"Battle of the Sexes": Kein Film für Donald Trump!

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Eigentlich sollte die Premiere des Kinofilms "Battle of the Sexes" im Weißen Haus stattfinden und eine riesige Sause werden – doch dann geschah, womit niemand gerechnet hatte: Donald Trump gewann die Wahl zum Präsidenten. Und der würde wohl eher Kim Jong-Un zum Pho-Essen einladen, als diesen Film zu feauteren. 

Tennis? Öde! Siebziger? Viel zu lange her! Erzählt eine wahre Begebenheit? Wie fantasielos! Donald Trump findet ihn scheiße? Den Film muss ich sehen!

Die Idee: Warum der Film zustande kam

Als bekannt wurde, dass sich Hillary Clinton und um den Job als Präsident batteln würden, kam dem sympathischen Regisseurs-Paar Jonathan Dayton und Valerie Faris eine grandiose Idee: Wieso nicht diese historische Präsidentschaftswahl mit einem Film über ein ähnliches historisches Ereignis begleiten?

Also drehten sie den Film "Battle of the Sexes" über ein legendäres Tennisspiel von 1973, in dem Feministin, Profisportlerin und später geoutete Lesbe Billie Jean King gegen den etwas in die Jahre gekommenen Tennisstar und Wimbledon-Gewinner Bobby Riggs in die Tennisschlacht zog.

Heraus kam dann allerdings weniger ein Tennisfilm als eine großartige und sensibel erzählte Geschichte über Emanzipation, Zusammenhalt, psychische Kämpfe und Chauvinismus.

"Battle of the Sexes": Kein Film für Donald Trump!

Die Story: Protest gegen den Gender Pay Gap

Anfang der 70er hatten Profi-Tennisspielerinnen in den USA ein Problem, mit dem wir alle heute noch kämpfen: einen gewaltigen Gender Pay Gap. Während Frauen auf dem Court vor allem für ihre kurzen Röcke geschätzt wurden, achtete man Männer für ihre Schnelligkeit, Kraft, athletische Leistung. Dafür zahlte man den Herren achtmal so hohe Preisgelder wie Frauen.

Was taten die Tennisdamen rund um Star-Spielerin Billie Jean King (herausragend gespielt von Emma Stone), als sie das nicht mehr mitmachen wollten? Sie forderten mehr! Leider wurden sie dafür von den Großen und Mächtigen der Tenniswelt nur ausgelacht – und von den nationalen Meisterschaften ausgeschlossen. Also stellten die Spielerinnen ihre eigenen Female-Only-Meisterschaften auf die Beine und hatten damit ziemlich viel Spaß und Erfolg.

"Battle of the Sexes": Kein Film für Donald Trump!

Der Höhepunkt: Die Rache der Chauvis

So einen Akt der Emanzipation fanden die 70er-Jahre-Chauvis natürlich mehr als daneben. Was beschwerten sich denn diese Weibchen mit den unrasierten Beinen überhaupt? Ihre Aufschläge sind langsamer als die der Männer – also sind sie auch weniger wert.

Einer dieser Chauvis von damals war der ehemalige Profi-Spieler Bobby Riggs. Im Film verkörpert ihn Steve Carrell, weshalb er auf Kinoleinwand dummerweise äußerst sympathisch, liebenswürdig und lustig wirkt. Aber was soll's? In jedem Chauvi kann ja rein theoretisch auch ein guter Kern stecken ...

Jedenfalls will dieser Riggs die aufmüpfigen Emanzen wieder in ihre Schranken weisen und fordert zunächst die Ranglisten-Erste, Margaret Court, und dann die Zweite Billie Jean King zum Match. 

"Battle of the Sexes": Kein Film für Donald Trump!

Der Clash mit der Realität: Trump gewinnt die Wahl

Nun hatten sich die Regisseure das mit ihrer Idee und dem Film eigentlich so vorgestellt, dass Präsidentin sie ins Weiße Haus einladen würde und sie ihn dort zeigen dürften – schließlich geht es um Emanzipation, Gleichberechtigung und um die Erkenntnis, dass eine Frau den Zweikampf mit einem Mann niemals zu scheuen braucht.

Doch dann gewann Donald Trump die Wahl und, da sich das bis heute nicht als böser Alptraum herausgestellt hat, wurde nichts aus der White-House-Premiere.

Stattdessen kommt der Film jetzt in einer Zeit in die Kinos, in der wir seit Wochen über Sexismus diskutieren, nachdem sich herausgestellt hat, dass Frauen - egal ob einflussreiche Hollywood-Stars oder Normalos – immer noch zum Teil übelst unter dem Patriarchat leiden.

DAS hatten die Regisseure zwar nicht geahnt, aber im Grunde erscheint ihr Film unter diesem Umstand sogar noch sehens- und empfehlenswerter, als er unter der ersten amerikanischen Präsidentin gewesen wäre.

Denn "Battle of the Sexes" kann uns inspirieren. Der Film zeigt uns, wie viel wir erreichen können, wenn wir zusammenhalten, an uns glauben und unsere Stärken ausspielen. Wenn wir jetzt dranbleiben, ist die Ära der Weinsteins bald vorbei – und dagegen kann dann auch ein Trump nichts mehr ausrichten.  

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    "Battle of the Sexes": Kein Film für Donald Trump!

    Eigentlich sollte die Premiere des Kinofilms "Battle of the Sexes" im Weißen Haus stattfinden und eine riesige Sause werden – doch dann geschah, womit niemand gerechnet hatte: Donald Trump gewann die Wahl zum Präsidenten. Und der würde wohl eher Kim Jong-Un zum Pho-Essen einladen, als diesen Film zu feauteren. 

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