Diese Ladys machen's vor: So geht Regierungsbildung in Norwegen! 💪

Die Wahlergebnisse haben eine schwierige Konstellation ergeben – und doch hat Norwegen längst eine Regierung. Dabei haben die drei Parteien, die sich geeinigt haben, auf den ersten Blick nur eine Gemeinsamkeit: Eine Frau an ihrer Spitze.  

Beim Stichwort Regierungsbildung bekommt ja hierzulande schon so manch eine*r ein nervöses Zucken im Körper. Erst die Jamaika-Pleite, jetzt das Schauspiel der Drama-Kings und –Queens von Union und SPD.

In Norwegen war nach zwölf Tagen alles geritzt

Norwegens gewählte Volksvertreter*innen haben sich da nicht so angestellt. Innerhalb von nur zwölf Tagen haben sie ihre Koalitionsverhandlungen geführt, abgeschlossen und ihren Wähler*innexn schließlich die neue Regierung präsentiert. Das Motto, dem sich diese Regierung verschreibt, hätte man auch nach zwölf Jahren kaum besser hinbekommen können: Norwegen zum "weltbesten Land zum Leben" machen.

Dabei waren die Wahlergebnisse in Norwegen ähnlich kompliziert wie bei uns: Rot-Grün ging nicht, konservativ-liberal ebenso wenig, und die Rechtspopulisten spielen in Norwegen eine so große Rolle, dass man sie längst in die gestalterische Politik integrieren musste.

Doch treten Norwegens Politiker*innen nach durchverhandelten Nächten Augenring-gezeichnet vor die Kamera und machen sich gegenseitig Vorwürfe? Nein! Das bekommen wir nur in Deutschland von unseren Abgeordneten zu sehen.

Regierungsbildung - so geht's in Norwegen

In Norwegen regiert jetzt die auch zuletzt amtierende Ministerpräsidentin Erna Solberg von der konservativen Partei Høyre zusammen mit der liberalen Partei Venstre und – jetzt müsst ihr tapfer sein – mit der rechtspopulistischen Fortschrittspartei.

Die Christdemokraten wollte die Ministerpräsidentin eigentlich auch fest in die Regierung integrieren, aber die wollten nicht mit Rechtspopulisten, und so führt die 56-Jährige ihr Land nun mit einer christdemokratisch geduldeten Minderheitsregierung – in Norwegen seit 1971 ein probates und erfolgreiches System.

Drei Frauen an der Macht

Was die drei Regierungsparteien neben ihrem Ziel, Norwegen zum "weltbesten Land zum Leben" zu machen, verbindet, ist unter anderem das Geschlecht der Parteivorsitzenden: Weiblich, weiblich, weiblich. Klar, es wäre extrem sexistisch, vermessen und beschränkt, zu unterstellen, dass die Drei nur, weil sie Frauen sind, ein sinniges Regierungsprogramm zusammengeschustert bekommen haben. Verhandlungsgeschick, Kompromissbereitschaft und Pragmatismus sind natürlich NICHT an das Geschlecht gebunden.

Aber in Norwegens Fall haben nun einmal drei Frauen die Regierungsbildung in die Hand genommen, erfolgreich bewältigt und damit mal wieder den eigentlich überflüssigen Beweis erbracht: Es wird höchste Zeit, dass Frauen die Welt genauso mitregieren wie Männer – sie können es nämlich!

Übrigens: Erna Solbergs konservative Partei ging nur als zweitstärkste Kraft aus den Wahlen hervor, die meisten Stimmen bekamen die Sozialdemokraten. Trotzdem bleibt Solberg nun Ministerpräsidentin. Auch das, dass die zweitgrößte Fraktion den Regierungschef stellt, würde in Deutschland wohl wieder nervöse Zuckungen in Gang setzen – diesmal allerdings vermutlich überwiegend in einer bestimmten Partei ...  


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