Fast geschafft: Nur noch 217 Jahre bis zur Gleichberechtigung!

Herzlichen Glückwunsch: In Sachen Gender Pay Gap ist Deutschland kaum zu schlagen. Mit einem Gehaltsunterschied von 22 Prozent belegen wir EU-weit den dritten Platz auf der Ungerechtigkeitsskala. Und: Wenn wir so weitermachen, haben Frauen "schon" in 217 Jahren die gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt wie Männer.

Seit dieser Woche arbeitet die durchschnittliche EU-Bürgerin verglichen mit dem durchschnittlichen EU-Bürger quasi für lau. EU-weit liegt der Gender Pay Gap nämlich bei 16,3 Prozent. Das heißt, europäische Frauen verdienen im Schnitt 16,3 Prozent weniger als Männer. Und das wiederum bedeutet, dass sie im Prinzip knapp 60 Tage bzw. 8 Wochen unbezahlt arbeiten – also wenn man den durchschnittlichen Stundenlohn eines Mannes zugrunde legen würde. 

Lohngerechtigkeit? Da ist Deutschland Schlusslicht

Aber: Von solchen Werten können wir in Deutschland nur träumen. Laut Europäischer Kommission werden Frauen bei uns nämlich im Schnitt sogar um 22 Prozent geringer bezahlt als Männer. Hier arbeiten Arbeitnehmerinnen damit bereits seit Mitte Oktober aus reiner Gutherzigkeit. Nur in Tschechien und Estland sind die Löhne noch ungleicher als bei uns.


"Bereinigter" Gender Pay Gap – wohl eher bereinigter Bullshit

Ja ja, ich weiß. "Bereinigt" ist der Gender Pay Gap gar nicht so schlimm. Wenn man strukturelle Unterschiede wie Berufswahl, Bildungsstand und Beschäftigungsumfang herausrechnet, beträgt der Gender Pay Gap nur noch 6 Prozent.

Frauen müssen also bloß damit aufhören, immer diese schlecht bezahlten Berufe wie Erziehung und Krankenpflege zu wählen. Stattdessen müssen sie endlich mal mehr Führungsverantwortung übernehmen und in Vollzeit arbeiten, und schon schrumpft die Benachteiligung um 16 Prozentpunkte...

Sarkasmus beiseite: Der "bereinigte" Gender Pay Gap macht unseren Arbeitsmarkt um genau 0 Prozent gerechter. Schließlich ist es ein gesellschaftspolitisches Problem, wenn es "wertvoller" (im Sinne von lukrativer!) ist, Autos zu reparieren als alte Menschen zu pflegen.

Es ist ein traditionelles und strukturell gefördertes Problem, wenn immer die Mutter in Teilzeit arbeitet und nie der Vater. Und dass Frauen deutlich seltener in Führungspositionen arbeiten, hat sicher ebenfalls systematische und kulturelle Gründe, wobei ich mal gaaanz vorsichtig die absolut intuitive und unbelegte These aufstellen würde, dass der Club der Mächtigen nicht so gerne neue Mitglieder reinlässt, wenn ihn niemand dazu zwingt...

Und so oder so bleibt der Effekt der Lohnungleichheit von jeder Reinigung unberührt: Frauen haben weniger Kohle in der Tasche und sind damit weniger unabhängig. Außerdem sind ihre Aussichten auf eine akzeptable Rente, die ihnen ein würdevolles Leben im Alter ermöglicht, ziemlich beschissen. 

Gender Gap Report 2017: Chancengleichheit im Job voraussichtlich im Jahr 2234

Zum Glück tut die Politik etwas, um der Ungerechtigkeit ein Ende zu setzen: Wenn das aktuelle Reformtempo konstant bleibt, haben Frauen im Jahr 2234 die gleichen Chancen auf dem globalen Arbeitsmarkt wie Männer (YEAH!). Diesen Wert haben Experten anhand der Daten des neuen Gender Gap Reports 2017 des Weltwirtschaftsforums errechnet, wie Zeit Online schreibt. 

Der Gender Gap Report untersucht seit 2006 die Gleichstellung von Frauen und Männern weltweit. Neben wirtschaftlichen Chancen berücksichtigt er dabei auch Bereiche wie Bildung, Gesundheit, Lebenserwartung und politische Beteiligung. Auf Grundlage aller Daten aus den unterschiedlichen Bereichen ergibt sich ein Score, der die Gleichstellung von Frauen und Männern in Prozent angibt.

Den höchsten Score erzielt 2017 Island mit 0.88: Dort ist die strukturelle Gleichberechtigung in allen Bereichen zu 88 Prozent erreicht. Deutschland liegt im weltweiten Ranking mit einem Score von 0,78 insgesamt auf Platz 12. Betrachtet man allerdings nur den Bereich Wirtschaft, landen wir auf Platz 43 (von 144).

Interessant: Gestartet sind wir 2006 auf Rang 5. Damit sind wir in den vergangenen 11 Jahren, in denen durchgängig CDU/CSU die Regierung angeführt haben (#justsaying), um 7 Plätze zurückgefallen. Aber bestimmt nutzt unsere Kanzlerin ihre vierte Amtszeit, um gemeinsam mit ihren Ministern die Frauenpolitik in Deutschland ein bisschen mehr nach vorne zu bringen ...  

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