3 Fragen an Tijen Onaran: "Ohne Socialising geht im Job gar nichts"

Wir können noch so kompetent, qualifiziert und selbstständig sein – ohne ein gutes Netzwerk sind wir lost. Im 3-Fragen-Kurzinterview gibt uns Tijen Onaran, Gründerin von Women in Digital e.V., Tipps zum erfolgreichen Networking.

F Mag: Welche drei Dinge sollten wir unbedingt übers Networking wissen?

Tijen Onaran: Erstens: Es ist völlig egal, welche Position oder welchen Jobtitel jemand hat - entscheidend ist, wer an welchem Projekt arbeitet!

Viele denken, sie müssten immer direkt auf Manager oder Führungskräfte zugehen, dabei ist es viel wichtiger, die Leute zu kennen, die wirklich an den Themen arbeiten. Über sie bekommt man aktuelle Entwicklungen mit, und über sie kommt man auch in die Projekte rein.

Zweitens: Networking ist eine sehr langfristige Angelegenheit. Kontakte wachsen nicht spontan aus dem Boden, wenn du sie brauchst. Nur wer nachhaltig netzwerkt und dabei auf lange Zeit spielt, kann von seinem Netz profitieren.

Drittens: Wir brauchen heute so viel Kompetenz in so vielen Bereichen, dass wir das allein überhaupt nicht leisten können. Wir MÜSSEN die meisten Talente und Fähigkeiten in unser Netzwerk outsourcen.

Deshalb sollten unsere Kontakte unbedingt vielseitig sein – es reicht nicht, wenn wir nur mit Software-Entwicklern verknüpft sind. Wir brauchen auch Leute, die Social-Media-Profis sind und solche, die unsere Waschmaschine reparieren.

Tijen Onaran ist Anfang 30, kommt aus Karlsruhe und hat Politik, Geschichte und Öffentliches Recht in Heidelberg studiert. Nach Stationen in Politik und Wirtschaft (E-Commerce) hat sich Tijen 2016 mit Women in Digital e.V. - DEM Netzwerk für moderne Frauen - selbständig gemacht. 

Warum ist Networking wichtig?

Unsere Arbeitswelt verändert sich. Stupide Fließbandaufgaben, die ein Mensch allein machen kann, wird es immer weniger geben. Dafür wird unsere Arbeit immer komplexer, und wir werden uns immer mehr in Projektteams zusammentun, um sie zu bewältigen.

Im Grunde wird unsere Arbeitswelt durch die Digitalisierung wieder viel menschlicher und interessanter – schließlich sind wir vor allem soziale Wesen, und in Zukunft wird Arbeit zu mehr Socializing führen.

Stellen sich Männer und Frauen unterschiedlich an beim Networking?

Oft sind Frauen empathischer, was es ihnen das eine oder andere Mal schwerer macht, vom Ziel her zu denken und wirklich strategisch zu netzwerken. Aber wir sollten uns immer klar machen: Unser Netzwerk ist nicht unser Freundeskreis.

Es können sich Freundschaften entwickeln, müssen aber nicht. Diese Einstellung kann es einfacher machen, sich erwartungsfrei mit neuen Menschen zu vernetzen.

Liebe Tijen, vielen Dank für das Gespräch! 

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