Pop-Sängerin Anitta zeigt unretuschierten Po in Musikvideo - "Die echte Frau hat Cellulite"

Top: In ihrem neuesten Musik-Clip zeigt Sängerin Anitta ihren unretuschierten Cellulite-Hintern. Flop: Gedreht hat das Video der Fotograf Terry Richardson – mit dem wegen Missbrauchsvorwürfen mittlerweile kaum noch ein Magazin zusammenarbeiten will.   

Ein sinnlicher Hintern in roten Hotpants, darunter zwei Oberschenkel, die beim Gehen nicht nur aneinander reiben, sondern auch eine doch erkennbare Portion Cellulite abbekommen haben. Gute zehn Sekunden lang können wir uns an diesem Anblick ergötzen, wenn wir das neueste Musikvideo der brasilianischen Pop-Sängerin Larissa de Macedo Machado alias "Anitta" anschauen.

"Die echte Frau hat Cellulite"

"Es war meine Entscheidung, das Video nicht nachzubearbeiten. Die echte Frau hat Cellulite", sagte die 24-jährige Künstlerin, deren Hintern uns nun in dieser ersten Szene ihres Musikvideos "Vai Malandra" so schön entgegenwackelt.

An dieser Stelle würden wir am liebsten die Klappe halten, einen Sekt aufmachen und darauf anstoßen, dass Body Positivity jetzt sogar schon in der Pop-Szene angekommen ist. Aber wenn wir "Vai Malandra" weiter anschauen, drängen sich doch noch einige andere Fragen auf.

Kooperation mit Terry Richardson – trotz Missbrauchsvorwürfen 

Zum Beispiel fragen wir uns, ob es wohl auch Anittas Entscheidung war, sich in den weiteren Szenen meist nur in knappem Bikini in diversen Planschbecken, Hinterhöfen oder auf irgendwelchen "Sonnendecks" einer Favela in Rio de Janeiro zu räkeln? Oder einen der Männer an ihrer (Rück)seite, Sänger Mc Zaac, eine Trommelsession auf ihrem Allerwertesten abhalten zu lassen?

War das Anittas Entscheidung, oder blitzt da das Werk des Fotografen Terry Richardson durch? Er nämlich hatte dieses Musikvideo als eines seiner letzten Projekte gedreht, ehe er im Oktober wegen Missbrauchsvorwürfen in Verruf geraten war und seither weitgehend gemieden wird. 

Mehr als 90 Millionen Aufrufe bei YouTube

Doch für Bedenken, ob das Video nicht ein Schlag ins Gesicht all jener Frauen ist, die von Typen wie Terry Richardson belästigt oder missbraucht worden sind, ist es fast schon etwas spät: Mit mehr als 90 Millionen Aufrufen und 2 Millionen Likes bei YouTube ist es bereits ein Erfolg, und bei Spotify hat es "Vai Malandra" als erster portugiesischsprachiger Titel unter die 20 meistgehörten Stücke geschafft. 

Und wenn wir mal ehrlich sind, ist "Vai Malandra" abgesehen davon, dass Anittas Hintern beim Gehen wackelt und wir an ihren Oberschenkeln Beulen sehen, im Grunde ein 0815-Pop-Video: Jede Menge nackter Haut (sowohl Männer- als auch Frauenhaut), lauter Menschen, die gut drauf sind, sich durchs Leben feiern und so aussehen, als hätten sie nach dem Dreh alle wilden Sex miteinander. Wüsste man nicht, dass Terry Richardson dahinter steckt, würde man wahrscheinlich gar nicht weiter drüber nachdenken ...


"'Big dog' zur 'kitty cat'" – in dem Song geht's nun mal um Sex

Fairerweise sollte man außerdem erwähnen, dass man gar kein Terry Richardson sein muss, um bei dem Song sofort an Szenen mit viel nackter Haut zu denken. In "Vai Malandra", was so viel bedeutet wie "Auf geht's, ungezogenes Mädchen!", geht es nun mal um Sex.

"Du spielst mit deinem Hintern", "ich bin hypnotisiert davon, wie du ihn schwingst", "von hinten, ja, da steh ich drauf, der 'Big dog' zur 'kitty cat'". Wer würde zu solchen Zeilen schon ein "anständiges" Video mit schönen Landschaftsaufnahmen produzieren? 

Anitta wirkt nicht wie ein Sex-Objekt

Immerhin: In "Vai Malandra" wirkt Anitta nicht wie die zum Sex-Objekt degradierte, unterdrückte Frau. Sie wirkt eher wie eine Frau, die Spaß hat, den Takt angibt, Männern den Kopf verdreht und die Situation unter Kontrolle hat.

Und bei allen Vorbehalten gegenüber Terry Richardson und seinen Werken: Sollte Anitta darunter leiden müssen? Oder können wir sie trotzdem feiern? Zum Beispiel dafür, dass sie uns vielleicht, ganz vielleicht, unter dem Filter der Pop-Kultur eine moderne Welt zeigt, wie wir sie anstreben könnten: Eine Welt, in der Frauen sexy UND stark sein können. In der Männer Frauen geil finden und gleichzeitig respektieren können. In der wir unsere sexuellen Reize zeigen können, ohne darauf reduziert zu werden oder Angst haben zu müssen. Vielleicht kann es so eine Welt irgendwann mal geben – vielleicht aber auch nicht.

Was wir aber auf jeden Fall für eine Welt anstreben sollten: Eine, durch die wir alle unsere Cellulite-Ärsche so selbstverständlich und selbstbewusst schwingen und schwabbeln lassen wie Anitta. 

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