Extra für Björn Höcke: Künstlergruppe baut dem AfD-Politiker Holocaust-Mahnmal vor die Haustür

Ehre wem Ehre gebührt? Eher nicht! Eine politische Künstlergruppe hat dem AfD-Politiker Björn Höcke eine Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals vor die Haustür gebaut. Nur waren die 24 Betonstelen leider nicht ihr einziger Streich – wegen weiterer Schikanen könnten den Künstlern Strafen drohen. 

"Bernd" Höcke, mit bürgerlichem Namen Björn Höcke, wurde prominent durch seine legendäre Rede, in der er das Berliner Holocaust-Mahnmal als "Denkmal der Schande" bezeichnete. Für alle, die den berüchtigten Satz mittlerweile verdrängt haben, hier noch mal der Originalwortlaut (sorry – wer ihr ihn einmal verdrängt habt, schafft's auch wieder):

Wir Deutschen – und ich rede jetzt nicht von euch Patrioten, die sich hier heute versammelt haben – wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.

 Echt mal, wir Deutschen, was haben wir uns dabei gedacht?

Ein Mahnmal für Bornhagen

Berlin ist doch viel zu weit weg für den kunst- und geschichtsinteressierten Höcke! Mit den Öffis braucht er ja Stunden, um von seinem Zuhause im beschaulichen 270-Seelen-Dorf Bornhagen an der hessisch-thüringischen Grenze in die Hauptstadt zu gelangen. Dazu ist in Berlin immer so viel Trubel – gerade er als Promi kann da überhaupt nicht in Ruhe gedenken oder ermahnt werden oder Schande empfinden.

Die Künstlergruppe Zentrum für politische Schönheit (ZPS) hat sich des Problems angenommen. Die Künstler haben 24 Betonstelen gegossen, nach Bornheim verfrachtet und unmittelbar vor Höckes Haustür aufgebaut. Dafür haben sie nach eigenen Angaben das Nachbargrundstück schon vor zehn Monaten angemietet.

Wenn man Bornheims Einwohner mit denen von Berlin ins Verhältnis setzt, ist die Nachbildung, die das ZPS eigens für "Bernd" Höcke aufgestellt hat, gegenüber dem Original in Berlin sogar überdimensioniert – das besteht nämlich gerade mal aus 2711 symbolischen Sarkophagen (und Berlin hat 3,47 Mio Einwohner – Quotienten bildet bitte jede*r für sich und im Kopf).

Kritik aus dem Landtag – denn das Mahnmal war nicht der einzige Streich ...

Jedenfalls haben die Künstler ihr Werk jetzt enthüllt – und gleich melden sich die Kritiker. "Hier wird unter dem Deckmantel künstlerischer Freiheit ein skandalöser Angriff auf die Freiheit des Mandats, die Unversehrtheit einer Person, von Familie und Privatsphäre unternommen", sagte Thüringens Landtagspräsident Christian Carius von der CDU im Erfurter Landtag.

Ein Beitrag geteilt von soulmib (@soulmib) am

Gut, was man dazu sagen muss: Angeblich haben die Mitglieder des ZPS in den vergangenen zehn Monaten nicht nur das Mahnmal vom Nachbargrundstück aus geplant. Wie die Künstler selbst behaupten, haben sie Höcke auch beobachtet und überwacht.

Philipp Ruch, ein Mitglied der Gruppe, sagte gegenüber dem Spiegel:

Wir wissen alles. Wenn er [Höcke] vor dem Denkmal auf die Knie fällt und für die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg um Vergebung bittet, wollen wir der Ernsthaftigkeit seiner Läuterung glauben. Dann lösen wir den Zivilgesellschaftlichen Verfassungsschutz vorerst wieder auf und veröffentlichen keine pikanten Details aus seinem Leben.

Da hört der Spaß natürlich für die meisten dann irgendwann auf. Für solche Methoden gibt es jedenfalls auch keine Zustimmung von Gerhard Schramm, dem Thüringer Landesvorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, der die Aktion gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk als "gut gemeint, aber schlecht gemacht" bezeichnete.

Die Polizei prüft derzeit, ob ein Strafbestand vorliege – eventuell müssen die Künstler wegen der Kniefall-Forderung mit Ermittlungen wegen Nötigung oder generell wegen Nachstellung rechnen.

Aber jetzt mal abgesehen von der angeblichen Observierung Höckes – mit dem Bornhagener Mahnmal haben sie seiner Rede doch schon ein ziemlich stilvolles Denkmal gesetzt?!


sus
Themen in diesem Artikel