Sexismus-Regeln am "Wonder Woman"-Set: Sind wir wirklich so verkorkst?

Die Dreharbeiten zu "Wonder Woman 2" laufen unter strengen Auflagen zu sexueller Belästigung. Seit #Metoo überlässt man nichts mehr dem Zufall – oder dem Anstand und Respekt ...

Ist DAS wirklich die Lehre, die wir aus #Metoo ziehen müssen? Dass wir nicht mehr miteinander arbeiten und leben können, ohne bestimmte Regeln und Richtlinien zu formulieren, die dieses Miteinander für alle Beteiligten erträglich machen?

"Wonder Woman 2" - Empowering pur!

Das Produktionsteam von "Wonder Woman 2" will jetzt jedenfalls ein positives Zeichen setzen, indem es sich zu einem neuen Schwung von Richtlinien gegen sexuelle bekennt. Schon mit "Wonder Woman" hatte das Team um Regisseurin Patty Jenkins und Hauptdarstellerin Gal Gadot einen kleinen Coup in Sachen Empowerment gelandet. Eine starke, heldenhafte Halbgöttin, die Thor den Arsch versohlt und den abenteuerlustigen Piloten vor dem Ertrinken rettet – das war großes, empowerndes Kino.

Mit der Trennung von Produzent Brett Rattner, nachdem ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen worden war, blieb die Crew ihrer Linie treu.

In diese Linie passt nun auch, dass die "Wonder Woman 2"-Produktion als erstes Projekt einige als Reaktion auf #Metoo formulierte Anti-Belästigungs-Richtlinien befolgen will. Diese Richtlinien hatte am vergangenen Freitag die "Producers Guilde of America" veröffentlicht, ein Zusammenschluss von Filmproduzenten. Nicht verpflichtend, sondern lediglich als Angebot für Produktionsteams, um einen respektvollen Umgang in der Branche zu fördern.

Unter anderem empfiehlt die "Producers Guilde" den Produktionen/Produzenten ...

  • .. sich an die nationalen und staatlichen Gesetze zum Thema Belästigung zu halten
  • ... Meldungen über sexuelle Belästigung aufmerksam und verständnisvoll anzuhören
  • ... darauf zu achten, dass niemandem nach einer Meldung von sexueller Belästigung Nachteile widerfahren

Ein Regelwerk von Selbstverständlichkeiten ... eigentlich

Was sofort auffällt: All diese Punkte sollten eigentlich selbstverständlich sein. Im Grunde ist es ein Skandal, dass eine Vereinigung von Filmproduzenten die Notwendigkeit sieht, sie ausdrücklich zu formulieren.

Andererseits hat #Metoo nun einmal gezeigt, dass ein respektvoller Umgang miteinander für viel zu viele Menschen offenbar eben DOCH NICHT selbstverständlich ist. Die Frage ist nur: Müssen wir wegen irgendwelcher Macht missbrauchenden Dummbatze wirklich alle wieder Regeln pauken? Bestätigen wir nicht eher, dass sich ein respektvoller Umgang nicht von selbst versteht, wenn wir solche Richtlinien ans Schwarze Brett hängen? 

Was das "Wonder Woman"-Team angeht, ist das Bekenntnis zu diesen Regeln wohl vor allem als Geste zu verstehen. Als "Ja" zum ausdrücklichen "Nein zu sexueller Belästigung und Unterdrückung". Nicht als ein "Ach so geht man also miteinander um?!". 

Auch dass die "Producers Guilde" überhaupt auf die #Metoo-Bewegung reagiert, ist positiv. Ein "Weiter So" darf es schließlich nach #Metoo nicht mehr geben.

Trotzdem ist es irgendwie traurig und ernüchternd, dass wir jetzt anfangen, Menschen Richtlinien zu diktieren, die selbstverständlichste Verhaltens- und Anstandsregeln in Worte fassen. Respekt und Wertschätzung gegenüber Mitmenschen und ein verantwortungsvoller Umgang mit Macht sollten nämlich auf einer grundsätzlichen Haltung basieren, nicht auf einem Katalog von Verhaltensregeln. 

Aber wie die "Producers Guild of America" in den Begleitworten zu ihren Richtlinien schreibt: "Wir sind als Gesellschaft in einer Übergangsphase." Spätestens wenn wir diese Übergangsphase überstanden haben, kommen wir bestimmt auch ohne das Anti-Belästigungs-ABC endgültig alle gut miteinander aus ...


 

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