Katharina Fegebank (Die Grünen): "Für mich sind wir die Europa-Partei!"

Folge 3 unserer Serie "Politikerinnen zur Bundestagswahl" mit der Zweiten Bürgermeisterin von Hamburg, Katharina Fegebank von den Grünen.

6 Fragen an Katharina Fegebank
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Ziemlich stark: Was Frauen 2017 alles erreicht haben 💪


Katharina Fegebank (40) ist Zweite Bürgermeisterin von Hamburg und seit vielen Jahren Mitglied der Grünen. Im Hamburger Senat ist sie Senatorin und Präses der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung.

F Mag: Frau Fegebank, warum sind Sie bei den Grünen?

Im Herzen war ich eigentlich schon immer grün. Die Idee der Nachhaltigkeit war mir stets wichtig - heute nicht auf Kosten künftiger Generationen zu leben.

Meinen Schlüsselmoment hatte ich allerdings 2004 vor der Europawahl. Ich habe damals beruflich auf dem Balkan gearbeitet und erlebt, mit welch großer Hoffnung die Menschen dort auf die EU blickten - als Symbol für Frieden, Freiheit und Menschenrechte.

Ich fragte mich: Welche Partei setzt sich wie keine andere für dieses Europa ein? Ganz klar die Grünen! Die Grünen sind die Europapartei, und deshalb bin ich eingetreten.

Sind die Grünen denn mehr Europa- als Umweltpartei?

Das gehört beides zusammen. Der Schutz der Meere, der Kampf gegen den Klimawandel – das alles kann ein Nationalstaat nicht alleine. Das geht nur europäisch voran.

Die Grünen sind ja aus vielen Bewegungen entstanden: aus der Frauenbewegung, der Bürgerrechtsbewegung und der Friedens- und Umweltbewegung. Das spürt man heute noch. Die Grünen sind auch eine Frauenrechtspartei.

Wie leben Sie als Grüne denn Frauenpolitik?

Indem wir alte Traditionen gerade dort hinterfragen, wo sie der Gleichberechtigung im Weg stehen - und das auch im eigenen Umfeld.

Ich habe mit meiner Pressesprecherin die Verabredung, dass sie einen Tag in der Woche Home Office macht, und habe das noch keinen Tag bereut.

Dank der Digitalisierung haben wir jetzt schon die Freiheit, Arbeitsbedingungen familienfreundlicher zu gestalten. Gerade Frauen wünschen sich das oft. Output und Qualität leiden nicht darunter. Ich setze da auf einen Kulturwandel.

Steht nicht dank der Digitalisierung auch zu befürchten, dass viele bald gar keine Arbeit mehr haben, die sie familienfreundlich gestalten können?

Digitalisierung löst Ängste aus, aber sie eröffnet auch große Chancen. Entscheidend ist, dass man einen Wandel rechtzeitig erkennt und gestaltet. Beispiel Autoindustrie: Man kann fürchten, dass mit dem Dieselmotor auch Arbeitsplätze verloren gehen. Man kann aber auch dafür arbeiten, dass in der E-Mobilität neue Arbeitsplätze entstehen.

Wenn Taxis künftig autonom fahren, wird sich der Beruf des Taxifahrers ändern, aber er wird nicht wegfallen. Autonome Autos können einem weder Gepäck hochtragen noch den besten Geheimtipp für den kleinen Italiener an der Ecke geben. Hochschulen stellen sich auf diesen Wandel übrigens auch schon ein.

Welche drei Dinge würden Sie in unserem Land verändern?

Erstens, dass wir wirtschaftlichen Erfolg und ökologische Modernisierung stärker zusammen denken und nicht als Gegensatz betrachten.
Zweitens, dass wir uns stärker als mutige Aufbruchsgesellschaft begreifen. 

Jeder verdient eine faire Chance!

Drittens, dass wir den wichtigsten Grundsatz für jedes Einwanderungslandes beherzigen: Jeder hat eine faire Chance. Es zählt nicht, woher du kommst, sondern wohin du willst.

Wollen Sie, dass die Grünen im Bund dafür in den nächsten vier Jahren in der Opposition oder in der Regierung kämpfen?

In der Regierung. Wer sein Programm ernst meint, der will es umsetzen.

Um welche Idee beneiden Sie eine andere Partei?

Ich beneide die FDP zwar um keine Idee, aber um die Zuschreibung als Freiheitspartei. Denn für mich sind die Grünen die eigentliche Freiheitspartei.

Was meinen Sie damit?

Freiheit ist für mich, wenn alle das gleiche Recht auf ein angstfreies und selbstbestimmtes Leben haben. Diese gleichen Freiheitschancen soll der Staat gewährleisten. Das gelingt sicher nicht durch entfesselte Märkte, die die FDP im Sinn hat, aber auch nicht durch staatliche Überregulierung.

Aus unserer Entstehungsgeschichte haben wir Grüne ja durchaus ein kritisches Verhältnis zum Staat. Aber er muss doch einen Rahmen schaffen, der ein freies und gutes Leben ermöglicht.

Sind Sie Feministin?

Ich bin sowohl Feministin als auch Optimistin. Ich glaube, Solidarität ist ganz wichtig, und daran mangelt es uns Frauen manchmal noch ein bisschen. Aber es gibt viele richtig gute Frauen in allen Bereichen unserer Gesellschaft, und wenn wir alle unsere Stimmen erheben und unsere Kräfte zusammenführen, dann haben wir eine Macht, die nicht zu unterschätzen ist. 

Frau Fegebank, vielen Dank für das Gespräch!

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