Krass: Erst als sie einen MANN erfinden, wird ihr Start-up ernst genommen!

Die Unternehmerinnen Penelope Gazin und Kate Dwyer waren es leid, von Geschäftspartnern wie süße kleine Mädchen behandelt zu werden. Also haben sie einen männlichen Kollegen erfunden – und plötzlich wurde ihr Start-up ernst genommen. 

Keith Mann ist der klassische Kumpeltyp: Ehemaliger College-Footballspieler, seit fünf Jahren fest liiert, freut sich auf sein erstes Kind – einfach ein netter Kerl. Und außerdem ist er frei erfunden.

Seine geistigen Mütter sind Penelope Gazin und Kate Dwyer, Gründerinnen von Witchsy, einem Online-Shop für skurrile Kunst, coole Styles und schräges Zeug. Seit einem guten Jahr läuft ihr Business, und das auch ziemlich erfolgreich.

Als Frauen werden sie nicht ernst genommen

Was die beiden allerdings von Beginn an zu spüren bekommen: Als Frauen werden sie nicht besonders ernst genommen. "Ich glaube, dadurch, dass wir junge Frauen sind, sehen viele Leute das, was wir tun, als 'süßes Hobby' oder 'niedliche Idee'", sagte Kate dem Branchenmagazin "Fast Company".

Auch im Alltag stellten sie fest, dass ihre Geschäftspartner sie nicht gerade respektvoll behandelten: Ein flapsiger Tonfall in E-Mails, knappe Antworten, auf die sie oft lange warten mussten. Einmal bekamen sie auf eine Anfrage eine E-Mail, die mit den Worten "Okay, Mädels..." losging.

In der Anfangsphase versuchte sogar mal einer ihrer Web-Entwickler, ihre Seite zu löschen, nachdem Penelope ihm einen Korb gegeben hatte.

Die Geburtsstunde von Keith Mann

Wegen all dieser Erfahrungen trafen sie eine Entscheidung: Männliche Unterstützung muss her! Also erfanden sie Keith, den sie - meistens via E-Mail - an ihrer Stelle mit externen Geschäftspartnern kommunizieren ließen.


"Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht", sagte Kate der "Fast Company", "Während ich Tage auf eine Antwort warten musste, bekam Keith nicht nur eine Antwort mit Status Update, sondern wurde obendrein gefragt, ob es sonst noch etwas gebe, mit dem man ihm helfen könne."

Die Veränderung im Umgangston war nicht das einzige, was die beiden Geschäftsfrauen beobachteten: Dadurch, dass die Leute glaubten, nun wäre ein Mann in die Unternehmensführung involviert, stuften sie Witchsy auch anders ein.

Besonders ein Geschäftspartner begegnete Keith mit viel mehr Achtung als Kate und Penelope: "Immer wenn er Keith anredete, benutzte er seinen Namen. Uns sprach er dagegen nie mit dem Namen an", berichtete Penelope.

Gerade die IT-Branche hat ein Sexismus-Problem

Dass Keith Mann gerade für Witchsy so gut funktioniert hat, dürfte für viele keine große Überraschung sein: Besonders in der IT-Branche haben es Frauen oft schwer.

Nachdem kürzlich noch ein ehemaliger Google-Mitarbeiter in einem Manifest erklärt hatte, dass Frauen ein schlechteres Verständnis für IT-Themen hätten als Männer, belegt Keith Mann nur, was zu vermuten war: Die IT-Branche hat ein gewaltiges Sexismus-Problem.


Und nun? Jetzt erst recht!

Kate und Penelope lassen sich von dieser Erkenntnis aber nicht den Wind aus den Segeln nehmen. "Wahrscheinlich hätte uns das alles auch ganz schön aus der Fassung bringen können", sagte Kate.

"Nach dem Motto: Wow! Behandeln die Leute diesen imaginären Kollegen wirklich respektvoller als uns? Doch wir sehen es einfach so: Das ist offensichtlich ein Aspekt dieser Welt, in der wir uns jetzt bewegen. Aber wir wollen das und wir werden das schaffen!" 

Nachdem Kate und Penelope ihren Betrug aus Notwehr nun öffentlich zugegeben haben, ist Keith vorerst beurlaubt. Letztlich ist eines jawohl so oder so klar: Die beiden packen es garantiert auch ohne einen Mann.
 

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