Als Undercover-Hostess im Herrenclub: "Sie werden versuchen, dich betrunken zu machen"😳

Getatsche, HĂ€nde unterm Rock, Einladungen aufs Zimmer - was die Journalistin Madison Marriage als Undercover-Hostess beim diesjĂ€hrigen Presidents-Club-Charity-Dinner erlebt hat, ist einfach unfassbar. Doch ihre EnthĂŒllungen haben bereits Konsequenzen.

Wenn der Presidents Club zum Charity Dinner lĂ€dt, gibt's fĂŒr Frauen nur einen Weg hinein: Sich als Hostess bewerben. Denn abgesehen vom Personal ist die jĂ€hrliche WohltĂ€tigkeitsveranstaltung des Clubs eine reine MĂ€nnerrunde. Auch dieses Jahr standen auf der GĂ€steliste wieder zahlreiche CEOs, Politiker, erfolgreiche Broker und Finanzexperten. Die drei Kriterien, die alle 360 GĂ€ste erfĂŒllen mussten, waren die gleichen wie jedes Jahr: mĂ€nnlich, einflussreich und wohlhabend sein.

'Tja, dann eben als Hostess', dachte sich Madison Marriage, Journalistin der "Financial Times", und reichte ihre Bewerbung ein. ZufĂ€lligerweise bringt die Redakteurin ausgerechnet die Qualifikationen mit, die der Arbeitgeber fĂŒr diesen Job voraussetzt: "groß, schlank und hĂŒbsch" sein. Zusammen mit 129 weiteren großen, schlanken, hĂŒbschen Frauen wurde sie von der zustĂ€ndigen Agentur Artista ausgewĂ€hlt, den spendablen Herren einen unvergesslichen Abend zu bescheren. Ihre AufwandsentschĂ€digung fĂŒr sechs Stunden: 150 Pfund (172 Euro) plus 25 Pfund (29 Euro) fĂŒrs Taxi.

Ein Gast entblĂ¶ĂŸte seinen Penis

WĂ€hrend die Herren in Anzug und Krawatte zur Spendengala erschienen, lautete der Dresscode fĂŒr die Damen: das kleine Schwarze mit Corsagen-GĂŒrtel, High Heels und schwarzer UnterwĂ€sche. Zum "Amtsantritt" gab's eine 5-seitige EinverstĂ€ndniserklĂ€rung zu unterzeichnen und ein Glas BegrĂŒĂŸungsweißwein zu trinken. Im Gegenzug wurden die Telefone der Frauen einkassiert. Zum Schluss bekamen die Hostessen noch die Warnung zu hören, dass einige GĂ€ste möglicherweise "lĂ€stig" werden könnten oder versuchen wĂŒrden, die Service-KrĂ€fte betrunken zu machen.

In der RealitÀt sah dieses "lÀstig" in etwa so aus: "Viele Hostessen wurden wÀhrend der sechs Stunden begrabscht, angemacht und eingeladen, GÀste auf ihr Zimmer im Dorchester [das Hotel, in dem die Veranstaltung stattfand] zu begleiten. Mehrere Frauen sagten, dass einige MÀnner ihnen immer wieder unter den Rock gefasst hÀtten. Eine Hostess berichtete, ein Gast habe ihr an diesem Abend seinen nackten Penis gezeigt."

"Zerreiß deine UnterwĂ€sche und tanz auf dem Tisch" 

WĂ€hrenddessen zeigten sich die Herren immerhin spendabel: 2,3 Millionen Pfund flossen in dieser Januarnacht fĂŒr den guten Zweck. Versteigert wurde auf einer Auktion fĂŒr die GĂ€ste beispielsweise eine Party in einem Londoner Strip Club mit bis zu 100 Freunden und 50 TĂ€nzerinnen. Auch eine Schönheits-OP kam unter den Hammer mit dem Teaser "Peppen Sie Ihre Frau ein bisschen auf".

Nach dem Pflichtprogramm ging es fĂŒr viele der alles in allem knapp 500 Anwesenden auf der After-Party weiter – Hostessen natĂŒrlich herzlichst willkommen (Marriage schrieb in ihrem Artikel, die Anwesenheit der Frauen sei mehr oder weniger erwartet worden).

SpĂ€testens dort wurde aus der anfangs ausgesprochenen Warnung vor möglichen Versuchen, die Frauen betrunken zu machen, Wahrheit: "Du siehst noch viel zu nĂŒchtern aus", habe einer der "Gentlemen" zu einer Hostess gesagt, sie an seinen Bauch "geschmiegt" und ihr ein Glas Champagner "angeboten". "Ich will, dass du auf Ex trinkst, deine UnterwĂ€sche zerreißt und auf dem Tisch tanzt."

Kinderkrankenhaus weist Spende zurĂŒck

Die ErnĂŒchterung der PartygĂ€ste nach der Spendengala ließ nur wenige Tage auf sich warten: Am Dienstag erschien Marriages EnthĂŒllungsartikel in der Online-Ausgabe der Financial Times. Seitdem hagelt es Kritik an der traditionsreichen Sause – und Konsequenzen werden auch gezogen.

So hat das Kinderkrankenhaus Great Ormond Street Hospital, dem ein Teil der gesammelten Gelder bestimmt war, die Spende abgelehnt und via Twitter erklĂ€rt: "Wir sind schockiert ĂŒber das Verhalten beim Presidents-Club-Charity-Dinner. Wir wĂŒrden niemals Spendengelder annehmen, die in solcher Weise gesammelt wurden." 


Die Werbeagentur WPP, die einen Tisch bei der Charity-Veranstaltung finanziert hatte, beendete aufgrund des Financial-Times-Artikels offiziell die Zusammenarbeit mit dem Herrenclub. Und auch das Dorchester Hotel dĂŒrfte sich in Zukunft zweimal ĂŒberlegen, ob es als Ausrichtungsort fĂŒr dieses Dinner die TĂŒren öffnet. In einer Pressemitteilung gab es jedenfalls bekannt, von solchen VorwĂŒrfen bislang nichts gewusst zu haben. Es betonte zudem seine "Null-Toleranz-Linie" gegenĂŒber BelĂ€stigungen von GĂ€sten und Mitarbeitern und kĂŒndigte an, mit entsprechenden Behörden zu kooperieren, falls nötig.

Die Agentur wusste angeblich von nichts ...

Caroline Dandridge, die GrĂŒnderin von Artista (die Agentur, die die "großen, schlanken, schönen" Hostessen gecastet hatte), hĂ€lt die Story offenbar fĂŒr Humbug. Ihr sei von sexuellen BelĂ€stigungen auf diesem traditionsreichen Event nichts bekannt, sagte sie der Journalistin. "Und angesichts des Kalibers der GĂ€ste, wĂ€re ich erstaunt."

Komisch, dass genau diese Caroline Dandridge am Abend selbst den Hostessen noch die Anweisung gab, sie mögen sie kontaktieren, falls die Herren zu aufdringlich wĂŒrden ... Man steckt eben nicht drin.

Der Presidents Club selbst gab sich nach dem Bericht in der Financial Times immerhin offiziell erschĂŒttert. Wie es heißt, wolle der Club seine AktivitĂ€ten nun einstellen und das Vermögen wohltĂ€tigen Zwecken spenden. Das Recht auf Respektlosigkeit gegenĂŒber Mitmenschen und Frauenfeindlichkeit kann man eben nicht mit Geld kaufen - auch nicht im Herrenclub. 


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Financial Times: 3 MĂ€nner in Abendgarderobe stoßen mit Whiskey an
Als Undercover-Hostess im Herrenclub: "Zerreiß deine UnterwĂ€sche und tanz auf dem Tisch" 😳

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