"Ich möchte ein paar Kilo abnehmen"

Andrea Eckart-Harendt, 40, lebenslustige Mutter zweier Mädchen, 7 und 13 Jahre alt, arbeitet als Kellnerin in einem Golfclub bei Dortmund. Seit ein paar Jahren nimmt sie langsam, aber stetig zu.

Die Ausgangssituation

Alles begann vor fünf Jahren. Andrea trennte sich vom Vater ihrer Kinder. In der Zeit danach nahm sie aus Frust stark zu. Aber auch heute, in neuer glücklicher Ehe, steigt ihr Gewicht weiter. Andreas Kühlschrank ist stets gut gefüllt. Sie nascht und kocht viel, bewirtet gern Freunde und Familie. Für sie ein Stück Lebensqualität, auf das sie nicht verzichten möchte. Doch mit Konfektionsgröße 42 findet sie - es reicht! Bei 1,62 Meter sind 71 Kilo zu viel. Sechs Kilo weniger wären ihr Traum. Und schon drei bis vier Kilo abzunehmen würde sie zufriedener stimmen. Sie sagt: "Ich komme mir manchmal vor wie eine tanzende Fleischwurst. Und ich will nicht, dass meine mittlerweile gleich große Tochter Kleider aus meinem Schrank stibitzt und sagt: Das passt dir doch eh nicht mehr."

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Die Ernährungsexpertin: Annette Leitz, Diplom-Ökotrophologin

Andreas Ernährungsweise ist klassisch falsch: zu viel, zu fett, zu wenig Obst und Gemüse. Dabei ist die Basis eigentlich gut. Sie frühstückt und isst mit ihrer Familie eine warme Mahlzeit am Tag. Sie sollte jedoch Figurkiller wie Teewurst und Camembert durch Kasseler und fettarmen Käse ersetzen. Außerdem trinkt Andrea täglich bis zu zehn Tassen Milchkaffee, dabei summieren sich etwa 700 Kalorien und 35 g Fett - das bringt pro Monat locker zwei Kilo mehr auf der Waage. Tipp: Zwei Tassen am Tag sind okay, sonst gibt es Wasser, Saftschorle oder Tee. Während der Arbeit nascht Andrea Pommes frites und Kekse. Das bringt viele Extra-Kalorien. Besser: Obst oder Gemüse-Sticks knabbern. Auch beim Kochen kann Andrea Kalorien einsparen: Dosenmilch mit 4 Prozent Fett ersetzt Schlagsahne, Fisch kommt nicht mehr paniert, sondern gedünstet mit viel Gemüse auf den Tisch. Abnehmen klappt durch bewusstes Kochen und Essen auch ohne starre Diätpläne.

Die Personal-Trainerin: Anja Ringkamp, Group Fitness Koordinatorin bei der Fitness-Company, Münster

Andrea machte bisher wenig Sport, aber sie hat die Motivation, etwas für sich zu tun. Das ist wichtig. Eine Analyse mit dem Körperfettmessgerät ergab: Ihr BMI liegt bei 27 und ist damit erhöht, ebenso ihr Fettanteil. Ich schlage vor: dreimal pro Woche etwa 60 Minuten Ausdauertraining zum Fettabbau. Da Andrea Knieprobleme hat, empfehle ich Nordic Walking. Tipp: Um den optimalen Pulsbereich für die Fettverbrennung zu erreichen, am besten mit Pulsuhr trainieren (siehe Test S. 38). Im Anschluss an das Nordic Walking stehen 30 Minuten Pilates auf dem Programm. Dieses Training stärkt die Rumpfmuskulatur und sorgt für ein besseres Körperempfinden. Eine Übung für eine aufrechte Haltung und mehr Körperbewusstsein ist besonders empfehlenswert: Im Stehen ausatmen, dabei den Bauchnabel nach innen und oben ziehen. Die Schulterblätter nach unten halten. Dabei gleichmäßig weiteratmen und die Anspannung etwa 10 bis 20 Sekunden halten.

Die Motivationstrainerin Tanja Böckling, Diplom-Psychologin und Personal-Coach, Koblenz

Schön, dass Andrea essen genießt, das ist kein Widerspruch zu gesunder Ernährung. Doch sie verputzt oft einen großen Becher Karamellpudding in Windeseile. Hier hilft üben, sich Zeit zu lassen und Essen mit allen Sinnen zu erleben - bewusst sehen, schmecken, riechen, fühlen und spüren, wann sie satt ist. Außerdem hat Andrea zwischen Familie und Beruf oft das Gefühl, selbst zu kurz zu kommen. Hier heißt das Zauberwort Achtsamkeit: inne halten, tief atmen, Prioritäten setzen und diese konzentriert angehen. Essen nutzt Andrea auch als Frustkiller. Um dies zu ändern, braucht sie gute Ersatzstrategien. Ideal sind kurze Auszeiten vom Alltag, z. B. sich an einen Lieblingsort zurückziehen und zur Ruhe kommen. Eine Wohlfühlstrategie mit Hilfe des Lieblingssinns entspannt und mindert die Esslust. Andrea fühlt gern weiche Stoffe auf der Haut. Ich empfehle ihr ein kleines Kuscheltier, das sie streicheln kann, wenn sie zum Schokoriegel greifen will.

... und das hat's gebracht

Nach einer Woche

Das alles fühlt sich für mich an wie ein Sechser im Lotto. Diese Euphorie ist noch immer da. Das Ernährungstagebuch, das ich schreibe, hat mir gezeigt, wie fetthaltig ich esse. Der Sport fällt mir Bewegungsmuffel echt schwer, am Anfang dachte ich: Worauf hast du dich da bloß eingelassen? Nach der ersten Stunde Nordic Walking konnte ich vor Muskelkater fast nicht mehr laufen. Es war erschreckend, zu sehen, wie unfit ich geworden bin. Aber meine große Tochter macht mit mir gemeinsam Sport, meine Familie ist unglaublich stolz auf mich, und das spornt natürlich an. Die Bauchnabel-Übung ist super: Ich mache sie selbst in der Schlange im Supermarkt. Keiner sieht's und mir tut's gut. Beim Einkaufen achte ich darauf, nicht zu fettreiche Käse- und Wurstsorten zu kaufen. Hühnchen brate ich in einer beschichteten Pfanne sogar ganz ohne Fett. Und zu Pellkartoffeln gibt's jetzt Quark statt Schmand. Im Restaurant unterstützen mich meine Arbeitskollegen, und zwischendurch esse ich Obst und Salat statt Pommes frites. Es klappt also wirklich gut. Ich habe tatsächlich schon ein Kilo abgenommen, und die ersten Hosen sitzen bequemer. Ich wollte das, also halte ich es auch durch.

Nach sechs Wochen

Ich sage mir jetzt oft: Stopp, das ist mein Leben, ich lasse mich nicht mehr so vereinnahmen. Und wenn ich Heißhunger verspüre, gehe ich nicht mehr zum Kühlschrank, sondern knete ein kleines Nicki-Tierchen. Durch bewussteres und langsameres Essen bin ich auch viel schneller satt. Selbst drei Tassen Milchkaffee reichen plötzlich, und nach ein paar Löffeln Pudding habe ich genug. Es sind die kleinen Tipps der bewussten Wahrnehmung und des fettreduzierten Essens, die mich zum Umdenken gebracht haben. Auch die Fitness-Trainerin hat mich immer wieder stark motiviert. Sport ist keine Überwindung mehr, Walken und Gymnastik machen mittlerweile sogar Spaß. Das Resultat: Ich habe dreieinhalb Kilo und vier Prozent Körperfett verloren, fühle mich insgesamt straffer und habe eine viel geradere Körperhaltung. Man sieht es auch. Bekannte und Familie sagen: »Oh, du hast abgenommen. Deine Ausstrahlung - du siehst klasse aus.« Und: Ich hab mir eine Hose in Größe 38 gekauft und die Kleidungsstücke, die mir nicht mehr passen, aus dem Schrank geworfen!

Sie wünschen sich mehr Energie für den Alltag? Sie wollen aktiver leben und gesünder essen? Kein Problem, unsere Experten helfen. Hier können Sie alle Folgen von "Kein Problem" nachlesen.

Text: Stefanie Wiggenhorn BRIGITTE Balance Heft 3/2006

Wer hier schreibt:

Stefanie Wiggenhorn
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