Wort des Jahres: "Jamaika-Aus" schlägt "Ehe für alle" und "#Metoo" – was für eine "cofveve" ...

Die Experten-Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache hat entschieden: "Jamaika-Aus" ist Wort des Jahres, gefolgt von "Ehe für alle" und "#Metoo". Eine interessante Reihenfolge, findet unsere Autorin.

Für die meisten von uns ist das Wort des Jahres keine große Sache. Wir hören es, denken uns "aha", "war das wirklich dieses Jahr" oder auch "hä" und vergessen es wieder. So wie letztes Jahr. Ich wette, dass ich spätestens morgen wieder googeln muss, um mich zu erinnern, dass das Wort des Jahres 2016 "postfaktisch" lautete.

Wort des Jahres – so kommt es zustande

Trotzdem wird die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) nicht müde, seit 1971 ein Wort des Jahres zu küren. Dabei ist die Häufigkeit, mit der ein Wort verwendet wird, ausdrücklich NICHT ausschlaggebend für die Wahl. Entscheidend sei vielmehr "seine Signifikanz und Popularität", schreibt die GfdS auf ihrer Website. Vereinfacht gesagt: Das Wort des Jahres ist quasi das wichtigste oder bedeutendste Wort des Jahres.

Verantwortlich für die Auswahl ist eine Experten-Jury, die sich aus dem Hauptvorstand der GfdS sowie wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammensetzt. Wer die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind, weiß ich nicht (Anfrage liegt dem GfdS vor), aber der Hauptvorstand besteht aus vier Männern und einer Frau – nur so zur Info ...

So viel zum Hintergrund. Und nun zum "Jamaika-Aus".

Sprachlich interessant und von historischer Relevanz

Dem Begriff "Jamaika-Aus" gebührt laut Experten-Jury der erste Platz auf der Liste der wichtigsten Wörter 2017. Dafür sprechen laut GfdS zunächst einmal einige Gründe, die wohl vor allem Germanisten interessieren. Zum Beispiel, dass die Aussprache von Jamaika eingedeutscht wurde, dass die Bild "JA-maika oder NEIN-maika" titelte und dass man jetzt auch von "lindnern" spricht, wenn jemand eine Verabredung in letzter Sekunde platzen lässt.

Darüber hinaus sei der erste Preis an "Jamaika-Aus" gegangen, weil damit eine historische, in Deutschland nie dagewesene Situation beschrieben werde, niemand damit gerechnet hätte und so weiter und so fort – I bims ehrlich gesagt leid, darüber länger zu sinnieren! Macht eben die GroKo weiter, nur nicht weiter weiter, sondern anders weiter, weil die SPD aus den vergangenen Jahren (hoffentlich) etwas gelernt hat ...

Plätze 2 und 3: Interessante Reihenfolge 🤔

Was ich dagegen sehr interessant finde, ist, dass in der Wahrnehmung der Jury das Wort "Jamaika-Aus" offenbar eine größere Signifikanz und Popularität hat als die Begriffe "Ehe für alle" (Platz 2) und "#Metoo" (Platz 3).

Ich bin ja keine Germanistin und schon gar keine Expertin, aber ich bringe "Ehe für alle" in meinem naiven Sprachverständnis mit einem Durchbruch auf dem Weg zur Gleichstellung und Akzeptanz von Homosexuellen in Verbindung. Gleichgeschlechtliche Paare haben ERST SEIT DIESEM JAHR die gleichen Rechte wie heterosexuelle (eigentlich immer noch unfassbar, wenn man bedenkt, dass wir im Jahr 2017 leben). Ist das historisch nicht mindestens genauso relevant wie Lindners Korb an die eingedeutschte Jamaika-Koalition?

Und #Metoo: Die Bewegung hat zigtausenden Frauen eine Stimme gegeben! Was für ein riesiges Problem Sexismus ist, verstehen dank #Metoo jetzt sogar Menschen, die noch vor einem halben Jahr gesagt hätten "der Rock des Vergewaltigungsopfers war aber auch ganz schön kurz". 

Andererseits gibt es nun mal nur einen ersten Platz, und dass die Jury "Ehe für alle" und "#Metoo" auf die Plätze 2 und 3 (übrigens vor "cofveve") gesetzt hat, spricht ja zumindest für das Jahr 2017!

Nächstes Jahr werde ich ohnehin wieder googeln müssen,  dass "Jamaika-Aus" 2017 das Wort des Jahres war. Warum meine schwulen Freunde ein Kind adoptieren dürfen, werde ich dagegen auch in 10 Jahren nicht googeln müssen.  

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