Diese Fotos zeigen, wie wie bescheuert unser Schubladen-Denken ist

Unsere Welt besteht aus Grenzen, Kategorien und Schubladen - doch die Wahrheit ist das nicht. Die italienische Künstlerin Valentina Murabito zeigt uns auf ihren Fotos die Welt zwischen unseren Schubladen.

Dick, dünn; Pole, Deutscher; rosa, pink; alt, jung; Mann, Frau. Alles Paare zweier scheinbar unterschiedlicher, klar voneinander abzugrenzender Kategorien. Doch wer sagt eigentlich, wo genau die Grenze verläuft?

Wann hört man auf, jung zu sein, und ist alt? Warum entscheidet eine politische, willkürlich gezogene Staatengrenze darüber, ob wir Bliny oder Pfannkuchen essen? Und dass ein Mensch als Mann geboren werden, aber in Wahrheit eine Frau sein kann, das wissen wir mittlerweile auch.

Alle Grenzen und Kategorien sind hausgemacht

Wir leben in einer durchstrukturierten, gut geordneten Welt. Wo wir hinsehen, erblicken wir Grenzen, Kategorien, Schubladen. Wir brauchen das, sonst würden wir verrückt. Aber was wir uns da so zusammengebastelt haben, ist nur unsere MENSCHLICHE Welt, nicht die Wahrheit. In Wahrheit geht alles ineinander über. Leben und Welt sind ein einziger Wandel, ein riesengroßes Wechselspiel von Trilliarden kleiner Zusammenhänge.

Nehmen wir die Kategorien zur Orientierung: Wir Europäer glauben, Nord, Ost, Süd und West wären gesetzt und universell. Doch in diversen Inselstaaten im Pazifik kennen die Leute weder Norden noch Süden, dafür aber so etwas wie "landeinwärts" und "meerwärts". Dass wir mit unseren Grenzen und Schubladen leben, ist völlig okay - solange wir uns zwischendurch immer mal wieder klar machen, dass sie nicht die absolute Wahrheit sind.

"In einem Foto steckt immer die Wahrheit"

Valentina Murabito studierte an der “Moholy-Nagy University of Art and Design” in Budapest/Ungarn und an der “Hochschule der Schönen Künste” in Catania/Italien. Ihre Arbeiten sind Teil öffentlicher und privater Sammlungen, darunter die Sammlung SpallArt in Salzburg.

"Wäre ich nur ein paar hundert Kilometer weiter südlich geboren, hätte ich vielleicht als Flüchtling über den Atlantik nach Europa kommen müssen", sagt die aus Sizilien stammende Künstlerin Valentina Murabito. Die Italienerin setzt sich seit Jahren mit Wandel und Übergängen auseinander und hat diese Auseinandersetzung in beeindruckenden Kunstwerken zum Ausdruck gebracht.

In einer Welt, in der wir ständig auf den Foto-Auslöser unseres Smartphones drücken und Momentaufnahmen allgegenwärtig sind, hat sich die 36-Jährige ausgerechnet für die Analog-Fotografie entschieden.

"In einem Foto steckt immer ein Stück Wahrheit. Du kannst es bearbeiten und verfälschen, so viel du willst, aber den Moment, in dem das Foto entstanden ist, hat es gegeben. Das fasziniert mich", sagt die Künstlerin. "Manipuliere ich dieses Bild anschließend und stelle den Augenblick dadurch anders dar, dann zeigt sich, wie sehr man mit der Wahrnehmung spielen kann. Dieser Effekt tritt besonders hervor, wenn man den Betrachter mit etwas Außergewöhnlichem konfrontiert."

Wahrheit ist mehr als wir sehen

So sind es gerade die ungewohnten, irreführenden Eindrücke, die Murabito reizen, und die sie auf ihren Kunstwerken zeigt. Friedliche Ziegen mit ineinander verkeilten Hörnern, die durch ein paar Schnitte auf den ersten Blick wie zornige Stiere aussehen. Ein Schatten aus Vogel und Mensch - Murabito zeigt uns eine Zwischenwelt, voller Wesen in Wandel und Transformation. Scheinbar eine Fantasiewelt. In Wahrheit aber ist auch - oder sogar gerade - sie, diese Welt der sich auflösenden Grenzen, die Realität. Nur, dass wir sie in der Regel nicht sehen.

Wer sich Valentina Murabitos Werke in voller Größe anschauen möchte, kann das ab dem 18. Januar in der Galerie Benjamin Eck in München. Bis zum 3. März läuft dort die Ausstellung "ANALOG. Valentina Murabito |"ANALOG. Valentina Murabito | Susanna Kraus". 

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Fotografie: Die Künstlerin Valentina Murabito vor einem ihrer Werke
Diese Fotos zeigen, wie wie bescheuert unser Schubladen-Denken ist

Unsere Welt besteht aus Grenzen, Kategorien und Schubladen - doch die Wahrheit ist das nicht. Die italienische Künstlerin Valentina Murabito zeigt uns auf ihren Fotos die Welt zwischen unseren Schubladen.

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