Katja Kipping (Die Linke): "Wir müssen klare Kante gegen rechte Hetze geben"

Folge 2 unserer Serie "Politikerinnen zur Bundestagswahl" - diesmal mit der Bundestagsabgeordneten Katja Kipping von der Linken.

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Ziemlich stark: Was Frauen 2017 alles erreicht haben 💪

Katja Kipping (39) ist Parteivorsitzende der Linken und seit 2005 Mitglied im Deutschen Bundestag.

F Mag: Frau Kipping, warum sind Sie bei "Die Linke"?

Mir als Pazifistin ist erstens dieser klare Friedenskurs sehr wichtig.

Zweitens ist der engagierte Einsatz gegen Armut für mich ausschlaggebend.

Drittens die Bereitschaft, die kapitalistische Wirtschaftsweise, die reine Profit-Orientierung zu kritisieren und über sie hinaus zu denken.

Und viertens, dass wir klare Kante gegen rechte Hetze geben!

Welche drei Dinge würden Sie in unserem Land ändern?

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der die Armut abgeschafft ist, und zwar mindestens durch eine sanktionsfreie Mindestsicherung von 1050 Euro.

Ich möchte das Öffentliche stärken, also Bereiche, auf die alle Menschen irgendwann einmal angewiesen sind. Das heißt: mehr Personal in der Bildung, Gesundheit und Pflege.

Und drittens wünsche ich mir, dass international Vorreiter für eine gerechtere Welt ist. Zum Beispiel durch den Stopp von Rüstungsexporten und Klimaschutz - aber nicht nur auf dem Papier und gegenüber Trump rhetorisch verteidigt, sondern mit aller Konsequenz durchgesetzt.

Auch große Fernsehsender talken an den wichtigen Alltagsfragen vorbei.

Können sie verstehen, wenn sich Menschen von führenden Politikern nicht verstanden fühlen?

Ja klar! Ich finde selbst, dass die aktuelle Koalition aus SPD und CDU an den realen Problemen vorbeigeht. Übrigens nicht nur sie.

Wenn es in dem einzigen großen Duell zwischen Bundeskanzlerin und Herausforderer fast nur ums Thema Flüchtlinge und Islam als Bedrohung geht, aber Alltagsprobleme wie bezahlbares Wohnen oder eine Rente, die direkt in die Altersarmut führt, in wenigen Minuten abgehandelt werden – dann talken auch große Fernsehsender an den wichtigen Alltagsfragen vorbei.

Wenn Sie all Ihre Reformwünsche umsetzen könnten - würden wir dann noch in einer kapitalistisch organisierten Gesellschaft leben?

Ich bin demokratische Sozialistin. Ich finde, dass man die kapitalistischen Produktionsweisen überwinden muss, weil sie unter globalem Maßstab nicht mehr zu verteidigen sind.

Wenn unsere Reformalternativen umgesetzt würden - Stärkung des Öffentlichen, alle frei von Armut, Klimaschutz, radikale Arbeitszeitverkürzung – hätten wir eine Gesellschaft, in der nicht mehr Profite und Konkurrenz im Mittelpunkt stehen, sondern das gute Leben für alle. Ob man das noch Kapitalismus nennen kann, darüber können sich Philosophen streiten.

Was kann Politik tun, um Frauen zu stärken?

Es gibt nicht das eine Werkzeug, das jahrhundertelang gewachsene patriarchalische Strukturen aushebelt. Aber Politik kann zum Beispiel fördern, dass nach der Geburt des Kindes beide Eltern in Teilzeit gehen. Und sie kann Pflichten für Unternehmen einführen: Transparenz der Gehälter und Quoten.

Parallel sollten wir selbst auch andere Role-Models und Standards setzen. Deshalb war es für mich persönlich auch immer wichtig, zu zeigen, dass eine aktive Elternschaft mit einer Führungsposition vereinbar ist – ich teile mir die Pflege meiner kleinen Tochter mit meinem Mann 50 zu 50 und bin Parteivorsitzende.

Wir können traditionelle Standards und Erfahrungen am besten erschüttern, indem wir neue schaffen und damit auch andere dazu ermutigen, neue Modelle zu wählen.

Wollen Sie regieren oder in die Opposition?

Ich will unsere Gesellschaft verbessern und verändern. In den vergangenen Jahren haben wir gezeigt, was wir aus der Opposition heraus können – indem wir Schlimmeres verhindert und nach langem Kampf zum Beispiel den Mindestlohn mehrheitsfähig gemacht haben.

Aber ich sehe auch die Grenzen, wenn immer wieder Mehrheiten unsere Reformen wegstimmen. Und insofern sehe ich ein gesellschaftliches Mitte-Links-Bündnis, das sich dem sozialökologischen Umbau verpflichtet, als ein gutes Ziel. Ob das bei dieser Wahl noch eine Chance hat, ist ungewiss.

Aber je stärker die Linke, desto größer ist der Druck für einen Kurswechsel! Ich sehe jede Stimme für die Linke als Handlungsauftrag für uns, auf diesem Weg weiter zu machen.

Frau Kipping, vielen Dank für das Gespräch!


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