Verblüffende Studie: Macht die Emanzipation unsere Stimme tiefer?

Eine neue Studie hat ergeben, dass Frauenstimmen heute deutlich tiefer sind als vor 20 Jahren. Die Forscher vermuten, dass die Frauenbewegung der Grund ist.

Okay, wenn man Lana del Ray mit Cindy Lauper vergleicht, hört man schon einen Unterschied. Aber hättet ihr gedacht, dass Frauenstimmen heute generell tiefer sind als noch in der 80ern? Sind sie - und das sogar deutlich!

Keine Veränderung bei Männern, eine halbe Oktave tiefer bei Frauen

Forscher der Universität Leipzig haben die Sing- und Sprechstimmen von rund 2.500 Probanden untersucht. Bei den Männerstimmen haben sie über die vergangenen zwei Jahrzehnte keine Veränderung festgestellt, bei den Frauen dagegen schon.

Noch vor zwanzig Jahren erklangen Frauenstimmen eine ganze Oktave heller als Männerstimmen. Heute liegt der Unterschied nur noch bei einer Quinte - etwa die Hälfte einer Oktave. Damit sind nach Adam Riese heutige Frauenstimmen ungefähr eine halbe Oktave tiefer als frühere Frauenstimmen.

Forscher schließen biologische Ursachen aus

Da die Veränderung allein Frauen betrifft, schließen die Forscher biologische Ursachen aus. Denn würde es eine Rolle spielen, dass wir heute größer werden und wohlgenährter sind als unsere Vorfahren, hätten sich Männerstimmen ebenfalls verändert.

Auch am Tabakkonsum liegt es nicht: Die Stimmen von Nichtraucherinnen sind ebenso viel tiefer geworden wie die der Raucherinnen.

Tiefere Stimmen bringen mehr Respekt

Und jetzt wird's interessant: Die Forscher vermuten, dass Frauenstimmen im Zuge der tiefer geworden sind. Tiefe, feste Stimmen werden in unserer Gesellschaft eher mit Kompetenz, Selbstsicherheit und Durchsetzungsvermögen assoziiert, schrille Piepsstimmen dagegen eher als hysterisch und unsicher wahrgenommen.

Wenn wir uns mal beobachten, ist das ja auch etwas dran: Regen wir uns auf und sind nervös, steigt unsere Stimmlage unwillkürlich an, sind wir dagegen ruhig, konzentriert und selbstbewusst, ertönen unsere Worte meist ebenso – ruhiger, gesetzter und eben auch tiefer.

Da Frauen heute für ihre Kompetenz respektiert werden wollen, haben sich – so die Hypothese der Wissenschaftler – ihre Stimmen ihrem neuen Rollenbild und Selbstverständnis angepasst.

Ist unsere Stimme also ein gutes Zeichen für die Gleichberechtigung?

Wenn das stimmt und unsere Stimmlage wirklich ein Indikator für Emanzipation und Gleichberechtigung ist, würde eine halbe Oktave in 20 Jahren ja schon einen echt guten Fortschritt bedeuten.

Schauen wir uns allerdings die Quoten von Frauen in Führungspositionen und Parlamenten (zum Beispiel im Bundestag - s. Artikel) an, oder stolpern mal wieder über den gewaltigen Gender Pay Gap und den Sexismus in den unterschiedlichsten Branchen und Lebensbereichen – dann sieht es doch eher so aus, als wären uns unsere Stimmen bloß schon einen Schritt voraus ...  

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