Pussy Riot im Theater: "Die gefährlichste Zensur ist Selbstzensur!"

Wir kennen Pussy Riot als feministische Punkrock-Band, die für ihren politischen Protest gegen das russische Regime eingesperrt wurde. Fünf Jahre nach ihrer Verurteilung melden sie sich lautstark zurück und erzählen ihre Geschichte in einer Theater-Performance.

Die Fakten wissen wir alle: 2011 gründeten die drei Frauen Nadeschda Tolokonnikowa, Jekaterina Samuzewitsch und Marija Aljochina die Punkrock-Band Pussy Riot ("Muschi-Krawall").

Als feministisches, regierungs- und kirchenkritisches Kollektiv hatten sie es in Russland nicht leicht, wurden aber dafür von Freiheitskämpfern auf der ganzen Welt gefeiert und unterstützt.

Nach dem Auftritt in einer Kirche in Moskau, bei dem sie Putin öffentlich kritisiert haben, wurden sie im August 2012 zu zwei Jahren Haft verurteilt. Zwei der drei Frauen verbrachten rund 21 Monate hinter Gittern.

Was wir NICHT wissen 

Was diese Fakten aber nicht erzählen, ist die Geschichte. Wie es sich anfühlt, für eine Haltung weggesperrt zu werden. Vom Gefängnisarzt genötigt zu werden, sich bei offener Tür zu entblößen und die Beine breit zu machen, weil man "in der Kirche damit ja auch kein Problem gehabt" hätte.

Oder wie die menschenunwürdige Behandlung im Gefängnis einen so in die Verzweiflung treibt, dass man sich nicht anders zu helfen weiß, als in den Hungerstreik einzutreten.

Nadeschda Tolokonnikowa von Pussy Riot


Pussy Riot erzählen ihre Geschichte auf der Bühne 

Diese Geschichte erzählen die Frauen jetzt in einer Theater-Performance, mit der sie durch die Welt touren. Nach mehreren Vorstellungen in den USA traten sie diese Woche zwei Mal in Frankfurt am Main auf – bisher leider die einzig geplanten Termine in Deutschland.

Vielleicht muss man langsam davon ausgehen, dass die Dinge wirklich geschehen.

"Die Menschen beginnen, ihre eigene Geschichte zu vergessen", sagte Marija vor der Aufführung im Interview mit sz.de. "Menschen glauben oft nicht, dass etwas wirklich passieren wird. Niemand glaubte, dass der Brexit wirklich passieren würde. Das Gleiche galt für Trumps Wahl in den USA.

Vielleicht muss man langsam davon ausgehen, dass die Dinge wirklich geschehen. Als wir im Februar 2012 in die Zeitung sahen und lasen, dass wir angeklagt waren, und zwar mit einer möglichen Strafe von sieben Jahren, konnten wir es nicht glauben. Aber es ist Realität geworden. Du hast es gesehen."

Die Welt braucht Künstler*innen wie Pussy Riot mehr denn je

Eines steht jedenfalls fest: Die Welt braucht Frauen wie Pussy Riot und die Bewegungen, für die sie stehen, heute noch genauso dringend wie vor fünf Jahren – wenn nicht sogar noch mehr.

Denn halten wir mal wieder fest: Ein Land wie die USA ("die erste Demokratie") wird von einem Sexisten regiert. In vielen europäischen Staaten fahren Parteien wie die AfD, die Homosexualität als verfassungswidrig bezeichnet, wahnsinnig hohe Wahlergebnisse ein. Generell droht Europa, auseinanderzudriften.

Da kann es nicht genug Menschen geben, die sich auf eine Bühne stellen und wie Marija bei einer Performance in San Francisco sagen: "Die gefährlichste Zensur ist Selbstzensur. Es wird keine Freiheit geben, wenn wir nicht jeden Tag dafür kämpfen."     

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