Miss-Wahl in Peru: "2.202 Frauen wurden ermordet"

Feierlaune dürfte da kaum aufgekommen sein: Die Miss-Peru-Wahl in Lima war dem Thema Gewalt gegen Frauen gewidmet. Statt Brustumfang nannten die Kandidatinnen Zahlen aus der Kriminalstatistik, zur Bademode wurden Mordopfer eingeblendet.

Was für eine groteske Szene: Während sich auf dem Catwalk Models in Bademode präsentieren, erscheinen auf einem riesigen Screen im Hintergrund Bilder von übel zugerichteten, misshandelten und ermordeten Frauen. Dazu die live vorgetragene Ballade einer lateinamerikanischen Sängerin – Gänsehaut-Feeling!

Beauty-Contest mit politischer Botschaft

Die diesjährige Miss--Wahl hatte rein gar nichts von der Wohlfühl-Lollipop-Atmosphäre, die üblicherweise auf Beauty-Contests herrscht. Die Veranstalter haben das ganz bewusst in Kauf genommen, um auf ein gerade in Lateinamerika weit verbreitetes Problem hinzuweisen: Dass viele Frauen Opfer von Gewalttaten werden – weitaus häufiger als Männer.

Ob Vergewaltigung, häusliche Gewalt, Missbrauch an Schulen und Unis, Menschenhandel oder Mord – all diese Straftaten müssen in Peru besonders Frauen fürchten. Um das zu illustrieren, nutzten die Kandidatinnen der Miss-Wahl die Vorstellungsrunde: Statt ihrer Maße zu Brust- und Taillenumfang nannten sie Zahlen aus der Kriminalstatistik, etwa, wie viele Frauen missbraucht wurden.

Hier einige Beispiele:

"Mein Name ist Luciana Fernàndez und ich trete für Huánuco an. Meine Maße sind: 13.000 Mädchen in unserem Land werden sexuell missbraucht."

"Ich bin Almendra Marroquín. Ich repräsentiere Cañete, und meine Maße sind: mehr als 25 Prozent der Mädchen und Teenies werden in ihren Schulen missbraucht."

"Ich heiße Romina Lozano und trete für die Provinz Callao an. Meine Maße sind: Bis 2014 wurden 3.144 Frauen Opfer von Menschenhandel."

"Ich heiße Camila Canicoba und stehe für . Meine Maße sind: 2.202 Frauen wurden laut offiziellen Zahlen in den vergangenen neun Jahren in meinem Land ermordet."


"Wer nichts tut, ist mitschuldig"

Die Veranstalterin und ehemalige Schönheitskönigin Jessica Newton sagte gegenüber buzzfeed, dass das Organisationsteam die Veranstaltung so gestaltet habe, um Frauen zu stärken. "Jeder Mensch, der nicht anklagt und nichts tut, um dem ein Ende zu setzen, ist ein Mittäter."

Zum Schluss der Veranstaltung durften die Teilnehmerinnen noch sagen, was sie politisch ändern würden, um Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen.

Die Siegerin, die am Ende zur neuen Miss Peru gekrönt wurde, Romina Lozano, gab an, selbst schon Opfer eines sexuellen Übergriffes geworden zu sein. Die 20-Jährige wolle nun als Miss Peru allen Frauen eine Stimme geben, die sich nicht äußern können.

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