Wie gut sind Appetitzügler?

Abnehmen ohne Hunger - das versprechen Appetitzügler aus der Apotheke. Sie heißen CM3, Matricur oder Konjacmehl und enthalten Ballaststoffe, die sich im Magen ausdehnen. Klingt genial, aber funktioniert das auch?

Und - wie schädlich sind die eigentlich? Experten wiegeln ab: "Verglichen mit den Appetitzüglern von vor 30 Jahren und ihren gefährlichen Nebenwirkungen sind diese Mittel harmlos. Doch ob sie helfen und wie genau sie wirken, dazu fehlen noch aussagekräftige Studien", meint der Düsseldorfer Übergewichtsexperte Hans Hauner. Der Internist ist eher skeptisch: "Nur ein winziger Teil des Magens wird gefüllt, ich bin nicht sicher, dass das für ein Sättigungsgefühl reicht, vor allem wenn der Magen an große Nahrungsmengen gewöhnt ist."

Dass viele Frauen dennoch behaupten, nach Einnahme der Sattmacher weniger Hunger zu haben, kann laut Hauner auch an einem Placebo-Effekt liegen: "Wer sich so ein Präparat kauft, ist stark motiviert abzunehmen bzw. weniger zu essen. Schon das kann den Hunger bremsen." Und der Effekt wird noch verstärkt, weil die Mittel mit reichlich Wasser runtergespült werden.

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Eine Dauerlösung sind Pillen, Pulver und Kapseln gegen den Appetit nicht

Eine Dauerlösung sind Pillen, Pulver und Kapseln gegen den Appetit aber nicht. Es macht nur Sinn, sie eine Zeit lang zu nehmen, wenn man gleichzeitig auch die Ernährung umstellt. Außerdem gibt es preiswertere Alternativen: ein Glas Wasser kurz vor den Mahlzeiten trinken; eine Scheibe Knäckebrot oder eine halbe Scheibe Vollkornbrot essen oder ein paar nicht zu süße Trockenfrüchte, zum Beispiel Aprikosen oder Apfelringe.

Zellulose füllt den Magen

Viele Sättigungspräparate enthalten Ballaststoffe, denn die machen schnell satt, sind gesund und gut für die Verdauung. Am häufigsten kommt dabei Zellulose zum Einsatz. Sie steckt zum Beispiel in Getreide und Gemüse und quillt in Flüssigkeit auf. Zellulose ist unverdaulich, durchläuft relativ unbeschadet Magen und Darm. Normalerweise ist das kein Problem.

Nur wenn jemand viel Fast Food isst und dann Zellulose einnimmt, müssen sich die Verdauungsorgane erst auf die ballastreiche Kost einstellen; meist reagieren sie zunächst mit Magendruck, Blähungen und Völlegefühl. Ähnliches passiert übrigens, wenn man Weißbrot gewöhnt ist und dann komplett auf Vollkornbrot umsteigt. Nach einer gewissen Übergangszeit erledigt sich das Thema meist. Wer allerdings an einer Magen-Darm-Erkrankung leidet, sollte Zellulosepräparate keinesfalls ohne ärztliche Rücksprache einnehmen.

Schwämmchen: CM3

Aus Baumwolle, Flachs und Holz werden die Zellulose-Schwämmchen CM3 hergestellt. Sie befinden sich zusammengepresst in einer Kapsel und dehnen sich im Magen auf die Größe eines Würfelzuckers aus. Sie bleiben zwischen sechs und acht Stunden im Magen, bevor sie über den Darm nach draußen wandern.

Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) waren im Zusammenhang mit der Einnahme von CM3 vereinzelt Fälle von Nebenwirkungen, unter anderem auch Darmverschluss, gemeldet worden. Daraufhin hat der Hersteller CM3 überarbeitet. Die Schwämmchen haben jetzt "Sollbruchstellen", damit sie im Darm zerfasern und leichter den Körper verlassen können.

Pulver: BMI 23

Zellulose steckt auch in BMI 23, aber als Pulver. Mit Flüssigkeit zusammen bildet es im Magen ein Gel, das lang anhaltend sättigen soll.

Außerdem soll BMI 23 gleich doppelt beim Abnehmen helfen, weil es Fett binden kann. Es stimmt zwar: Zellulose bindet Fett - nur sind die Mengen kaum der Rede wert.

Caigua-Kapseln

Ähnlich hilfreich sollen Caigua-Kapseln funktionieren. In ihnen steckt Fruchtpulver der gleichnamigen Inkagurke, das Zellulose und Pektin enthält. Außerdem soll Caigua den Stoffwechsel anregen und die Fettverbrennung ankurbeln. Ob das klappt, ist nicht belegt.

Ballaststoff-Kapseln

Die "Ballaststoff-Kapseln" von bioNorm wollen mit dem Ballaststoff Erbsenkleie und dem Verdickungsmittel Carrageen den Hunger bekämpfen. Auch hier soll sich im Magen ein Gel mit sättigender Wirkung bilden. Wer allerdings meint, mit den Kapseln gleichzeitig seine Ballaststoffbilanz aufzubessern, sollte wissen: In einer Kapsel stecken 330 Milligramm Ballaststoffe.

Bei (den empfohlenen) sechs bis neun Kapseln pro Tag macht das zwei bis drei Gramm. Das ist nicht überwältigend, wenn man bedenkt, dass wir mindestens 30 Gramm Ballaststoffe täglich essen sollten und Frauen im Schnitt nur auf 22 Gramm kommen. Vier getrocknete Aprikosenhälften oder eineinhalb Scheiben Knäckebrot liefern übrigens genauso viele Verdauungshelfer wie neun Kapseln bioNorm.

Konjacmehl

Ein anderer Quellstoff ist Konjacmehl. Es wird aus der asiatischen Konjac-Knolle hergestellt und enthält jede Menge unverdauliche Ballaststoffe. Für den sättigenden Effekt sollen so genannte Pflanzengummis (Glucomannane) sorgen, die in Flüssigkeit um das 30- bis 50fache aufquellen können.

In der asiatischen Küche wird Konjac als Bindemittel und für die Herstellung von Glasnudeln geschätzt. Daher findet man das Mehl meist in asiatischen Lebensmittelläden; Kapseln zum Einnehmen gibt es in der Apotheke. Über die urteilt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: "Etwas sättigend, unschädlich und sehr teuer."

Kollagen

Vollständig verdaut wird dagegen Kollagen. Der Eiweißstoff ist Hauptbestandteil des Bindegewebes von Mensch und Tier. Er bindet Feuchtigkeit, und darauf setzt Matricur. Die zusammengepressten Schwämmchen aus Kollagenfasern dehnen sich mit Flüssigkeit eingenommen etwa 18-fach aus (sie sind dann ein bisschen größer als ein Zuckerwürfel). Laut Hersteller sollen sie ungefähr acht Stunden sättigen. Dann löst sich das Kollagen auf und wird wie jedes andere Eiweiß im Darm verdaut.

Dass das Kollagen aus Rinderhaut gewonnen wird, dürfte im Zusammenhang mit BSE manche potenziellen Interessenten verunsichern. Doch Rinderhaut gilt laut Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin als nicht infektiös.

Text: Susanne Gerlach

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