"Moppel-Ich" trifft auf "Bridget Jones"

Weil diese beiden Autorinnen mit der Kunst des Kalorienzählens den dicksten Erfolg überhaupt haben, luden wir sie zum Gipfeltreffen: Susanne Fröhlich ("Moppel-Ich") trifft Helen Fielding ("Bridget Jones").

Susanne Fröhlich: Als ich zum ersten Mal „Bridget Jones“ las, hatte ich das Gefühl, wir seien Seelenverwandte. All das Kalorienzählen, die zu engen Röcke, diese merkwürdige Unterwäsche, die den Bauch flach macht und dann die Speckrollen bis unters Kinn schiebt - das kam mir alles sehr bekannt vor.

Manuela Reimann: So zeigt sie ihr neues Ich!

Helen Fielding: Die Idee zu Bridgets Kalorienzählen stammt aus den Tagebüchern meiner Studentenzeit, als ich tatsächlich minutiös darüber Rechenschaft ablegte, was ich jeden Tag aß, von rohen Möhren – 15 Kalorien – bis zur Schachtel Pralinen – 4825 Kalorien. Meist beides hintereinander. Allerdings war ich damals sehr dünn. Sie waren doch auch nie richtig dick, oder?

Susanne Fröhlich: Ziemlich dick. Größe 46 – die gibt es nicht in normalen Geschäften. Größe 46 bedeutet Hauszelte mit aufgedruckten Häschen. 23 abgehungerte Kilos später bin ich immer noch nicht elfengleich, aber für mich ist es okay. Wenigstens muss ich jetzt nicht mehr jede Nacht wie ein Vampir um den Kühlschrank kreisen. Aber ich glaube, genau darum sind unsere Bücher so erfolgreich. Frauen lesen „Moppel-Ich“ oder „Bridget Jones“ und denken: Na wunderbar, die ist ja genauso schwach wie ich.

Helen Fielding: Aber Bridget Jones hat nie wirklich abgenommen, Sie schon.

Susanne Fröhlich: Wahrscheinlich weil ich das Buch geschrieben habe. Mit "Moppel-Ich" habe ich meinen letzten Versuch gemacht, schlank zu werden. Ich wollte danach nicht kugelrund in Talkshows sitzen und zugeben, dass es nicht geklappt hat. Außerdem wollte ich endlich mal wieder shoppen gehen und im Geschäft sagen können "Ich nehme das Kleid", weil es mir gefällt. Nicht weil es schwarz und das einzige in meiner Größe ist.

Helen Fielding: Was haben Sie als Erstes gekauft?

Susanne Fröhlich: Ein Kostüm, das ich gar nicht mal besonders toll fand. Aber es war Größe 40. Ich hätte das Größenschild gern außen am Revers getragen.

Helen Fielding: Und was haben Sie mit Ihren alten Kleidern gemacht?

Susanne Fröhlich: Alle weggegeben. Wenn ich sie behalten hätte, gäbe es keine Hoffnung für mich. Ich will nicht wieder zulegen. Aber ich muss auch nicht noch dünner werden. Nachdem mein Buch herauskam, hatte ich einen großen Fototermin mit Stylisten. Ich erzählte ein bisschen von meinem Buch und vom Abnehmen, und eines dieser superhippen Mädels kam herüber und sagte: „Ich höre, Sie wollen eine Diät machen. Das ist eine prima Idee.“ Idealgewicht ist eben eine sehr persönliche Angelegenheit.

Helen Fielding: Deshalb habe ich nie gesagt, wie groß Bridget war. Die Leser wussten nie, ob sie wirklich pummelig oder nur neurotisch war.

Susanne Fröhlich: Waren Sie mit der moppeligen Renée Zellweger im Film zufrieden?

Helen Fielding: Ja, ich fand sie großartig.

Susanne Fröhlich: Gestern Abend im Bett habe ich Ihren neuen Roman "Olivia Joules" zu Ende gelesen und mich gefragt: Ist Olivia nun die erwachsene, selbstbewusste Version von Bridget?

Helen Fielding: Olivia ist Ihnen recht ähnlich. Sie ist die Bridget-Version, die aufhört, sich über ihr Gewicht zu beklagen, und einfach abnimmt. Und gleichzeitig ist sie eine Fantasy-Version von mir, während Bridget ein Teil von mir war, zu dem ich mich nicht gern bekennen wollte. Als ich mich an „Olivia“ setzte, dachte ich: Was wäre, wenn Bridget ihr Leben in den Griff bekäme und sich nicht ständig fragte, was andere von ihr denken?

Susanne Fröhlich: Meinen Sie, das ist wirklich möglich: sich nicht zu fragen, was andere Leute denken?

Helen Fielding: Nur in Fantasy-Romanen. Im wirklichen Leben verbringen wir gern Partys damit, beleidigt zu sein, weil wir von jemandem scheinbar stehen gelassen wurden. Oder wir fühlen uns schlecht, weil wir selbst jemanden stehen gelassen haben. Aber niemand beobachtet uns wirklich so genau. Auf Partys ist jeder nur mit sich selbst beschäftigt. Wenn man sich das klar macht, wird das Leben einfacher.

Buchtipp: Der neue Helen Fielding

Ab Mitte September ist der neue Roman von Helen Fielding "Die Geheimnisse der Olivia Joules" im Handel erhältlich (Ü: Marcus Ingendaay, 416 S., 19,90 Euro, Goldmann).

Moderation: Nadja Bossmann
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