Frau mit Kopftuch? Frag DAS besser nicht! đŸ€

Einerseits heißt es immer, man solle "anders" sein. Normal, durchschnittlich, unauffĂ€llig? Alles doof. Ist man dann aber offensichtlich "anders", wird man wie eine Sensation behandelt ...

Studie: Wer "deutsch" aussieht, wird weniger diskriminiert

Viele Menschen, die mit einem Migrationshintergrund in Deutschland leben, können ein Lied davon singen, wie eine "Sensation" behandelt zu werden. Insbesondere dann, wenn sie nicht "typisch deutsch" aussehen. Wie eine Studie des SachverstĂ€ndigenrats deutscher Stiftungen fĂŒr Integration und Migration ergab, fĂŒhlen sich Menschen, denen man ihren Migrationshintergrund wegen Ă€ußerer Merkmale wie Hautfarbe oder Kopftuch ansieht, zu 48 Prozent diskriminiert. Leute, die "wie Deutsche aussehen", berichten dagegen nur zu 19 Prozent von Diskriminierung.

Besonders heftig trifft es laut Studie Menschen, denen man ihren muslimischen Glauben ansieht: Von ihnen fĂŒhlen sich 55 Prozent diskriminiert, wĂ€hrend sich Christen und Konfessionslose nur zu 29 und 32 Prozent von Diskriminierung betroffen fĂŒhlen.

FĂŒr die Studie wurden ĂŒber 5.300 Menschen befragt. Die geschilderten Erfahrungen reichen von Gewalt ĂŒber Beleidigung bis zu Benachteiligung bei der Job- und Wohnungssuche. Aber auch eine Frage, die wohl vielen Menschen auf der Zunge liegt, wenn sie jemanden mit anscheinendem Migrationshintergrund treffen, empfinden zahlreiche Befragte als diskriminierend.

Diese Frage nervt sie alle

Einer Freundin von mir wird diese Frage fast jedes Mal gestellt, wenn ich mit ihr unterwegs bin. Sie ist in Hannover aufgewachsen, ihre Eltern kommen allerdings aus SĂŒdkorea – und Letzteres sieht man ihr natĂŒrlich mehr an als ihre Heimatstadt. Die Frage, die sie sich immer wieder anhören muss, lautet: "Wo kommst du denn eigentlich her?" 

Die Frage vermittle ihr immer das GefĂŒhl, vorverurteilt zu werden, nicht dazu zu gehören oder zumindest nicht auf Anhieb als dazugehörig wahrgenommen zu werden. Wenn sie dann in die erwartungsvollen Gesichter blicke und einfach nur "Hannover" antworte, löse das hĂ€ufig eine komische Stimmung aus. Die Leute seien entweder peinlich berĂŒhrt oder enttĂ€uscht oder fĂŒhlen sich selbst noch auf den Schlips getreten oder haken weiter nach – alles nicht so geil.


Andererseits: Kann man Leuten einen Vorwurf machen, wenn sie andere Menschen nach ihrer Herkunft fragen, von denen sie sich eine interessante Antwort versprechen? Meine Freundin tut das nicht, auch wenn sie die Frage nervt.

KopftĂŒcher sind keine Sensation

In Deutschland hat jede*r FĂŒnfte einen Migrationshintergrund, auch wenn man es lĂ€ngst nicht allen ansieht. Migration sollte eigentlich keine Sensation fĂŒr uns sein. Ebenso wenig, wie wir von der Figur auf den Charakter eines Menschen schließen sollten, sollten wir von seiner Hautfarbe oder Kopfbedeckung auf seine NationalitĂ€t spekulieren.

Außerdem: Wenn wir uns aufrichtig fĂŒr die Menschen um uns herum interessieren, mĂŒssen wir nicht nach ihrer Herkunft fragen, um tolle Geschichten zu hören. Wenn wir uns aufrichtig fĂŒr sie interessieren, werden wir feststellen, dass alle Menschen "anders" sind. Nur in Bezug auf unseren Wert sind wir alle gleich. ✌   


Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel