Diana Kinnert (CDU): "Ich steh schon mal auf einer anderen Seite als meine Parteikollegen"

Folge 4 unserer Serie "Politikerinnen zur Bundestagswahl" mit Diana Kinnert von der CDU.

6 Fragen an Diana Kinnert
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Diana Kinnert (26) engagiert sich seit 2009 in der Politik und ist Mitglied der CDU. In ihrem neuesten Buch "Für die Zukunft seh' ich schwarz" wirbt die Wahlberlinerin für einen modernen Konservativismus.

F Mag: Diana, warum bist du in der CDU?

Ich wollte Mitglied einer Volkspartei sein. In Volksparteien spiegeln sich die wirklich bedeutenden Debatten einer Gesamtgesellschaft. Ich ahnte, in dieser Auseinandersetzung wirklich etwas mitbewegen zu können.

Für den Beitritt in die CDU habe ich mich schlussendlich entschieden, weil ich mich mit ihren immer währenden Grundwerten und Grundprinzipien identifizieren konnte.

Was sind das für Grundwerte?

Die CDU ist aus drei ideellen Wurzeln erwachsen: Der christlich-sozialen, der bürgerlich- liberalen und der wertkonservativen Wurzel. Gemeinsam ergeben sie ein gesellschaftliches und politisches Konzept, das ich als sehr, sehr sinnig empfinde.

Leben und teilen diese Werte alle in der CDU?

Wir sind beinahe eine halbe Million Mitglieder. Ich kenne nicht jedes Mitglied persönlich. Es ist ausgeschlossen, dass all diese Mitgliedern genau dasselbe Verständnis für die Grundwerte der CDU haben, und doch glaube ich, dass wir ein gemeinsames Fundament teilen, ja.

Ich befürworte zahlreiche gesellschaftsliberale Positionen. Da stehe ich nicht selten auf einer anderen Seite als meine sehr traditionalistischen, sittlichkeitsgehorsamen Parteikollegen.

Viele fragen mich: "Warum soll ich die CDU wählen? Vieles passt mir da nicht." Genau dann wäre die richtige Konsequenz, sich selbst und seine Bedürfnisse und Meinungen in dieser Partei geltend zu machen. Werdet Mitglied statt nur zu wählen!

Ich hatte schon immer ein Problem mit der Grabendenke von "den Politikern" und "uns Bürgern".

Warum machst du Politik?

Ich hatte schon immer ein Problem mit der Grabendenke von "den Politikern" und "uns Bürgern". Parteien leben, erleben und erheben sich aus Bürgern.

Wer Parteimitglied wird, darf über die Aufstellung der Kandidaten und die Inhalte des Wahlprogramms mitentscheiden. Das ist ein demokratisches Privileg, das ich mir nicht entgehen lassen will.

Welche drei Dinge würdest du gerne ändern?

Ich möchte daran mitwirken, überparteilich über Reform-Notwendigkeiten von Parteien nachzudenken. Parteien müssen Partizipationshürden abbauen und niedrigschwelliger werden. Sie müssen verstärkt auf unterrepräsentierte Zielgruppen wie junge Menschen, Frauen und Bürger mit anderer Herkunftsgeschichte zugehen.

Dadurch würden wir wirkliche Diversität, wirklichen Meinungspluralismus, wirkliche demokratische Repräsentanz ins Parlament bringen - das ist mir wichtig. Repräsentanz ist der beste Garant für eine Politik, die sich am Gemeinwohl orientiert.

Und zuletzt wünsche ich mir mehr Gelassenheit im öffentlichen Diskurs! 

Wie verträgt sich eigentlich die Tatsache, dass du auf Frauen stehst, mit der CDU und deinem christlichen Glauben?

Mein christliches Glaubensbekenntnis spricht jedem Lebewesen Heiligkeit zu, weil wir Gottes Schöpfung sind. Daran glaube ich. Und darum hadere ich mit keinem einzigen Teil meiner Identität, und ich will alles und jeden bekämpfen, der Menschen einredet, etwas an ihnen sei nicht wertvoll.

Ich glaube im Gegenteil, dass Menschen, die beispielsweise Homosexualität verteufeln, jede christliche Ehrfurcht und Demut vermissen lassen, weil sie einen ganzen Menschen in seiner absoluten Faszination auf etwas kleines Biologistisches verzwergen.

Bist du Feministin?

Selbstverständlich. Mir sind Gleichberechtigung und Chancengleichheit sehr wichtig. Unsere Gesellschaft ist in zahlreichen Themenfeldern noch immer patriarchalisch geprägt. Wenn es allerdings um die Achtung von Emotionalität oder den Einfluss im Erziehungswesen geht, dann bin ich auch gut und gerne Masukulinist.

Was hältst du von Angela Merkel?

Ich bin Politikwissenschaftlerin und schätze, dass wir Institutionen vor Personen wahrnehmen - und hätte ihr genau darum eine erneute Kandidatur nicht nahegelegt.

Und doch denke ich: Sie ist die beste Kandidatin, die meine Partei zu bieten hat. Ich finde sie bewundernswert, weil sie zwar noch immer der gleiche werteverbundene Mensch ist wie vor zwölf Jahren, ihre politische Agenda aber mit der Zeit geht.

Dass sie mit jedem Tag dazulernen will, sich nicht scheut, Perspektiven zu korrigieren, und standhaft bleibt, auch wenn der Applaus fernbleibt, finde ich sehr mutig. Und Mut ist eine große politische Tugend.

Liebe Diana, vielen Dank für das Gespräch! 

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