotypen zumindest bei den großen Ketten bei uns noch Realität. Jeder H&M labelt Mädchen- und Jungenabteilungen - da bleibt noch einiges zu tun!


Diesen Inhalt per E-Mail versenden

Endlich! Kaufhauskette killt Geschlechter-Label für Kinderklamotten

'John Lewis' hebt als erste Kaufhauskette in Großbritannien die Geschlechtertrennung im Segment Kinderkleidung auf. Damit setzt das Unternehmen ein Zeichen gegen Sexismus – das nicht jedem gefällt.

Du kannst mehrere E-Mail-Adressen mit Komma getrennt eingeben

Deine Mail wurde versendet
Deine Mail konnte leider nicht versendet werden