Helfen als Lebenstraum: Warum Damaris schon als Kind nach Afrika wollte

Fünf Jahre lang verbrachte Damaris Kunz im Südsudan und rettete dort vielen Kindern das Leben. Was sie antreibt? Unsere Autorin hat mit ihr darüber gesprochen – und war überrascht.

Ich dachte immer, Nothelfer wären Gutmenschen, die sich aus Nächstenliebe aufopfern. Dass es auch bei ihnen um Selbstverwirklichung gehen könnte und darum, sich einen Traum zu erfüllen, hatte ich nicht auf dem Schirm.

Kindlicher Vorsatz: Mit neun weiß Damaris, dass sie nach Afrika will

Kinderfoto von Damaris

"Schon als Kind haben mich diese Berichte über Hunger und Armut immer tief berührt."

Damaris Kunz spricht mit einer Ruhe und Bedachtsamkeit, wie ich sie von wenigen Menschen kenne. Glücklicherweise mit einer, die mich nicht ungeduldig macht, sondern selbst beruhigt.

"Ich kann mich erinnern, dass ich mit neun von einem Bericht so beeindruckt war, dass sich in mir der kindliche Vorsatz entwickelte, später mal nach Afrika zu gehen, um Menschen zu helfen."

Dieser kindliche Vorsatz bestimmt bis heute Damaris Lebensweg.

Jugend, Ausbildung, Zwanziger – Damaris behält immer ihr Ziel vor Augen

Nach ihrem Realschulabschluss machte die gebürtige Ulmerin eine Ausbildung zur Krankenschwester. "Krankenschwester zu werden, war für mich naheliegend, um Menschen helfen zu können." Parallel testete sie aus, inwieweit sie mit der Fremde klarkam, indem sie zum Beispiel einige Monate in Äthiopien verbrachte.

Damaris in Äthiopien


Nach ihrer Ausbildung und ersten Berufsjahren ging Damaris über eine christliche Organisation für ein Jahr nach Uganda und half in einer Dorfgesundheitsstation dabei, den Menschen dort eine medizinische Grundversorgung zu bieten. Die Finanzierung ihres Aufenthalts organisierte sie selbst durch Spendenaufrufe in ihrem erweiterten Bekanntenkreis.

Damaris in Uganda. Dort versorgt sie Einheimische in einer Dorfgesundheitsstation.


Endlich: Dank Medair erfüllt sich Damaris Traum

Nach Uganda war das Thema humanitäre Hilfe für Damaris alles andere als durch: "Ich hatte immer den Traum, so etwas auch mal für länger zu machen." Verrückterweise scheint es gar nicht so leicht zu sein, in ein Entwicklungsland zu fliegen und zu helfen.

Für Damaris ergab sich erst 2007 wieder eine Gelegenheit. Die Organisation Medair, die sich darauf konzentriert, sogenannte Nothilfe in Krisenregionen zu leisten, stellte Damaris für einen dreijährigen Einsatz im Südsudan ein. Damaris und ihren Mann, den sie – der Zufall ist ja so ein Fuchs - in Uganda kennengelernt hatte.

Der Einsatz im Südsudan: Damaris rettet Kinder vor dem Verhungern

Beim Einsatz für Medair im Südsudan arbeitete Damaris in einer Ernährungsklinik. Hier misst sie mit einem Maßband am Oberarm der Frau, ob sie unterernährt ist.

Der Südsudan ist seit 2011 ein unabhängiger Staat. Seit 2013 herrscht in dem Land Bürgerkrieg, die Unterernährungsrate ist so hoch wie nirgendwo sonst. Während Damaris erstem Einsatz war der Südsudan noch eine autonome Region innerhalb des Sudans.

Damaris arbeitete für Medair in einer Ernährungsklinik, die in erster Linie die Symptome des krankenden Landes behandelt: Die Mitarbeiter suchen und finden unterernährte Kinder und geben ihnen regelmäßig spezielle Nahrungsmittel. Dise versorgen ie sie mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen, bis die Mangelerscheinungen ausgeglichen sind sind und die Kinder vielleicht sogar ihre Lust zum Spielen wiederentdecken. "Es ist schön, wenn man sieht, wie aus derart unterversorgten Kindern wohlgenährte, gesunde kleine Menschen werden", sagt Damaris.

Damaris überraschende Motivation: Der Reiz der Herausforderung

2015 flog Damaris mit ihrem Mann ein zweites Mal für Medair in den Südsudan und rettete zwei Jahre lang unzähligen Kindern das Leben. Eigene Kinder hat das Paar nicht – sie ziehen das Leben als Nothelfer einem Leben mit Familie vor.

Seit ihrer letzten Rückkehr aus dem Südsudan wartet Damaris auf den nächsten Einsatz, für den Medair sie und ihren Mann braucht. Denn nachdem sie ihren kindlichen Vorsatz umgesetzt und ihren Traum erfüllt hat, zieht es sie noch immer in die Ferne. Warum? Ich war überrascht über Damaris Antwort: "Mich reizt einfach auch die Herausforderung."

Damaris mit einem Schützling im Südsudan


My take: Was ich von Damaris gelernt habe

Mich beeindruckt es, dass Menschen wie Damaris so krass über ihren eigenen Horizont hinausdenken, dass ihnen bewusst ist, dass weit außerhalb ihres regulären Wirkungskreises Menschen leben, die dringend Hilfe brauchen. Ich war etwas enttäuscht, dass weder Damaris noch Medair daran arbeiten, dass die Menschen im Südsudan gar nicht in diese Lage kommen, in der sie Hilfe brauchen, aber dann habe ich verstanden, dass es dafür andere Organisationen gibt. Medair ist nicht der Mediziner, der Impfstoffe entwickelt, sondern der Arzt in der Notaufnahme, der die Platzwunde näht. Den braucht man auch. Unbedingt!

Außerdem beeindruckt mich, dass Damaris ihr ganzes Leben ihrem Traum gewidmet hat, notleidenden Menschen zu helfen. Leute mit solchen Träumen bewundere ich viel mehr als zum Beispiel Frauen, die davon träumen, so auszusehen wie Heidi Klum. Gleichzeitig war es für mich ein Aha-Erlebnis, dass sich Damaris (und möglicherweise auch andere Helfermenschen) nicht aufopfert, sondern bloß ihrem Gefühl folgt und ihr Leben ihrem Traum widmet. Wahrscheinlich gibt gerade das ihr die Stärke, die sie braucht, um wirklich helfen zu können.

By the way: Helfen – so geht's

Um sich für eine Organisation wie Medair zu engagieren, muss man nicht unbedingt Krankenschwester sein. Damaris Mann ist beispielsweise Tischler, zeichnet sich aber besonders durch Flexibilität aus. Vom Buchhalter über den Dolmetscher bis hin zur KFZ-Mechanikerin – jeder kann helfen, auch wenn der Wunsch danach später entsteht als bei Damaris. Offene Stellen und jede Menge weitere Infos gibt’s bei Medair.  

Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel